Ein Auerbacher lässt es zur Annaberger Kät krachen

Das Volksfest endet mit einem Feuerwerk - das hat Tradition. Dass dieser Abschluss aber von Rocco Lämmel inszeniert wird, ist eine Premiere, für ihn selbst sogar eine doppelte. Das freut auch den Kät-Manager - denn die 2019er-Choreografie verspricht etwas, das es lange nicht zu sehen gab.

Annaberg-Buchholz/Auerbach.

Rocco Lämmel hat schon viele Feste mit seinen Feuerwerken bereichert. Bereits dreimal hat er den "Drei(n)schlag" über der Mühlburg, der Burg Gleichen und der Veste Wachsenburg in Thüringen übernommen. Ebenfalls dreimal hat ihn die Stadt Erfurt zum Krämerbrückenfest geholt. Auch beim Tag der Sachsen in Oelsnitz kam das Feuerwerk von seinem Unternehmen Pyrodreams. Die Annaberger Kät ist für ihn nun aber eine gleich zweifache Premiere - erstens hat er da noch nie ein Feuerwerk geschossen, zweitens wird er zum ersten Mal in seiner Pyrotechniker- Laufbahn 300er-Kugelbomben einsetzen. Also jene mit 300Millimeter Durchmesser, die besonders große Höhen versprechen.

"Eine gewisse Höhe ist gerade auf der Kät wichtig", sagt Lämmel. "Die Leute stehen ja sonst wo, und für eine 60er-Bombe müssten sie ein Fernglas nehmen." Die Steighöhen, erklärt er, beginnen bei Kaliber 65 etwa bei 80 Meter und gehen bis etwa 240 Meter - mit besagtem Kaliber 300. Trotzdem gab es die 300er lange nicht zu sehen, berichtet er. Der Grund: Die kamen mit moderatem Preis per Schiff aus China. "Die Reedereien verschiffen aber keine Feuerwerksartikel im massenexplosionsgefährlichen Bereich mehr oder es ist nicht bezahlbar", erklärt Lämmel. Und die europäische Ware sei wesentlich teurer.


Annabergs Eventmanager Christian Eberhardt bestätigt das. "Die wurden schon jahrelang nicht gezündet." "Aber die Kät braucht ein großes Kaliber", sagt Lämmel - und darum hat er sie in seine Choreografie eingebaut. Aber nicht nur das. Lämmel setzt auf Struktur. "Man muss eine Linie im Ablauf erkennen", so der 44-Jährige. Für die Kät feuert man "nicht einfach nur ein Rummelfeuerwerk" ab. Dass das Kät-Feuerwerk schon immer etwas Besonderes war, davon weiß auch Peter Horler, der das Volksfest zu DDR-Zeiten ab 1971 organisiert hat, zu berichten. Erste Feuerwerke müsse es schon ab Mitte der 1950er- Jahre gegeben haben, sagt der 75-Jährige, denn er selbst sei als Jugendlicher damals extra deshalb von Oberwiesenthal zur Kät gefahren. "Da kamen die Leute in Sonderbussen von überallher", erinnert er sich. Auch heute noch hat das Feuerwerk des größten Volksfests im Erzgebirge Gewicht - rund 8000Euro lässt es sich die Stadt laut Eberhardt kosten.

Lämmels Feuerwerksstruktur besteht in einer Abfolge von Bildern, die aber in sich sortenrein sind. Heißt, er mischt innerhalb eines Bilds die Effekte nicht. So könne man sie besser genießen, findet er, und es gebe auch nicht ständig Wiederholungen. Erklärt Lämmel die Effekte, meint man, er spricht von einer Beetbepflanzung. Da gibt es die Päonien - auch Pfingstrosen genannt - die kugelrunde Bilder aus bunten Sternen ohne Schweif an den Himmel zaubern. Bei Chrysanthemen wiederum haben die Sterne einen meist goldenen Schweif. Bei Dahlien sind die Sterne schweiflos. Aber sie sind größer, haben mehr Leuchtkraft und brennen länger.

Um die 50 bis 60 Effekte habe er dabei, "mit tausenden Untereffekten". Diese Choreografie war es auch, die Christian Eberhardt beeindruckt hat. Zwar mache man bei Feuerwerken nicht gern Experimente und bleibe gern bei einem Partner, sagt der Eventmanager. Aber Lämmel habe von den Effekten her einfach richtig interessante Dinge angeboten. Dass er das große Feuerwerk nun kreieren und am 29.Juni abfeuern darf, macht Lämmel schon etwas stolz. "Da hat sich der Einsatz über die Jahre gelohnt", sagt er.

Lämmel geht davon aus, dass er das Ganze mit etwa fünf Leuten stemmen wird. Spätestens ab 10 Uhr am Vormittag werden alle zusammen straff mit dem Aufbau der Bombenkästen zu tun haben. Das Spektakel am Annaberger Himmel macht dann nur einen Bruchteil der Vorbereitungszeit aus - etwa eine Viertelstunde werde es bis zum "finalen Schlag" dauern, sagt der Pyrotechniker. Speziell auf diesen Abschluss freut sich auch Christian Eberhardt - schon allein wegen der 300er.

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