Fachleute bereiten Erzgebirge auf mehr Luchse vor

Bislang lebt nur der Raubkater vom Rabenberg dauerhaft in der Region. Doch die Gegend gilt als geeigneter Lebensraum für die großen Katzen. Sogar eine Wiederansiedlung wird diskutiert.

Aue/Schwarzenberg.

Natürlich ist es pures Glück, den Luchs vom Rabenberg zu Gesicht zu bekommen. Aber für eine so heimliche Art sei Fidelius, wie ihn Wildtierforscher getauft haben, nicht sonderlich scheu, sagt Andreas Pommer. "Er hat sich schon mit dem Handy fotografieren lassen, und es ist vorgekommen, dass er sich am helllichten Tag vor Beobachtern auf einer Wiese gerekelt hat. Er ist ein cooler Typ."

Pommer ist Revierförster des Staatsbetriebs Sachsenforst in Eibenstock und Jäger im Ökologischen Jagdverein Sachsen. Auch in seinem Revier ist der Luchs vom Rabenberg schon auf Stippvisite durchgezogen. Ausflüge unternimmt Fidelius, der seit etwa sieben Jahren regelmäßig in der Region gesehen wird, auch nach Tschechien. Weitere Sichtungen gab es in Steinheidel, Erlabrunn, Jägerhaus und Rittersgrün. All das könnte der lange Anlauf zu einer eigenen Luchspopulation im Erzgebirge sein, wenn sich dem Kater eines Tages ein Weibchen zugesellt und sie sich paaren.

"Zusammen mit den tschechischen Wäldern haben wir hier ein riesiges Einzugsgebiet, das für Luchse geeignet ist", sagt Pommer. "Ein Wiederansiedlungs-Projekt hier bei uns wäre wünschenswert."

Spruchreif ist das noch nicht. Bisher werden Luchse in Sachsen nur beobachtet. Dafür gibt es 25 vom Freistaat finanzierte Fotofallen und zahlreiche Wildtierbeauftragte. Das sind Förster, Jäger und Naturschutzmitarbeiter, die geschult wurden, um Luchsspuren zu erkennen. Im Beobachtungsjahr 2017/2018 konnten 61 Hinweise auf den Luchs dokumentiert werden, im Jahr davor waren es 39, davon 31 gesicherte, sagt Jana Zschille vom Institut für Forstzoologie der TU Dresden.

Beim sogenannten Luchsmonitoring wurde Europas größte Katze bislang in drei Regionen nachgewiesen. In der Lausitz bei Hoyerswerda, in der Sächsischen Schweiz und im Westerzgebirge. Während der Luchs in der Sächsischen Schweiz nach 2012 nicht mehr gesehen wurde, ist er im Westerzgebirge inzwischen so standorttreu, dass es für einen eigenen Namen gereicht hat.

"Das Erzgebirge ist ideal, um Lebensräume zu verbinden", sagt Förster Pommer. "Luchse aus Tschechien, Bayern oder Thüringen können leicht einwandern." Genetischen Analysen zufolge stammt Fidelius aus dem Harz, wo heute etwa 90 Luchse leben. Derzeit gebe es im dortigen Nationalpark 35 Jungtiere, die sich in absehbarer Zeit eigene Reviere suchen werden, sagt Ole Anders, der die Wanderbewegungen der Luchse im Harz erforscht. Das Problem sei, dass zwischen vielen Vorkommen kein Austausch stattfindet: "Deshalb stehen sie vor einem weiteren Aussterben. Wir brauchen einen Kreisverkehr des Pinselohrs durch Deutschland." Das Erzgebirge könnte so eine Drehscheibe werden.

Bemühungen, die Einwohner darauf vorzubereiten, laufen. So hatten die Grüne Aktion Westerzgebirge und der Ökologische Jagdverein am Mittwoch in Aue einen Vortrag mit Luchs-Experten organisiert. Vor dem Saal im Kulturhaus wurden T-Shirts verkauft: "Ich bin für den Luchs in unseren Wäldern", stand auf der Brust. "Unsere Vorfahren haben den Luchs vor 200 Jahren ausgerottet", sagt Andreas Pommer. "Wir haben etwas gutzumachen."

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 5 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...