Erster Erzgebirgs-Whisky heißt 285

Die Firma Lautergold bringt nach drei Jahren Reifeprozess in Kürze einen besonderen Tropfen auf den Markt - in limitierter Auflage und zu einem stolzen Preis.

Lauter-Bernsbach.

Das Traditionsunternehmen Lautergold existiert seit 285 Jahren. Wer im dicken Buch der Firmengeschichte blättert, findet im jüngsten Kapitel einen besonderen Schatz: den ersten Whisky aus dem Erzgebirge - gebrannt, gelagert und abgefüllt in Lauter. "Darauf sind wir sehr stolz", sagt Betriebsleiter Mike Schneising, der den besonderen Tropfen zur Marke machen will. "Was würde dabei besser passen, als unseren ersten Abfüllungen den Namen 285 zu geben?"

Die limitierte Auflage des 285ers beträgt exakt 285 Flaschen, die durchnummeriert sind und mit je 0,7 Liter Füllmenge hochprozentig an die seit 1734 dauernde Firmenhistorie erinnern. 51,9 Prozent hat der Whisky, den Sammler und Liebhaber kaum öffnen werden. Denn auch der Preis orientiert sich am aktuellen Alter des Unternehmens: 285 Euro müssen die ersten 285 Käufer pro Flasche berappen. Jede dieser Flaschen hat Brenner Dieter Braun handsigniert. "Wir reichen auch eine kleinere Probe dazu", sagt Betriebsleiter Schneising.

Verpackt ist das Genussmittel aufwendig - in einer Hülle in Buchform samt Eckdaten zu Lautergold und seinem Single Malt Whisky. "Ein stimmiges Konzept, dem 285-jährigen Bestehen angemessen", findet Schneising. "Auch wenn mich manche für verrückt erklärt haben." Online stehen seit vier Tagen 50 Exemplare zur Reservierung bereit. "Ich hatte es gerade eingestellt - und die ersten Reservierungen stürzten nur so auf uns ein", sagt er. Offizieller Verkaufsstart ist der 20. Oktober, der Tag des traditionellen Handwerks, an dem auch bei Lautergold wieder viel zu erleben sein wird.

Das Brennen derart hochprozentiger Spirituosen gehört erst seit Kurzem zum Portfolio des Unternehmens, das aktuell 25 Mitarbeiter beschäftigt, inzwischen teils nach Fernost exportiert und fünf Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet. Vor fünf Jahren wurde die hochmoderne Gläserne Brennerei auf dem Firmengelände in Lauter eröffnet - speziell fürs Herstellen von Obstbränden und Whisky, für den es 2016 den ersten Ansatz gab. Also ist der dreijährige 285er wirklich der erste seiner Art im Erzgebirge? "Ja", sagt Schneising. Zwar habe man auch für Steffen Großer, den Chef der "Alten Schleiferei" in Erlabrunn, bereits in Lauter Whisky gebrannt. "Er lagert drei Sorten in verschiedenen Fässern, hat sie aber noch nicht abgefüllt." Das soll im November geschehen. "Daher sind wir wirklich die ersten." Auch gibt es in Freiberg einen Whisky namens "Sohle 1". "Im Stollen gelagert, aber in Dresden gebrannt", sagt Schneising.

Doch nicht nur Sammler sollen den Lautergold-Tropfen bekommen, der von Hand abgefüllt wird. Wo sonst pro Stunde hunderte Flaschen über das Band rattern, brauchen zwei Mitarbeiterinnen zwei Tage, um alle 285er aus dem großen Fass in die dickwandigen Flaschen aus Italien zu füllen.

Ansonsten ist alles "made im Erzgebirge". Die Hülle etwa wurde von einer Agentur in Annaberg entwickelt und bei Bretschneider-Verpackungen in Eibenstock hergestellt. "Das stärkt den Manufakturcharakter des Produkts, auf den wir Wert legen. In ein bis zwei Jahren wird es unseren Whisky aber auch als normale Handelsmarke geben", sagt Schneising. Geplant seien zudem sechsjährige und zwölfjährige Abfüllungen.

Genießer August den Starken, so viel ist sicher, hätte es sicher gefreut. Seine Lebenslust ließ ihn einst nach einem Lebenselixier suchen. Seine sächsischen Laboranten, so steht es in der Firmengeschichte, wurden im Natur-Kräutergarten des Erzgebirges fündig und ließen sich 1734 in Lauter nieder, wo bald die Manufaktur Lautergold entstand und bis heute die einheimische Kräuter- und Wurzelkraft als Basis dient.

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