Denkmalschützer inspizieren Wellner-Fabrik und Herrenhaus

Zwei historische Gebäude in Aue waren jetzt das Ziel von Denkmalpflegern bei ihrem Jahrestreffen. In beiden steckt viel Potenzial. Aber wer erfüllt sie mit neuem Leben?

Aue/Schwarzenberg.

Der von der ehemaligen Wellner-Fabrik übrig gebliebene Gebäudekomplex an der Marie-Müller-Straße und das Herrenhaus Auerhammer ein paar hundert Meter weiter sind von außen betrachtet vollkommen verschieden - das eine ein mehrstöckiger Industriebau mit Klinkerfassade, das andere ein Fachwerkhaus. Wer in die Industriegeschichte von Aue eintaucht, wird jedoch Parallelen entdecken. Zum Beispiel die zu Ernst August Geitner. Der erfand 1823 das Argentan, bekannt als Neusilber, als Produktionsstätte nutzte er dafür Teile des von ihm erworbenen Auerhammers. Geliefert wurde Argentan unter anderem für die Produktion von Essbestecken an Wellner.

Noch viel mehr zur Geschichte der beiden Gebäude erfuhren die ehrenamtlichen Denkmalpfleger des Erzgebirgskreises, die zu ihrem Jahrestreffen am Mittwoch in Aue zusammengekommen waren. In der ehemaligen Wellner-Fabrik informierten Planer Ekkehard Koch vom Architekturbüro AIA Aue und Immo Rother, Bauamtsleiter von Aue-Bad Schlema, über die Besonderheiten des Baus. Die Wellner-Fabrik wuchs mit der rasanten Entwicklung, die die Produktion Anfang des 20. Jahrhunderts nahm. Innerhalb von zehn Jahren nahm die Anzahl der Beschäftigten von 1000 auf über 5000 zu. Das Werk hatte Niederlassungen in 47 Ländern.

In die Sanierung der äußeren Hülle des Industriegebäudes flossen in den vergangenen Jahren 3,3 Millionen Euro, insgesamt 10 Millionen Euro wären laut Rother nötig, um es auch innen für eine Nutzung fit zu machen. Allerdings gibt es dafür bislang nur Ideen, aber kein tragfähiges Konzept und keinen Investor. Der Plan, das Auer Stadtmuseum in einem Teil zu etablieren, steht offenbar wieder zur Diskussion.

Anders sieht das beim Herrenhaus Auerhammer aus. Es soll zum Stadtteilzentrum entwickelt werden. Vor dem für Ende 2001 bereits geplanten Abriss gerettet werden konnte das 1470 erstmals erwähnte Gebäude, weil sich 2002 ein Förderverein gründete, der es seitdem aufwändig Schritt für Schritt saniert. Dafür sind in den vergangenen Jahren bereits 976.200 Euro aufgewendet worden. Bis zur Fertigstellung sind laut Thomas Schubert, Planer im Förderverein, noch einmal Investitionen in Höhe von einer Million Euro notwendig. Im Herrenhaus sind bereits Räume vermietet, der Schnorrsche Tanzsaal könnte einmal für Konzerte und Lesungen zur Verfügung stehen, auch Ausstellungen mit der Schneeberger Kunstfakultät wären denkbar.

6300 Einzeldenkmale gibt es im Erzgebirgskreis, sagte Landrat Frank Vogel (CDU), der zum Treffen eingeladen hatte. "Die wollen alle gepflegt sein, deshalb sind wir jenen dankbar, die sich dafür ehrenamtlich engagieren." Wie vielfach bei dem Treffen diskutiert wurde, befinden sich Denkmalschutz und Denkmalpflege oft auch im Spannungsfeld zwischen nötiger Finanzierung und Nutzen. "Ich wünschte mir mehr Flexibilität in Sachen Denkmalschutz", wandte sich der Landrat an Alf Furkert, den neuen sächsischen Landeskonservator, der am Treffen teilnahm. "Was nützt es, ein Denkmal zu erhalten, wenn es nicht gelingt, in dieses Leben hineinzubringen?", so Vogel.


Denkmalpfleger berichtet von seiner Arbeit: "Ich kann Steine lesen"

Lothar Barth (71) aus Aue gehört zu den 16 ehrenamtlichen Denkmalpflegern im Erzgebirgskreis. Bei deren Treffen sprach Heike Mann mit ihm.

"Freie Presse": Was macht eigentlich ein Denkmalpfleger?

Lothar Barth: Ich betreue zehn Denkmäler im Raum Aue-Schwarzenberg, darunter sind Steinkreuze in Eibenstock und Grünstädtel, das Kloster Grünhain, der Edelhof in Alberoda oder der Ringwall in Blauenthal. Meine Aufgabe ist der Erhalt und die Pflege dieser ortsfesten Denkmäler.

Seit wann sind Sie in der Denkmalpflege aktiv?

Seit 1987, nach der Wende wurde ich neu berufen.

Warum sind Sie Denkmalpfleger geworden?

Ich glaube, das liegt an meinem Vater, der war ein Wander-Gogel, viel in der Natur unterwegs, und ich war als Kind dabei. Ich interessiere mich für die Heimatgeschichte, gehe viel in Archive, habe aber auch schon zu Hause eine umfangreiche Bibliothek. Aber vieles erschließt sich auch aus den Objekten selbst, wenn man sich mit ihnen lange beschäftigt, kann man Steine lesen.

Was hat Ihnen das Treffen in Aue gebracht?

Viele neue Erkenntnisse zu zwei historischen Gebäuden meiner Stadt. Ich wohne gleich um die Ecke bei der Wellner-Fabrik und kenne sie noch von früher. Es ist beachtlich, was für ihre Sanierung getan worden ist.

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