Ernst Emmler, ein vergessener Dichter

Als Ernst Philipp Weigel hat er 1906 promoviert. Gedichte und Erzählungen in Mundart veröffentlichte er unter Pseudonym. Nun forschen Heimatfreunde zu jenem Raschauer nach.

Raschau.

Der Emmler ist ein Höhenrücken, der sich mit seinen Ausläufern und mit dem Emmlerweg von Schwarzenberg-Wildenau aus - nördlich vorbei an Raschau und Markersbach - bis nach Scheibenberg zieht. Eine alte Landmarke also, bestens geeignet, einem heimatverbundenen Dichter als Pseudonym zu dienen. Der 1878 in Raschau geborene Ernst Philipp Weigel tat das: Seine Gedichte, Liedtexte und Erzählungen in erzgebirgischer Mundart veröffentlichte er unter dem Künstlernamen Ernst Emmler; im Erzgebirge sagt man Emmler-Ernst.

"In der Biographie dieses heute fast vergessenen Sohnes unseres Ortes gibt es doch einige Lücken", sagt Jochen Teumer, Mitbegründer der Interessengemeinschaft Chronik Raschau. "Auch ein Foto von Weigel alias Emmler ist uns bisher nicht bekannt. Deshalb strecken wir jetzt unsere Fühler aus, um mehr über diesen Volkswirt, Heimatforscher und Mundartdichter zu erfahren." Wann und warum Ernst Philipp Weigel Raschau verließ, gehört zu den offenen Fragen. Am Zwickauer Realgymnasium erhielt er 1897 sein Reifezeugnis. Er studierte in Dresden an der Technischen Hochschule, ab 1903 an der Universität Leipzig Nationalökonomie. Und 1906 promovierte er mit der Dissertation "Das Sächsische Sibirien. Sein Wirtschaftsleben. Ein Beitrag zur Würdigung des Erzgebirges". Das wissenschaftliche Werk erschien überarbeitet als Buch. Ein Leipziger Verlag gab 1911 Weigels "Elisa Radziwill. Das Drama der Jugendliebe Kaiser Wilhelms I." heraus, ein Berliner Verlag 1913 das Buch "Ehrgefühl".


Etwas Aufschluss über sein späteres Werk gibt ein Werbetext aus der Nicolaischen Verlagsbuchhandlung Berlin, die 1939 einen Sammelband mit Liedern, Gedichten und Erzählungen des gebürtigen Raschauers auf den Markt brachte. "Unter dem Heimatnamen Emmler-Ernst beteiligt sich der erzgebirgische Heimatschriftsteller Dr. Philipp Weigel, bekannt durch wissenschaftliche und dramatische Werke, nunmehr auch am Schrifttum in seiner Heimatsprache." Heimatzeitungen hätten eine Reihe seiner Liedertexte, Gedichte und Erzählungen gebracht, auf Heimatabenden habe er viel Beifall gefunden, Lieder von ihm seien bei Erzgebirgs-Streitsingen erfolgreich vorgetragen worden. Weiter heißt es: "Das Urteil von zuständiger Schrifttumsstelle und von Erzgebirgs-Zweigvereinen geht dahin, dass sein Heimatschrifttum stark erfühlt, tief empfunden, bilder- und ausdrucksreich sei, das Niveau hinsichtlich Inhalt und Form von erfreulicher Höhe. Er verdiene in Wahrheit allen Heimatfreunden bekannt zu werden." Als Sinnbild für die Heimatverbundenheit des Dichters auch in der Fremde gilt das Gedicht "Iech un mei Haamit", das dem Sammelband auch den Titel gab. 1941 erschien jenes Buch auf Grund vieler Bestellungen in 2. Auflage.

"Wir wollen mehr über Dr. Ernst Philipp Weigel alias Ernst Emmler erfahren. 1948 ist er gestorben. Aber selbst das Sterbedatum und den Sterbeort kennen wir nicht", sagt Jochen Teumer. Wer nähere Informationen hat, Broschüren, alte Zeitungen mit Veranstaltungsberichten, vielleicht gar Fotos und weitere Bücher vom Emmler-Ernst, sollte sich bitte melden.

Die IG Chronik Raschau ist per Telefon unter 03774 820961 oder 0152 31857253 zu erreichen, per E-Mail an chronik@jteumer.de. www.chronik-raschau.de

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