BAK-Aus: Schneeberg zieht Notbremse

Das Krankenhaus in der Bergstadt soll geschlossen werden. Der Stadtchef will dem jetzt nicht mehr zustimmen, so lange ein Konzept für die Mitarbeiter fehlt.

Schneeberg.

Die Stadt Schneeberg tritt beim Plan, das Bergarbeiter-Krankenhaus (BAK) zu schließen und als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) wiederzueröffnen, auf die Bremse. "Weder der Stadtrat noch ich können dem Vorhaben bei seinem derzeitigen Stand zustimmen", kündigt jetzt Bürgermeister Ingo Seifert (Freie Wähler/Bika) an. Das Klinikum Chemnitz müsse erst seine Hausaufgaben machen und ein konkretes Konzept vorlegen, forderte er. "Die Stadt steht an der Seite der BAK-Mitarbeiter. Erst wenn ihre Zukunft gesichert ist, kann die Stadt ihre restlichen Anteile an das Klinikum Chemnitz verkaufen. Derzeit sehen wir dafür keine Möglichkeit", erklärt der Bürgermeister.

Im Moment hält das Klinikum Chemnitz 74,9 Prozent der Anteile des BAK, die Stadt Schneeberg den Rest. Ende Oktober wurde den Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung mitgeteilt, dass das BAK Mitte des kommenden Jahres schließen wird. Dafür soll ein MVZ die medizinische Versorgung der Bürger übernehmen. Zudem ist geplant, dass Teile des Krankenhaus zu einer Pflegeeinrichtung umzubauen.

Doch diese Ankündigung hat viele BAK-Mitarbeiter verunsichert. Sie fürchteten um ihre Zukunft. Die Alternative, künftig in Chemnitz zu arbeiten, sei keine Perspektive, teilten sie auf der jüngsten Stadtratssitzung mit. Zudem hätten benachbarte Kliniken angeboten, die Fachkräfte anzustellen. Deshalb wird befürchtet, dass das BAK ausblutet.

"Aus meiner Sicht hätte nach der Vorstellung der Pläne innerhalb kürzester Zeit für die Mitarbeiter gleichberechtigt ein Interessenbekundungsverfahren eröffnet werden müssen. Nur so wäre eine Verunsicherung zu vermeiden gewesen", sagt Seifert.

Laut Bürgermeister hätte die Klinikleitung daher vorlegen müssen, wie viel im Idealfall Personal voraussichtlich künftig in Schneeberg benötigt wird. "Zudem müssten die Mitarbeiter selbst die Möglichkeit haben, ihre Wünsche mitzuteilen", sagt Seifert. Schließlich gehe es darum, die Umstrukturierung gemeinsam mit den Angestellten vorzunehmen. "Doch das bisherige Vorgehen der Klinikleitung war unprofessionell", sagt er und bedauert: "Leider war ich im November in meinem Jahresurlaub, der langfristig gebucht war." Daher habe er nicht eher auf die Bremse treten können. Ingo Seifert fordert nun vom Klinikum Chemnitz, ein konkretes Konzept für die medizinische Versorgung in Schneeberg ein. "Das sind wir den Bürgern und den Krankenhausmitarbeitern schuldig." Der Stadtrat und er könnten nicht hinnehmen, dass das Krankenhaus ohne verbindliche Zusagen geschlossen wird. "Dafür braucht es auch die Unterstützung des Freistaates und der Kassenärztlichen Vereinigung", so Seifert. Schließlich könne in Schneeberg auch ein positives Beispiel geschaffen werden, dass sich trotz Klinik-Schließung die medizinische Versorgung nicht verschlechtert.

Allerdings stellt der Bürgermeister nicht nur Forderungen an das Klinikum Chemnitz, er appelliert auch an die Mitarbeiter, vorerst abzuwarten: "Wenn die Fachkräfte nicht in Schneeberg bleiben, sondern sich von anderen Kliniken abwerben lassen, dann werden sich mögliche Konzepte nicht mehr umsetzen lassen." Die Stadt Schneeberg habe ein großes Interesse an dem MVZ und der Pflegeeinrichtung. "Wir werden für die Mitarbeiter und die Bürger kämpfen", verspricht Seifert. Nicht umsonst habe sich die Stadt viele Jahre erfolgreich für die Erhaltung des Krankenhauses eingesetzt. Besonders in der Vorweihnachtszeit hätten die BAK-Beschäftigten ein Recht darauf, zu wissen, wie es weiter geht.

Diese Möglichkeit könnte es nun am 3. Dezember geben. "Wir laden die Belegschaft zu einer ,Informationsveranstaltung Standort BAK' ein", sagt BAK-Geschäftsführerin Sophia Glock. Dabei werden nicht nur der Klinikum-Geschäftsführer Dirk Balster und Bürgermeister Ingo Seifert als Vertreter der Gesellschafter anwesend sein, sondern auch Thomas Hohlfeld, der Geschäftsführer der Poliklinik Chemnitz, und Andreas Haustein, der Geschäftsführer der Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge. Die beiden Letztgenannten sollen ihr Konzept für den Standort Schneeberg vorstellen und erklären, wie sich die Mitarbeiter auf diese Stellen bewerben können.

Unabhängig davon wird der Schneeberger Stadtrat dieses Jahr nicht mehr über die Zukunft des Bergarbeiter-Krankenhaus abstimmen "Unter den derzeitigen Voraussetzungen sind wir nicht in der Lage, eine Beschlussvorlage für den Stadtrat zu erarbeiten", sagt Bürgermeister Ingo Seifert.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...