Das Grün im Fluss schürt neue Ängste

Anwohner von Flüssen in der Region sehen wilden Uferbewuchs sehr skeptisch. Ein Vor-Ort-Termin mit Verantwortlichen in Schwarzenberg brachte wenig Beruhigendes.

Aue/Schwarzenberg.

Mit einem solch großen Interesse von Anliegern hatte Simone Lang nicht gerechnet, als die Landtagsabgeordnete der SPD einer Bitte ihrer Büro-Nachbarn nachkam und am Donnerstagabend den zuständigen Mann von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) zu einem Gespräch ans Schwarzwasser eingeladen hatte. Etwa 20 Gäste warteten darauf, von Ulrich Nürnberger, bei der LTV zuständig für Fließgewässer erster Ordnung, etwas zu hören, was sie beruhigen könnte.

Sorgenvoll beobachten aber nicht nur diese Anwohner des Flusses, wie sich das Grün im Fluss wieder ausbreitet. Ähnlich geht es den Anliegern anderer Flussläufe. "Das ist doch der Wahnsinn. Das sind doch schon wieder richtige Bäume", sagt Karla Beer, die in der Vorstadt wohnt und den Fluss täglich vor Augen hat. "Wann kommt das weg? Wer macht das? Warum lasst Ihr das zu?" All diese Fragen werden laut.

Ulrich Nürnberger reißt das Gespräch an sich und versucht, Sachlichkeit in die erhitzte Runde zu bringen. Doch die Fakten über Personal und Geld, über Antragstellungen, Ausschreibungen und Schonzeiten für Bäume und Fische interessieren die Bürger nur sekundär. Auch die Erläuterungen, wer für welche Kategorie von Fließgewässern zuständig ist, ist den meisten Zuhörern bekannt. Sie wollen wissen: Wann kommt jemand und befreit den Fluss von dem bereits wieder massiven Bewuchs? Wer achtet darauf, dass das Wasser ungehindert fließen kann und wann verschwindet endlich das alte Wehr, dass immer noch den Fluss quert?

Nürnberger, sichtlich um Argumente bemüht, erklärt, er sei für 460 Kilometer Flusslauf zuständig, habe dazu drei Flussmeistereien, mit jeweils zehn Mitarbeitern. Zweimal jährlich würden Kontrollen und Begehungen durchgeführt. Schwerpunkt dabei seien die bewohnten Flussabschnitte. 2015 habe man den Abschnitt zwischen Uferstraße und Hammerparkplatz letztmalig von Bewuchs befreit. Und da das alle drei Jahre dran sei, werden also im Oktober die Arbeiten beginnen. Doch auch andernorts stünde das Grün wieder meterhoch. Das werfen Christine und Ludwig Gerner ein. Sie sind Anwohner der Mittweida. Und auch sie möchten eine Flut wie 2002 nicht noch einmal erleben. 2002 folgte 2013 - und immer liefen die Keller und Häuser voll Wasser. Ernst Vögtel wohnt seit fast 40 Jahren unmittelbar am Fluss. Er hat über all die Jahre akribisch dokumentiert, was mit dem und im Fluss geschehen ist und gebaut wurde. Der 86-Jährige schüttelt den Kopf. Erst jüngst hatte er sich an Staatsminister Schmidt gewandt, um seine Bedenken zum heutigen "Umgang" mit dem Fluss zu äußern - sachlich und fair. Die Reaktion aus Dresden? Eine E-Mail vom 7. August, er möge doch bitte zum Vor-Ort-Termin am 9. August mit dabei sein, dort könne er seine Fragen stellen. Doch außer, dass die neue Leitlinie besage, den Fließgewässern im Freistaat eine natürliche Ökologie zu geben, erfahren die besorgten Anwohner nicht wirklich etwas, was ihnen die Ängste vor einem Hochwasser nimmt.

Auf die Frage, wann kommt das alte Wehr weg? Antwort: "Wenn es dafür wieder Geld gibt, denn das kostet", so Nürnberger. In den Hochwasserschutz sei enorm investiert worden, betont der Mann von der LTV. Christa Schürer indes hält ein Schreiben der LTV in Händen, nachdem die geplante Neugestaltung des Uferbereichs am Hammerparkplatz als Hochwasserschutzmaßnahme nun verworfen wurde. Gestrichen von der Vorhabensliste!


Kommentar: Alles demSelbstlauf?

Sie gehen auseinander wie sie gekommen sind. Antworten, Aussagen oder gar Lösungen, die sie sich erhofft hatten, gab es nicht beim Vor-Ort-Termin am Schwarzwasser. Der Fluss als solcher kaum noch erkennbar. Die Hitze raubte Wasser, die Sonne ließ das Grün extrem sprießen. Die Antworten auf die Frage, was passiert - sie sind dünn und äußerst schwammig formuliert. Dabei wissen die Männer der LTV ganz genau, was die Anlieger meinen, was sie beunruhigt.

Den Satz "uns sind die Hände gebunden" kann und will niemand mehr hören, schon gar nicht akzeptieren. Denn wer schon einmal einen Großteil seines Hab und Guts bei einem Hochwasser verloren hat, kann einfach die Ehrfurcht vor einem Baum, der im Ernstfall den Abfluss verhindert, nicht mehr aufbringen.

Würden die Menschen aber sich und ihre Häuser selbst schützen und ausuferndes Grün aus den Flüssen entfernen, drohten ihnen empfindliche Strafen, müssten sie mit Anzeigen rechnen. Wer nimmt die Warnungen von Bürgern wie Ernst Vögtel eigentlich ernst?

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