Ein Politiker, der auch mit Hornochsen umgehen kann

Gregor Gysi stellte seine Autobiografie "Ein Leben ist zu wenig" in Schneeberg vor. Der Politiker amüsierte gut gelaunt mit Anekdoten und Tatsachen.

Schneeberg.

Der Präsident der europäischen Linken hatte im ausverkauften Kulturzentrum "Goldne Sonne" in Schneeberg leichtes Spiel. Als Gregor Gysi die Bühne betrat, gab es zwar keine Jubelschreie, aber manche Gesichter im Saal sprachen stumm: Er ist da! Das linke Superhirn! Und Gysi war bestens aufgelegt. Sein Moderator und Mitarbeiter, der bekannte Autor Hans-Dieter Schütt, der ein wenig aussieht wie Karl Marx, fragte: "Was hält Sie noch links?" Gysi: "Bildung für alle, gleichen Zugang zu Kunst und Kultur, die Friedensbewegung, soziale Gerechtigkeit, die ökologische Nachhaltigkeit in sozialer Verantwortung." Die soziale Verantwortung betonte Gysi besonders.

Zu seinem Beruf als Anwalt scherzte er: "Wenn die Leute die oft schlecht formulierten Gesetze verstünden, bräuchten sie uns Rechtsanwälte nicht." Und er fabulierte, was passiert wäre, wenn zur Wende manches andersrum gekommen wäre: "Wenn als Währung für alle die Mark der DDR eingeführt worden wäre, hätten wir keinen einzigen Banküberfall gehabt." Zu seinen Fähigkeiten als Politiker und Tierfreund meinte er unter Gelächter: "Ich kann ausmisten, ich kann melken (Geld beschaffen) und mit Hornochsen umgehen."

Auf der Empore saß auch Frank Herberger aus Schneeberg, parteilos: "Gysi ist ein witziger, kluger Mann. Er brachte das Beispiel von Clara Zetkin 1932 im Reichstag, wo ihr von Goebbels die erste Rede als ältester Person im Reichstages aberkannt worden ist, so ist es auch heute im Bundestag. Dem Ältesten, der AfD-Mitglied war, ist das Rederecht ebenfalls aberkannt worden."

Walter Kraus aus Stollberg meint: "Ich denke nicht links, aber den Gysi wollte ich trotzdem mal sehen. Es hat Spaß gemacht. Ob er Bundeskanzler sein könnte? Ach, der kann auch nicht zaubern. Aber witzig ist der. Die anderen im Bundestag sind doch saure Gurken."

Vielleicht wird der smarte Gregor doch noch Bundeskanzler? Seine revidierte Autobiografie würde nach den Tiefschlägen der Realpolitik statt "Ein Leben ist zu wenig" wohl heißen: "Hoffentlich bin ich bald tot". Aber wie immer in Gysis romanhaftem Leben käme alles völlig anders.

Gysis Werk "Ein Leben ist zu wenig", das als Buch und Hörbuch erschien, gingen andere Publikationen voraus wie "Das war's noch lange nicht!", "Marx & wir" und mit dem Theologen Friedrich Schorlemmer "Was bleiben wird".

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