Engagement hilft anderen und verleiht zugleich ein gutes Gefühl

Der heutige Donnerstag ist der Tag des Ehrenamts. Die Johanniter im Erzgebirge können sich auf 188 solcher Helfer verlassen. "Freie Presse" hat zwei von ihnen getroffen.

Aue/Schwarzenberg.

Die Geschichten von Sieglinde Häckert aus Albernau und Susann Schwerin aus Lugau könnten unterschiedlicher kaum sein. Während sich die Lugauerin erst vor gut einem Jahr dem Johanniter Katastrophenschutz angeschlossen hat, hilft die Albernauerin bereits seit 18 Jahren im Kindergarten aus. Und sie gehört damit zu den "dienstältesten" Ehrenamtlern bei den Johannitern.

"Mein Enkelsohn war damals sechs Jahre und fragte mich, ob ich nicht im Kindergarten helfen kann. Es würden Leute gesucht", erinnert sich Sieglinde Häckert. Als ihre Tochter dies bestätigte, musste sie nicht lang überlegen und bot der Kindertagesstätte, die sich in Trägerschaft der Johanniter Unfallhilfe befand, ihre Unterstützung an. "Ich war dann jeweils eine Stunde in der Einrichtung, eine Stunde vormittags und eine nachmittags", berichtet die heute 73-Jährige. An den Vormittagen nahm sie die Kinder in Empfang. Hunderte Geschichten könnten sie da erzählen. Einige Eltern gaben ihre Schützlinge sehr schnell ab. "Andere können nur schwer loslassen", so Häckert und erinnert sich noch gut: "Ein Vater hat mal zu mir gesagt, das ist mein Kind." Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass er deshalb alles so mache, wie er es für richtig halte. Ein anderes Kind wurde mal mit Schlafanzug in den Kindergarten gebracht. "Er wollte nicht den Pullover anziehen, den die Mutter ausgesucht hatte", erzählt Häckert ohne zu werten, ob dies eine gute oder auch weniger gute Erziehungsmaßnahme war. "Ich habe ihm dann einen Pullover gegeben, und am nächsten Tag hatte er seinen eigenen wieder an", so die 73-Jährige. Das Ehrenamt ist für sie keine Einbahnstraße. Ganz im Gegenteil. Die Arbeit mit den Kindern habe ihr immer sehr viel gegeben. Gerade in schwierigen Lebensphasen, beispielsweise in der Zeit als ihr Mann schwer krank war, habe sie die Tätigkeit aufgemuntert. "Ich habe das nie als Belastung empfunden, sondern immer als Bereicherung." Heute kümmert sich Sieglinde Häckert um die Mittagskinder und betreut sie, bis die Mädchen und Jungen von ihren Eltern abgeholt werden. "Wir spielen miteinander. Ich lese auch viele Geschichten vor - zurzeit Weihnachtsmärchen", sagt sie.

Auch Susann Schwerin geht in ihrer Tätigkeit im Katastrophenschutz auf. "Ich habe im vergangenen Jahr während meines Studiums in der Geschäftsstelle der Johanniter-Unfallhilfe ein Praktikum gemacht", erzählt Schwerin, die Gesundheitsmanagement in Zwickau studierte. Einen Monat verbrachte sie im Ausbildungsdienst. Als Helferin im Katastrophenschutz kommt sie sowohl bei Großveranstaltungen als auch im Katastrophenfall zum Einsatz. Grundlage für eine solche Mitarbeit ist die Ausbildung zum Sanitätshelfer. "Die größte Herausforderung war für mich das ganze medizinische Wissen", so Schwerin, die heute ihren 29. Geburtstag feiert. Sie absolvierte die Ausbildung mit Bravour, weiß aber auch, dass zwischen Theorie und Praxis Welten liegen. "Beim ersten richtigen Patienten ging mir ganz schön die Muffe", gibt die junge Frau offen zu. Dieser "erste Fall" sei beim Altstadtfest in Stollberg gewesen. Um eine ältere Dame, die Kreislaufprobleme hatte, musste sie sich kümmern. 300 Stunden sind im Jahr 2019 bisher zusammengekommen. "Es ist schön, wenn man anderen helfen kann", sagt die Mutter eines Sohnes. Ohne die Hilfe ihres Mannes und ihrer Eltern würde die ehrenamtliche Tätigkeit allerdings nicht funktionieren.

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