Behörde bestätigt Wolfsrisse in der Region

Die Fachstelle hat sich festgelegt. Es war ein Wolf, der Ende November einem Schaf in Sorgau die Kehle durchgebissen hatte. Ein weiterer Fall ist ebenfalls abgeschlossen.

Sorgau/Großolbersdorf.

Falk Richter und seine Familie haben endlich Gewissheit. Es war ein Wolf, der eines ihrer Schafe durch einen Biss in den Halsbereich getötet und ein weiteres verletzt hatte. Dem verwundeten Tier geht es zwar inzwischen wieder gut. "Aber trotzdem sperre ich die Schafe abends noch immer zur Sicherheit im Stall ein", sagt der Mann aus Sorgau.

Der Wolfsriss ereignete sich Ende November vergangenen Jahres. Falk Richter war sich schon damals sicher, dass nur ein Wolf als Übeltäter in Frage kommt. Doch Falk Hofer vom sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sagte lediglich, dass das Raubtier als Verursacher nicht ausgeschlossen werden kann. Mittlerweile präzisiert die Fachstelle des Freistaats diese Aussage: Ein Wolf gelte mit hinreichender Sicherheit als Verursacher, teilt Sprecherin Vanessa Ludwig mit. Einfacher ausgedrückt: Ja, er war es. Damit hat die zuständige Behörde nunmehr sechs Wolfsrisse 2019 im Erzgebirge bestätigt.

Allerdings war es nicht die noch am selben Tag entnommene DNA-Probe, die den Fall gelöst hat, sondern bereits die Begutachtung des Experten vor Ort. "Grundsätzlich werden im Freistaat genetische Proben bei Nutztierübergriffen nicht für die Schadensermittlung hinzugezogen", erläutert Vanessa Ludwig. Für Tierhalter gilt: Es reicht aus, dass der Gutachter einen Wolf als Verursacher nicht ausschließen kann, um Schadensausgleich beantragen zu können. Genetische Proben hingegen werden nur für Monitoringzwecke genommen, ergänzt die Sprecherin der Fachstelle Wolf. "Beispielsweise, wenn in dem Gebiet, wo der Übergriff stattgefunden hat, noch kein Wolfsterritorium nachgewiesen ist."

Zwar ist die Probe von Sorgau noch nicht analysiert. Vermutet wird jedoch, dass es sich um ein Tier des Výsluní-Rudels aus Tschechien handelt, dessen Einzugsgebiet bis nach Sachsen nachgewiesen ist. Auf der sächsischen Seite des Erzgebirges hingegen ist derzeit kein Wolfsterritorium bestätigt, so Vanessa Ludwig: "Unabhängig davon kann überall im Freistaat jederzeit ein Wolf auftauchen, auch außerhalb bestätigter Territorien." Es sei üblich, dass sich Jungtiere irgendwann einen Partner suchen und in einem freien Gebiet sesshaft werden. "Dafür legen sie häufig weite Strecken zurück. Weltweit sind bis mehr als 1000 Kilometer bekannt", erklärt dieExpertin. Außerdem seien Wölfe hoch mobile Tiere. An einem Tag oder in einer Nacht schaffen sie regelmäßig 20 bis 30 Kilometer. Einzelne Spitzenwerte liegen bei 50 Kilometern.

Demnach können Wölfe, die in Sachsen außerhalb der bisher 23 bestätigten Rudel nachgewiesen werden, aus allen Teilen Deutschlands sowie auch aus Polen oder Tschechien stammen. Das gilt auch für das getötete Schaf Ende November im Großolbersdorfer Ortsteil Grünau. Den Wolfsriss hat die Fachstelle mittlerweile bestätigt. Bei der Auswertung eines Videos - Nachbarn hatten zufällig gefilmt, wie ein Wolf ein totes Schaf über die Weide zerrte - ist sich die Behörde noch unsicher gewesen. "Die Bildqualität des vorliegenden Videos reicht leider nicht aus, um das Tier, das zu sehen ist, als Wolf oder als Hund zu bestätigen", sagte Vanessa Ludwig Mitte Dezember. Nun hat sich die Fachstelle festgelegt.

Somit lag Matthias Fiedler von Anfang an richtig. "Ich bin mir sicher, dass es ein Wolf war", stand für den Besitzer des Schafes sofort fest. Dafür kaufen kann er sich allerdings nichts. Denn bei einem normalen Weidezaun, wie in diesem Fall, besteht kein Anspruch auf Schadensersatz für das gerissene Schaf.

Weitere Infos zum Thema Wolf in Sachsen online unter: www.freiepresse.de/wolf


Wölfe haben im vergangenen Jahr mindestens 388 Nutztiere in Sachsen getötet - Zehn Fälle aus dem Erzgebirgskreis gemeldet

Der Fachstelle Wolf wurden im vergangenen Jahr 192 Schadensfälle in Sachsen gemeldet. In 134 Übergriffen auf Nutztieren gilt ein Wolf als Verursacher.

Bei den bestätigten Wolfsangriffen wurden 537 Tiere geschädigt. Davon wurden 388 getötet, 83 verletzt und weitere 66 gelten als vermisst.

Aus dem Erzgebirgskreis wurden 2019 zehn Fälle gemeldet. Bei bislang sechs Meldungen wird ein Wolf als Verursacher eingestuft.

Die Fälle aus dem Erzgebirge im Überblick (Stand 17. Januar 2020):

21. November in Sorgau: ein Schaf getötet, ein Schaf verletzt; ein Wolf gilt als Verursacher.

20. November in Großolbersdorf: ein Schaf getötet; ein Wolf gilt als Verursacher.

14. November in Jöhstadt: ein Schaf getötet; ein Wolf gilt als Verursacher.

11. Oktober in Jöhstadt: vier Schafe verletzt; ein Wolf gilt als Verursacher.

31. August in Crottendorf: ein Schaf getötet; andere Todesursache, keine Hinweise auf einen Wolf; Fall abgeschlossen.

10. Juli in Sehmatal: ein Kalb getötet; Fall in Bearbeitung.

19. Juni in Gelenau: ein Kalb getötet; Fall in Bearbeitung.

5. Juni in Schwarzenberg: ein Kalb getötet; Fall in Bearbeitung.

17. April in Marienberg: ein Kalb getötet, ein Kalb vermisst; ein Wolf gilt als Verursacher.

13. April in Oberwiesenthal: fünf Schafe getötet, ein Schaf vermisst; ein Wolf gilt als Verursacher.

2018 wurde im Erzgebirge nur ein Schaden gemeldet - das tote Kalb aus Grünhainichen vom 4. März. Die Fachstelle fand eine andere Todesursache: Totgeburt. Das habe die Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheits- und Veterinärwesen bestätigt. (rickh)


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