Blitzlichtgewitter vorm Kurhotel

Werbefotografie clever gemacht: Die Schlemaer Kurgesellschaft hat über die Zeitung Laienmodels gesucht - und gefunden. Wer jetzt nur an Damen im 90-60-90-Körpermaß denkt, liegt falsch.

Bad Schlema.

Die Sonne lacht, Blende acht: Es ist ein blendend schöner Spätsommertag, und vor dem Kurhotel in Bad Schlema lachen drei Frauen und zwei Männer bei einem Sektempfang in die Kamera. Die Szene ist gestellt und Teil eines Fotoshootings, zu dem die Kurgesellschaft eingeladen hat. Es folgen noch Aufnahmen beim Dinner, in der Lounge, bei der Ergotherapie und mit Elektro-Bikes im Panoramagarten. Von 8 bis 22 Uhr soll das Posieren an diesem Tag dauern.

Gesucht waren hierfür jedoch keine jungen Profimodels, sondern Laien aus der Region im mittleren Alter. "Die Auswahl ist uns nicht leicht gefallen", sagt Katja Morgenstern, Werbeverantwortliche der Kurgesellschaft. Mehr als 20 Bewerbungen seien eingegangen. Hier eine Auswahl der Ausgewählten: Die Überzeugungstäterin, die mal was Neues kennenlernen wollte -Katrin Groß hat schon 15-mal in Bad Schlema einen zwei- bis dreitägigen Wellnessurlaub verbracht. "Man muss nicht weit fahren, um was Schönes zu erleben", sagt die 44-jährige Krankenschwester aus Wilkau-Haßlau, die stets allein in den Kurort fährt. "Da bin ich unabhängig und kann machen, was ich will." Ein Fotoshooting - das sei Neuland für sie. "Das ist mal was anderes", sagt Groß, die unter anderem auf dem E-Bike und mit Rollkoffer bei der Anreise souverän posierte. Der Darstellungskünstler, der auch schon mal bei einer Mister-Wahl mitgemacht hat - "So was ist schon interessant", sagt Clemens Wacker aus Aue. Der 42-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er Lust am Darstellen hat. In den 1990er-Jahren habe er bei einer Mister-Aue-Wahl mitgemacht. Damals ohne Erfolg. Diesmal hat's mit der Auswahl geklappt. Ob auf dem E-Bike oder beim Dinner: Das Lächeln fällt dem Postangestellten nicht schwer. Wackers größter Wunsch: Einmal bei Günther Jauchs "Wer wird Millionär?" mitmachen. Die Zurückhaltende, die für einen Tag aus ihrem Alltag ausgebrochen ist - "Ich hatte die Zeitung mit dem Aufruf schon in den Müll geworfen, weil ich dachte, da sind bestimmt nur junge Frauen mit 90-60-90-Maßen gefragt", sagt Alexandra Albert aus Eibenstock. Trotzdem machte die 41-Jährige von der Anzeige ein Handyfoto. Und als die berufstätige Mutter eines Morgens wieder mal genervt und gestresst von zu Hause losfuhr, sei der Anruf in Bad Schlema wie ein Befreiungsschlag gewesen. "Jetzt bist du mutig, jetzt rufst du an, habe ich mir auf dem Weg zur Arbeit gedacht", so die Arzthelferin und Sekretärin.

Gesagt, getan. Denn bald sollen Alexandra Albert, Katrin Groß, Clemens Wacker, eine Raschau-Markersbacherin und ein Zwickauer als Botschafter des erzgebirgischen Kurorts über Bilder in Prospekten und auf der Internetseite in die weitere und nähere Umgebung lachen. Hat sich die Kurgesellschaft auf diese Weise die Kosten für Profi-Models gespart? "Daran haben wir weniger gedacht", so Katja Morgenstern. Außerdem würden die Models eine Aufwandsentschädigung bekommen. "Unser Ziel ist es, Leute aus der Region authentisch rüberzubringen", sagt die Werbefachfrau.

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