Erster Waldfriedhof im Erzgebirge öffnet

Die besondere Ruhestätte in Oberpfannenstiel wird am Samstag eingeweiht. Die Nachfrage ist groß, doch es gibt auch Kritik.

Lauter-Bernsbach.

Die Holzbänke sind an ihrem Platz, das Kreuz steht, Schilder künden von der neuen Bestimmung eines idyllischen Fleckchens Erde: Am heutigen Samstag wird der Waldfriedhof in Oberpfannenstiel eröffnet - der erste seiner Art im Erzgebirge. Am Montag startet offiziell der Betrieb.

Franz Freiherr von Rotenhan ist der Inhaber. Er betreut solche Ruhestätten im Grünen bereits im Zwickauer und Schönburger Land. Für die 4,4 Hektar große Fläche im Ortsteil von Lauter-Bernsbach steht ihm Andreas Löffler aus Stützengrün zur Seite. Beide zusammen haben den Buche-Lärchen-Mischwald in den vergangenen Wochen hergerichtet. "Neben Sitzbänken verteilt aufs ganze Areal gibt es einen Pavillon - auch als Unterstand für Beisetzungen, wenn das Wetter nicht optimal ist", sagt von Rotenhan. Schon im vergangenen Jahr liefen Maßnahmen zur Verkehrssicherung, wozu das Ausästen und Entfernen kranker Bäume zählte. "Das haben wir erneut überprüft, zudem Wege teils aufgeschottert."

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452 Bäume gibt es in dem Wald, wobei um jeden für vier bis zwölf Grabstätten Platz ist. Bestattet wird zwei Meter vom Stamm entfernt und 80 Zentimeter tief im Waldboden in biologisch abbaubaren Urnen - immer mit Name, Geburts- und Sterbedatum, die auf einer Plakette am Baum vermerkt sind. "Anonyme Gräber wird es nicht geben", sagt von Rotenhan. Jeder hat die freie Wahl, sich im rund 100 Jahre alten Bestand in Form eines lang gezogenen Rechtecks an den Flurgrenzen zu Aue und Lößnitz seinen Baum auszusuchen. Zwei eingebrachte Findlinge ermöglichen zudem eine Bestattung am Stein.

Nicht erlaubt ist Grabschmuck jeglicher Art. Die Wahl des Bestatters ist frei. Nach Dauer und Art der Grabstätte variiert die Liegegebühr. So kostet ein Platz in einer Gemeinschaftsgrabstelle für 30 Jahre zwischen 720 (Junger Baum) und 1200 Euro (Alter Baum/Findling). Partner- und Familiengrabstätten mit bis zu vier Grabstellen kosten für 40 Jahre zwischen 2900 und 3900 Euro.

Doch gibt es für diese Art der Bestattung überhaupt eine Nachfrage? Ja, sagt Thomas Kunzmann, der Bürgermeister von Lauter-Bernsbach. "Die Leute überrennen uns förmlich." Seine eigene anfängliche Skepsis hat Kunzmann inzwischen abgelegt. "Wie so vieles wandeln sich auch die Vorstellungen zur Bestattung", sagt er. Der klassische Platz auf dem Friedhof sei nicht mehr jedermanns Wunsch. "Und der Stadtrat bekannte sich klar zu diesem Konzept." Zumal die Gewinnbeteiligung für die Kommune als Trägerin in die klassischen Friedhöfe fließen soll.

Kritiker monieren derweil, dass mit Konzepten wie den Waldfriedhöfen kirchliche Friedhöfe noch leerer werden. Das sieht Kunzmann anders. "Die Entwicklung, dass andere Bestattungsformen als bisher gesellschaftsfähig werden, lässt sich so oder so nicht aufhalten." Auch das Betreiberkonzept stellen Skeptiker teils in Frage. So wäre die Kommune als Trägerin im Nutzungsvertrag über 99 Jahre in der Verantwortung, wenn Inhaber oder Eigentümer in finanzielle Not geraten. "Das Risiko tragen wir", so Kunzmann.

Dabei betont von Rotenhan aber, dass es sich nicht wie sonst oft üblich um ein Franchise-Modell handelt, sondern um ein Familienunternehmen. Alle seien miteinander verbunden, heißt es.

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