Brunnenmädchen will ihre Krone abgeben

Seit Herbst 2016 ist Stephanie Lippert amtierende Hoheit in Bad Schlema. Jetzt spricht sie über ihre Amtszeit, Selfies mit den Fans und warum es an der Zeit ist, einen Schlussstrich zu ziehen.

Bad Schlema.

Einmal im Leben eine (fast) echte Prinzessin sein. Das ist, was Stephanie Lippert an ihrem Ehrenamt als Brunnenmädchen in Bad Schlema fasziniert. "Wenn man wie ich die Kamera nicht scheut und mit Herzblut dabei ist, ist es eine tolle Erfahrung", erzählt sie.

Im Herbst 2016 war Stephanie Lippert (25) die Krone aufgesetzt worden. Beim Quell- und Weinfest wurde sie im Oktober zur Hoheit gekürt - als sechstes Brunnenmädchen in Schlema. Jetzt, eineinhalb Jahre später, denkt sie erstmals öffentlich ans Aufhören. Warum?

"Ich sage niemals nie, aber ich habe das Gefühl, es sollte dieses Jahr einen Wechsel geben. Jemand Neues sollte die Chance bekommen, sich zu beweisen." Ihre Gedanken über einen Rückzug haben auch ganz private Gründe, wie Lippert verrät. "Ich komme jetzt in ein Alter, wo man so langsam aber sicher über die Familienplanung nachdenkt."

Der Kurort hat deshalb vor kurzem ein "königliches Stellenangebot" veröffentlicht, das sich an alle jungen Frauen in der Region richtet. Sie können sich bis zum 30. Juni als neues Brunnenmädchen bewerben. Die aufregende Zeit als Hoheit, heißt es in der Annonce, werde man nie wieder vergessen.

Neujahrsempfang mit Sachsens Wirtschaftsminister, Hoheitentreffen in Bremen, Tourismusmesse in Leipzig: Das sind nur drei der vielen Stationen, die Stephanie Lippert als Brunnenmädchen in den vergangenen Monaten absolviert hat. Dafür reiste sie quer durch ganz Deutschland. Erst vor wenigen Wochen gab Lippert im Auer Kino Nickel-Odeon die Hexenpatin bei einem Weltrekordversuch. Besonders in Erinnerung blieb ihr ein Besuch im fernen Elgg in der Schweiz im Mai 2017. "Wann kommt man da sonst mal hin?", sagt sie und lacht.

Mit ihrem Ehrenamt stieg die gelernte Tourismuskauffrau quasi über Nacht zum Promi auf. "Es gibt in Deutschland richtige Fans von solchen Hoheiten wie mir", erzählt sie. "Die betrachten mich als Figur, die ihnen etwas über Bad Schlema erzählt." Autogramme geben und mit Fans für Selfies posieren - das gehört dazu. "Man führt plötzlich ein anderes Leben."

Die Schattenseite des Ehrenamts: Es kostet Zeit. Zwei bis vier Termine stehen jeden Monat an, manchmal auch samstags. "Es ist wie ein kleiner Job", sagt Stephanie Lippert. Der aber auch Vorteile mit sich bringt. "Ich habe viele Kontakte geknüpft und neue Freundschaften geschlossen." Die Arbeit als Hoheit half ihr sogar, einen neuen Job in einem Sanitätshaus zu finden. "So ein Ehrenamt wird von vielen Chefs natürlich gern gesehen."

Weitere Vorteile, die man als Brunnenmädchen genießt: Es gibt eine Aufwandsentschädigung für alle Einsätze von fünf Euro pro Stunde, für Dienstfahrten wird ein Auto gestellt und bei Reisen in ferne Orte ist die Übernachtung inklusive. Und vielleicht das wichtigste: Jedes Brunnenmädchen erhält ein märchenhaftes, dunkelblaues Kleid und - wie es sich für eine echte Hoheit gehört - ein Krönchen.

Als Brunnenmädchen hat Stephanie Lippert viele Erfahrungen gesammelt: "Die kann einen keiner nehmen", sagt sie. Auch so manche komische Begegnung sei darunter gewesen, beispielsweise auf Messebesuchen. "Da kamen auch schon mal Leute aus dem Westen zu mir und erzählten, im Radonbad Schlema seien doch alle verstrahlt", sagt sie. "Da habe ich geantwortet: Ja, ja, natürlich. Deshalb lächeln wir alle so freundlich."

Service Wer sich als Brunnenmädchen bewerben will, kann das bis zum 30. Juni bei der Gästeinfo tun. Informationen gibt es im Internet unter: www.freiepresse.de/hoheit

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