Bleibt die Kirche im Dorf?

Personalnot zwingt die katholischen Gemeinden zur Fusion. Ab 6. Januar gehen auch Aue, Schwarzenberg, Stollberg und Zwönitz gemeinsame Wege. Dazu hat es das Machtwort des Bischofs gebraucht.

Aue/Schwarzenberg.

Heute fällt der Gottesdienst der katholischen Gemeinden in Raschau und Beierfeld aus. Denn Pfarrer Dominikus Goth aus Schwarzenberg übernimmt am Wochenende dafür vertretungsweise die Gottesdienste in Thalheim und Zwönitz.

"Raschau und Beierfeld ist das erste, was ich einsparen werde, zumal wir dort Gemeinderäume der evangelischen Kirche angemietet haben", sagt Goth angesichts der aktuellen Personalnot. Im nächsten Jahr gehen 3500 Gemeindeglieder der katholischen Kirche in Aue, Schwarzenberg, Zwönitz und Stollberg gemeinsame Wege. Dann kann es zu Veränderung von Gottesdienstzeiten und Zusammenlegung von Terminen kommen. Auch unklar ist, wie in Zukunft der Religionsunterricht in dem großen Gebiet abgesichert werden kann. Am 6. Januar 2019 soll die Fusion erfolgen - der Termin wurde vom Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, festgelegt. Festgehalten ist seine Entscheidung in einem Brief, den Pfarrer Goth am 13. September erhalten hat. Darin heißt es: "Name und Sitz der Pfarrei wird Römisch-Katholische Pfarrei St. Marien in Aue sein" (jetzt Kirche Mater dolorosa) und "die Neugründung der Pfarrei" erfolgt am 6. Januar des nächsten Jahres.

Pfarrer Goth hatte im Vorfeld dem Bischof berichtet, dass es trotz intensiven Ringens zu keiner Verständigung über Sitz und Namen (Patrozinium) der neuen Pfarrei im Sinne eines mehrheitlichen Votums gekommen sei. Zusammenschließen sollen sich die bestehenden Pfarreien Mater dolorosa Aue mit 1100 Gläubigen, St. Marien Stollberg mit 800, St. Peter und Paul Zwönitz mit 700 sowie Heilige Familie Schwarzenberg mit 850 Gläubigen.

Pfarrer Dominikus Goth ist leitender Pfarrer der Verantwortungsgemeinschaft. So nennen sich die katholischen Gemeinden von Aue, Schwarzenberg, Zwönitz und Stollberg, seit sie 2013 vom damaligen Bischof Heiner Koch zum "Erkundungsprozess" eingeladen wurden. Sein Anliegen war, größere pastorale Räume zu schaffen und damit einhergehend eine Verschlankung der Verwaltung zu erreichen.

Die Katholiken in ganz Deutschland stehen wie Gemeinden anderer Kirchen auch vor dem Problem des massiven Mitgliederschwunds. Als Pfarrer Goth vor zwölf Jahren nach Schwarzenberg kam, gab es in dem Gebiet der Verantwortungsgemeinschaft noch 4500 Mitglieder der katholischen Gemeinde, heute sind es 3500. Und: Der Kirche gehen die Priester aus. "Fünf Priestern, die in den Ruhestand gehen, steht einer, der neu geweiht wird, gegenüber", sagt Goth. Es sei ein "Beruf unter erschwerten Bedingungen", nicht nur wegen des Zölibats, auch weil ihn nur der ausüben kann, "der von Gott dazu berufen wurde", begründet der 46-Jährige.

Goth kennt die Befindlichkeiten in den katholischen Gemeinden. Für ihn ist das Machtwort des Bischofs das "Ungünstigste" in der aktuellen Situation. "Wenn Kinder sich streiten, ist es nicht angebracht, einzugreifen, weil sie lernen müssen, miteinander klar zu kommen", zieht er den Vergleich. Der Bischofswechsel im Bistum Dresden-Meißen 2016 hat aus seiner Sicht "zu manchen inhaltlichen Brüchen" geführt. Die Entscheidung des neuen Bischofs Timmerevers, dass die Neugründung der Pfarrei in Aue 2019 stattfinden soll, sei erst 2017 gefallen. Der Neubeginn findet ohne Pastoralkonzept, also ohne gemeinsame Vereinbarung der beteiligten Gemeinden, statt. Das ist für Goth ärgerlich.

Noch nicht abzusehen ist, wie die Aufgaben der Kirche zukünftig personell gestemmt werden können. Goth geht davon aus, dass mehr Gemeindeglieder ehrenamtlich tätig sein werden müssen. In Schwarzenberg gab es beispielsweise 2013 noch sechs Vollzeitstellen, jetzt sind es vier - drei Priester und ein Diakon. Bis 2025 soll die Zahl auf drei Stellen schrumpfen. Und auch mit einer anderen Entwicklung wird sich die neue, große Pfarrei anfreunden müssen: Nach der sogenannten Flächenrichtlinie der katholischen Kirche wird bezogen auf die Gläubigenzahl und die Größe des Territoriums errechnet, was an finanziellen Möglichkeiten vorhanden ist, um die Gebäude im Besitz der Gemeinden zu erhalten. "Wir bewirtschaften aktuell mehr als das Doppelte an Kirchen, Gemeinderäumen und Pfarrhäusern, als uns danach zustehen würde", so Goth.

Die Entscheidung, wer Pfarrer der neu gegründeten Gemeinde sein wird, ist noch nicht gefallen. Der Bischof habe sie für Oktober oder November in Aussicht gestellt. Fraglich, ob es dabei bleibt, denn nach einer Operation liegt Timmerevers im Krankenhaus und wird anschließend wohl zur Reha gehen. Goth sieht es als unwahrscheinlich an, dass er selbst Pfarrer der neuen Pfarrei werden könnte. Vielmehr geht er davon aus, dass er Schwarzenberg verlässt. "Im Erzgebirge ist nicht viel Platz", begründet er warum wahrscheinlich weiter weg eine neue Herausforderung auf ihn wartet.

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