Bockauer backen wohl in letzter Generation

Die Fahsels bringen seit dem Jahr 1911 Brötchen, Brot und Kuchen an die Frau und den Mann. Doch ein Nachfolger für den jetzigen Bäckerchef in der Familie ist nicht in Sicht.

Bockau.

Spätestens mit dem ersten Hahnenschrei oder gar früher steht Christian Fahsel in der Backstube. So wie schon sein Vater, sein Opa und sein Urgroßvater. "Allerdings war dieser Beruf für mich nicht von vornherein gesetzt", sagt der 41-Jährige. Klar ist derweil, dass die kleine Bäckerei in Bockau aller Voraussicht nach keine fünfte Fahsel-Generation erleben wird. "Unsere zwei Mädels haben so viele Möglichkeiten." Auf die Backstube werde die Wahl des Nachwuchses kaum fallen, glaubt Christian Fahsel.

Bei ihm selbst ist das nach der Wende anders gewesen. "Da war ich 16 und Lehrstellen rar gesät." Daher landete er doch in der damals voll besetzten Bäckerklasse des Beruflichen Schulzentrums in Schneeberg, an dem auch die große Tochter Helena (17) derzeit ihr Abitur macht. Der Job sei nicht einfach. "Er ist aber auch nicht der schlechteste", sagt Fahsel, der das 1911 gegründete Geschäft mit Ehefrau Susann und drei Verkäuferinnen schmeißt.

2011 wurde das 100-Jährige gefeiert - und viele Bockauer freuen sich über den letzten im Ort ansässigen Bäcker. Es ist ein anstrengender Arbeitsalltag, sagt der Familienvater. Neben der sehr frühen Frühschicht gehen die Fahsels nachmittags erneut in die Backstube. "Dann bereiten wir die Vorteige für Brot und Semmeln vor, damit unsere Waren schmecken wie sie schmecken", so der 41-Jährige mit einem vielsagenden Schmunzeln. Diesen Aufwand, wie er ihn von Vater und Opa kennt, betreiben nicht mehr alle Berufskollegen. "Doch das Ergebnis zählt, und die Kunden danken es uns." 90 Prozent der Waren im schmuck eingerichteten Laden an der Lauterer Straße sind hand- und hausgemacht. "Wir setzen auf alte Rezepte, Natursauerteig als Basis und unser beliebtes Steinofenbrot." Qualität seien das A und das O.

Die Arbeit in der Backstube gehe ihm spielend von der Hand. "Eine goldene Nase verdienen wir uns damit aber nicht." Was Christian Fahsel zu schaffen macht, ist der Druck von außen. Etwa von Behörden mit ihren Auflagen und der ganzen Bürokratie. Zudem machten zuletzt baubedingte Sperrungen das Dorf teils für Monate fast unerreichbar. "Auch die Ansprüche der Kunden steigen, wobei wir auf eine treue Stammkundschaft bauen können." Diese verdient einen besonderen Service. Wer seine Brötchen fürs Wochenende rechtzeitig bestellt und im Voraus bezahlt, bekommt seinen Semmelbeutel gepackt und muss ihn Sonnabendfrüh nur noch abholen. In einer normalen Woche hat der Laden dienstags bis freitags von 6 bis 18 Uhr und sonnabends von 6 bis 11 Uhr geöffnet. Eine Sonntagsöffnung komme nicht in die Tüte. "Ein bisschen Familienleben wollen wir uns erhalten."

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