Berührende Spurensuche gegen das Vergessen

Todesmärsche zogen kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs auch durch das Westerzgebirge. Schneeberger Oberschüler haben intensiv dazu recherchiert.

Schneeberg.

Spurensuche gegen das Vergessen: Mädchen und Jungen der Oberschule Bergstadt Schneeberg haben ein besonderes Geschichtsprojekt gestemmt. "Es war ein ungewohntes Gefühl", sagt Sara Voigt. Die 14-Jährige stimmte der Stoff teils sehr traurig. "Weil ich mich immer wieder fragte, wie so etwas überhaupt passieren konnte." Im Unterrichtskomplex zu Herrschaft und Alltag im Nationalsozialismus geht es auch um Todesmärsche in Folge der Räumung von Konzentrationslagern und deren Außenstellen.

Von Letzteren gab es mehrere im Westerzgebirge. Und so wurden Häftlinge am Ende des Zweiten Weltkriegs auch durch die hiesige Region getrieben - ins Ungewisse und nicht selten in den Tod. "Einer dieser Märsche führte direkt an unserer Schule vorbei", sagt Sara Voigt. Das berührt die Lindenauerin sehr. "Meine Mitschüler auch." Intensiv hat sich die Gruppe mit dem Thema befasst. Es entstanden Power-Point-Präsentation, Ausstellung, Broschüre und ein Vortrag über die Auflösung der Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg in Mülsen St. Micheln und Lengenfeld sowie deren Evakuierung.


Die Ergebnisse stellten die Neuntklässler, die seit März am Projekt arbeiten, im Landtag in Dresden und in der eigenen Schule vor. Im Januar folgt ein weiterer Termin in Schneebergs "Goldner Sonne". Linda Voigt bereut ihre Mitarbeit nicht. "Ich wünsche mir, dass so etwas nie wieder geschieht." Dazu müsse man an die Zeit erinnern - als Mahnung. Das findet auch Tim Unger. "So nah hätte ich es nicht vermutet", sagt er mit Blick auf den Todesmarsch Mülsen St. Micheln, der Neustädtel passierte. Rund 790 Häftlinge, teils barfuß oder in Holzschuhen, liefen los. Allein 83 wurden in Niederschlema erschossen. Nur 350 überlebten den Marsch bis zur Befreiung. "Schrecklich", so der 14-Jährige. Dennoch dürfe das alles nicht in Vergessenheit geraten. "Es ist ohnehin schwer, genaue Zahlen oder Fakten zu recherchieren, weil lange alles verdrängt wurde." Zeitzeugen gebe es kaum noch. "Doch wir müssen daran erinnern, um zu verhindern, dass es sich wiederholt."

Respekt zollt Lehrerin Bettina Kaufmann ihren Schülern. "Sie haben sich reingekniet, viel Freizeit investiert und mitgefühlt", sagt sie. Basis der Recherchen waren Bücher und Vor-Ort-Besuche etwa in der Gedenkstätte Flossenbürg und an Denkmälern, die unter anderem in Johanngeorgenstadt und Eibenstock an die Todesmärsche erinnern. Aufzuarbeiten gebe es noch viel. "Wir konnten nur einen kleinen Teil bearbeiten. Aber das haben die Schüler sehr gut gemeistert."

Die öffentliche Präsentation des Projekts "Spurensuche" der Schneeberger Oberschüler findet am 29. Januar ab 18 Uhr in der "Sonne" statt. Der Eintritt ist frei.

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