Erzgebirger bauen im Vogtland eine Senioren-WG

Zwischen betreutem Wohnen und Pflegeheim: Neue Alters-Domizile wie das in einer ehemaligen Sparkasse sind im Nachbarlandkreis noch selten. Doch es werden mehr - auch dank des hiesigen Arbeiter-Samariter-Bunds.

Werda.

Früher erledigten die Werdaer in dem Haus ihre Geldgeschäfte; künftig können sie dort ihren Lebensabend verbringen. "Wer nicht mehr allein leben kann, aber nicht in ein Pflegeheim möchte", beschreibt Karsten Pacholeck die Zielgruppe für die Senioren-WG, die im Vogtland entsteht. Für sechs Bewohner soll das Haus zum Altersdomizil werden.

Pacholeck ist Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bunds Erzgebirge (ASB). Dessen Pflege-GmbH hat Erfahrungen mit Wohngemeinschaften für Senioren. In Eibenstock und Erlabrunn gibt es Einrichtungen, die mit der in Werda vergleichbar sind; in Stollberg wird ein doppelt so großes Haus betrieben. "Im Alter in der Wohngemeinschaft leben - das hat Zukunft" ist der ASB-Mann überzeugt. Weshalb die Erzgebirger ihr Konzept aufs Vogtland ausdehnen, begründet Pacholeck so: "Hier sind solche Wohngemeinschaften bisher kaum zu finden. Und der ASB-Kreisverband Vogtland hatte nichts dagegen, dass wir in seinem Gebiet aktiv werden. Vielmehr greifen sie das Konzept nun selbst auf." Diana Matthes vom ASB-Kreisverband Vogtland bestätigt das: In der Goethestraße Auerbach werde der ASB Vogtland voraussichtlich noch dieses Jahr selbst eine Senioren-WG eröffnen.

Denn das Besondere an den Senioren-WG ist: Immobilie und Betrieb sind getrennt. Pacholeck, der selbst aus der Immobilienbranche kommt, wurde auf die leerstehende Sparkasse in Werda aufmerksam, als er in Kottengrün zu tun hatte, wo ihm einMehrfamilienhaus gehört. Der Sparkassen-Typenbau erschien ihm ideal für die Umsetzung des Wohngemeinschafts-Konzepts. Der Kauf war schnell abgewickelt, die Sparkasse Vogtland froh, das Objekt loszuwerden.

Seit dem Frühjahr ist das Gebäude im Zentrum von Werda eine Baustelle: Zimmer zwischen 14 und 22 Quadratmeter für jeden der sechs WG-Bewohner entstehen, dazu eine große Wohnküche im Erdgeschoss als gemeinsamer Bereich, barrierefreie Sanitäranlagen und ein Lift. "Hinzu kommen die Zimmer für die beiden Pflegekräfte, die mit in der WG wohnen werden", erläutert Pacholeck. Diese Fachkräfte engagiere der ASB über eine Partnerfirma in Polen. "Zertifiziertes Personal, das jeweils zwei Monate mit in der WG wohnt, bevor der Heimaturlaub ansteht."

Dass es diesem Modell gegenüber Skepsis gibt, ist dem ASB-Geschäftsführer bewusst, er hält sie aber für unbegründet. "Das ist gutes Personal aus einem EU-Land, das sind keine Billiglöhner. Und die Erfahrungen in unseren bestehenden Einrichtungen bestätigen unser Konzept", sagt der ASB-Geschäftsführer.

Das Zusammenleben in der WG solle wie in einer großen Familie funktionieren. "Die Bewohner bestimmen ihren Tagesablauf weitgehend selbst. Sie sollen und können sich je nach ihren Fähigkeiten ins WG-Leben einbringen, beispielsweise beim gemeinsamen Kochen." Geregelt werde alles in einer WG-Satzung, erläutert Karsten Pacholeck. Aber so wie die Bewohner ihre eigenen Möbel mitbringen können, könnten sie sich auch das Zusammenleben nach ihren Vorstellungen gestalten oder den vertrauten Pflegedienst hinzuziehen. "Wir verstehen unser Wohn- und Pflegekonzept als Rahmen. Bei der Ausgestaltung dieses Angebotes sind auch die WGBewohner gefragt."

Der ASB-Geschäftsführer bezeichnet die Kosten für das Wohnen in der Senioren-WG als finanzierbar, man orientiere sich an den Kosten für Pflegeheime. "Seit wir hier bauen, gab es schon viele interessierte Anfragen", berichtet er. Aber ob die WG-Bewohner aus Werda und Umgebung kommen, sei noch nicht absehbar. Bürgermeisterin Carmen Reiher (CDU), die den Umbau der Sparkasse zur Wohngemeinschaft mit Interesse verfolgt, würde es sich wünschen. "Ich finde die Senioren-WG ein interessantes Angebot. Zumal es mitten im Dorf gemacht wird: Kirche und Schule sind gleich nebenan, die Bewohner also mittendrin", sagt sie.

Das Angebot der Senioren-WG Werda will der ASB Erzgebirge am 16. November bei einem Tag der offenen Tür vorstellen. Beginn: 13 Uhr. www.asb-erzgebirge.de

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