Geheimsitzung in Schlema: Mehrheit für Fusion mit Aue

Mit wem soll Bad Schlema in den Hafen der Ehe segeln? Gleich mehrere Bewerber buhlen derzeit um den Kurort. Hinter verschlossenen Türen haben die Gemeinderäte nun Tacheles geredet.

Bad Schlema.

Mit der Politik ist es manchmal wie mit der Liebe, es zählen nicht nur rationale Argumente. Das erklärt vielleicht, warum seit Wochen in Bad Schlema mit Leidenschaft darüber diskutiert wird, ob und mit wem die Gemeinde fusionieren soll.

Bleibt es beim anvisierten Bündnis mit Aue als Notfalloption, falls die Einheitsstadt Silberberg mit Lößnitz doch noch scheitert? Oder sollte sich der Kurort lieber in Richtung Schneeberg orientieren, das seit dem Ausstieg aus dem Projekt Silberberg unverblümt Avancen macht? Und wie werden die Bürger bei diesen Fragen beteiligt?

Auf der Suche nach Antworten haben sich die Gemeinderäte von Bad Schlema jetzt im Geheimen getroffen - um Tacheles zu reden. Am Mittwochabend fand das Treffen, offiziell als Klausursitzung bezeichnet, im Kulturhaus Aktivist statt. Das Ziel: sondieren, wie es in Sachen Fusion weitergeht.

Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler) lobte das Treffen gestern als "sehr konstruktiv" und "ernsthaft". Es hätten sich viele Räte an der Diskussion beteiligt. "Wir haben abgeklopft, wie sich jeder positioniert." Dabei sei man überein gekommen, dass eine Fusion notwendig ist, um die Finanzkraft des Ortes zu erhalten. Dafür will die Gemeinde zunächst auf ein Dreierbündnis mit Lößnitz setzen. "Nur, wenn das nicht klappt", sagte Müller, "machen wir einen Start zu zweit."

Ob in dem Fall Aue oder Schneeberg zum Zuge kommt, ist noch nicht endgültig entschieden. "Dazu haben wir keinen Beschluss gefasst", erklärte Müller, "ebenso wie zu der Frage, ob es dann noch einmal einen Bürgerentscheid geben soll." Zugleich habe sich auf dem Treffen eine Tendenz abgezeichnet. "Und die geht in Richtung eines Partners, der für eine große Fusion offen ist", sagte er. Will heißen: Nach Schneebergs Absage an ein Viererbündnis dürfte die Stadt Aue - mit der bereits Fusionsgespräche laufen - die besseren Karten haben.

Das bestätigte auch der Gemeinderat Andreas Rössel (Linke): "Es gibt im Rat eine Mehrheit für Aue." Er selbst favorisiere hingegen ein Bündnis mit Schneeberg, und das, "obwohl Aue größer ist und mehr Geld hat". Das sei, sagte er, eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. "Letztlich sollten aber die Bürger darüber abstimmen."

Die Schneeberger Stadträte haben gestern Abend einstimmig dafür votiert, Fusionsgespräche mit Bad Schlema aufzunehmen. "Wenn sie fusionieren wollen, müssen wir uns als Alternative anbieten", sagte Stadtchef Ingo Seifert (Freie Wähler/Bika). "Wir wären vielleicht die bessere Wahl." Es bestünden viele Gemeinsamkeiten.

In Bad Schlema nimmt man die Offerte gemischt auf. Müller sagte: "Ich werde mich auf der nächsten Ratssitzung dazu äußern." Derzeit könne er keine Verhandlungen mit Schneeberg empfehlen. Abgeordneter Rössel forderte hingegen: "Wir sollten niemanden von vornherein ausschließen, sondern mit Aue und mit Schneeberg sprechen."

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