Erzgebirger meistern schneereichen Alltag

Verschneite Wege, Straßen und Plätze machen mehr Arbeit. Es gibt auch Leute, die das viele Weiß freut - so in Johanngeorgenstadt.

Aue/Schwarzenberg.

Mit dem Winter ist es zumindest im Erzgebirge noch nicht gleich wieder vorbei. Dem einen bereitet der viele Schnee Kopfzerbrechen, andere können sich darüber freuen.

Sylke Bauer hat gestern jeder ihrer Mitarbeiterinnen einen Strauß Tulpen geschenkt. "Als Dankeschön dafür, dass sie sich diese Woche so gut durchgefitzt haben", sagt die Chefin des gleichnamigen Zschorlauer Hauskrankenpflegedienstes. Nach der morgendlichen Tour versammelt man sich im Aufenthaltsraum. Alle sind sich einig, dass die vergangenen Tage eine Extremsituation darstellten. Statt vier Stunden wie sonst durchschnittlich im Frühdienst unterwegs zu sein, mussten die Schwestern mindestens eine Stunde mehr einrechnen. Plus eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn, um erst einmal das Auto vom Schnee zu befreien. Roberto Bauer sorgt schon ab 5 Uhr mit dem Minitraktor dafür, dass die Ausfahrten und Stellplätze frei bleiben. Unterwegs sind die Frauen dann aber auf sich allein gestellt. Mandy Steddin erzählt davon, dass sie auf dem Weg zwischen Bockau und Albernau stecken geblieben ist. "Zum Glück kam hinter mir der Winterdienst, der hat die Straße frei geschoben und gestreut, so bin ich doch noch zum Patienten gekommen." Dass es im Moment immer weniger Parkplätze gibt, schildern die Pflegedienstmitarbeiter als größtes Problem. "Wenn es gar nicht mehr geht, lassen wir das Auto stehen und laufen den Rest", sagt Ramona Horler. Das Zschorlauer Unternehmen hat 43 Mitarbeiter und betreut 180 Patienten in Zschorlau und seinen Ortsteilen, in Bockau, Lindenau, Schneeberg, Aue und Bad Schlema.

Sven Georgi ist einer von den zahlreichen "guten Geistern", die in aller Frühe dafür sorgen, dass bei diesen extremen Schneefällen das alltägliche Leben nicht völlig zum Stillstand kommt. So schwingt sich der 41-jährige Schwarzenberger ab 5 Uhr auf den Fahrersitz seines Radladers und schiebt den Parkplatz am Lidl-Einkaufsmarkt in Schwarzenberg frei. Der Einkauf von Lebensmitteln muss gewährleistet bleiben. Sven Georgi arbeitet für eine Firma, die solche Dienstleistungen anbietet. Doch nicht nur Parkplätze werden beräumt. "Wir halten beispielsweise auch die Zufahrten zu den großen Wasserbehältern frei. Und die liegen oft auf unwegsamem Gelände", sagt er. Sein gelbes Gefährt ist multifunktional. Momentan sind das Schiebeschild vorn und der Salzbehälter hinten die beiden wichtigsten Zubehörteile, um die aktuellen Aufgaben zu stemmen.

Betreiber von Wintersportanlagen hingegen freuen sich. Wie Toni Bachmann vom gleichnamigen Sportfachgeschäft, das den Skilift in Johanngeorgenstadt betreibt. "Wir sind so froh, dass es geschneit hat. Endlich konnten wir unseren Lift in Betrieb nehmen." Weil es am Hang keine Beschneiungsanlage gibt, war der Lift im vergangenen Winter nur zwei Tage in Betrieb. "Das soll in dieser Saison natürlich anders werden", so der 32-Jährige. "Der jetzt gefallene Schnee reicht ganz sicher bis Ende Februar." Geht es nach Bachmann, könnten jeden Abend noch 20 weitere Zentimeter dazukommen. "Das wäre schon Klasse - auch wenn ich schon Muskelkater vom Schneeschippen habe", sagt er und hofft, dass an guten Wochenendtagen bis zu 300 Gäste den Lift nutzen werden. Neben dem Winterparadies lockt auch eine Einkehr, wo man sich stärken kann. Zum Lift-Team in Johanngeorgenstadt gehören sechs Mitarbeiter. Der Lift hat im Januar freitags von 13 bis 19 Uhr, samstags von 9 bis 19 Uhr und sonntags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Eine Beleuchtungsanlage ist vorhanden.


Wald und Straßen gesperrt

Forstbezirk sperrt Wälder: Bei Betreten der Wälder besteht Lebensgefahr - darauf weist der Forstbezirk Neudorf hin. Er sperrt deshalb auf Grundlage des Sächsischen Waldgesetzes die Waldgebiete in seinem Zuständigkeitsbereich. Das betrifft Gebiete im ehemaligen Altkreis Annaberg und Teile des Altkreises Schwarzenberg. Auch das Landratsamt warnt davor, die Wälder zu betreten. In den kommenden Tagen ist durch Eisregen und weitere Schneefälle mit einer Verschärfung der Situation zu rechnen. Deshalb wurde auch die für heute mit Start 10 Uhr in Pöhla geplante Wanderung "Aktiv durch den Winter" entlang des Europäischen Fernwanderwegs E 3 abgesagt.

Keine Durchfahrt bis Montag: Die Gemeinde Schönheide hat in Absprache mit der Stadt Auerbach entschieden, die Straße zwischen Schönheide und Carolagrün zu sperren. Grund dafür ist laut Schönheides Amtsverweser Eberhard Mädler die Gefahr von Schneebruch. Im Ort Schönheide selbst wurde damit begonnen, Schnee abzufahren, das erledigt der Bauhof des Nachts. In Aue wurde die Staatsstraße 222 zwischen Aue und Bernsbach erneut gesperrt. Grund hierfür ist Schneebruch. Außerdem steckten mehrere Lastwagen fest.

Wanderer sollen sich informieren:

Die Winterwanderwoche des Tourismusverbands Erzgebirge, die heute beginnt, setzt eigentlich auf die weiße Pracht. Doch angesichts der aktuellen Wetterlage bittet der Verband interessierte Teilnehmer, sich vor der jeweiligen Tour mit dem Wanderführer in Verbindung zu setzen.

Schneefräse im Einsatz: Wie vielerorts kämpft man in Johanngeorgenstadt mit dem Schnee. Mit der Fräse werden die Straßen beräumt. Rund ein Dutzend Fahrzeuge, die von der Stadt und privaten Firmen kommen, sind im Einsatz. "Die Hauptstraßen sind frei, jetzt sind die Nebenstraßen dran", sagt Bürgermeister Holger Hascheck. (tjm/ike/kan/juef/nikm)

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