Der "Lindner Bäck" geht in Ruhestand

Damit endet eine 135-jährige Hormersdorfer Familientradition. Doch für die Bäckerei von Thomas Vorberg gibt es eine Zukunft.

Zwönitz.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Und tatsächlich nach 35 Jahren hängt Thomas Vorberg seine Bäckerschürze an den berühmten Haken. Am Dienstag stand er das letzte Mal in seiner Backstube und scherzte, dass ausgerechnet am Aschermittwoch für ihn Schluss sei. Doch der Abschied von seinen Kunden, für die der Hormersdorfer täglich nachts die frischen Brote und Brötchen aus dem Ofen holte, fiel dann doch schwer. Schließlich endete nicht nur sein Berufsleben, sondern auch eine 135-jährige Familientradition. Denn am 15. Oktober 1884 hatte Friedrich Louis Lindner an der Hormersdorfer Hauptstraße eine Bäckerei eröffnet. Vorbergs Großvater Max Arno Lindner übernahm sie 1930 und baute 1933 einen neuen Ofen ein, der mehr als 50Jahre hielt. 1966 wurde Schwiegersohn Herbert Vorberg Chef im "Lindner Bäck".

1985 übernahm Thomas Vorberg die Bäckerei vom Vater. "Sie hat für mich immer zum Leben gehört", erinnert er sich. Daher gab es bei der Berufswahl keinen Zweifel. Er lernte Konditor, machte 1979 seinen Meister. Seine erste Herausforderung wurde ein neuer Ofen. "Dafür schrieb ich sogar an Erich Honecker, denn 90 Prozent der Bäckeröfen wurden exportiert und der Rest ging in die Städte." Dass er einige Monate später tatsächlich einen neuen Gasbackofen hat, hält der gläubige Christ für ein Wunder. "Denn kurz darauf ging der alte Ofen kaputt", sagt der Bäcker, der immer wieder auf neue Einfälle kam. So entstand 1996 das Silberzechenbrot. Der Kraftmabrotteig in dem Mischbrot erinnert an Erzgänge. "Als damals das Fernsehen darüber berichtete, wollten alle das Brot haben und nahmen weite Wege auf sich."

Diese "Erfindung" hat der Bäcker bis heute im Programm genauso wie die langen Pfannkuchen, die inspiriert von der der damaligen rot-grünen Bundesregierung mit Marmelade und Apfelmus gefüllt sind. Doch es gab auch Flops. "Das Milleniumbrot als Zahl 2000 ging gar nicht." Und Anfang der 1990-er Jahre stand die Bäckerei sogar kurz vor der Schließung. "Die Wende haben wir gut gemeistert. Viel schlimmer war der Bau der Hauptstraße von 1991 bis 1993." Mit Gummistiefel mussten die Kunden seinen Laden ansteuern und die Backwaren wurden mit dem Transporter ausgefahren.

Knapp 30 Jahre später kommt nun doch das Ende, zumindest für Thomas Vorberg. Da seine Kinder eigene Wege gehen, freut er sich, dass seine Mitarbeiter Yvonne und Sven Brüderlein die einzige Bäckerei in Hormersdorf und die Filiale in Zwönitz weiterführen. Am 3. März wollen sie den Laden wieder öffnen. Und was macht dann der ehemalige Chef? "Ich will mich wieder der Ortsgeschichte widmen, für die ich mich sehr interessiere", freut er sich.


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