Geothermie-Projekt in Wildbach rückt näher

Wird in dem Ort bald an einem hochmodernen Kraftwerk geforscht? Fachleute sehen dafür sehr gute Chancen.

Wildbach.

Der Bau eines Geothermie-Kraftwerks im Aue-Bad Schlemaer Stadtteil Wildbach wird wahrscheinlicher. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, kurz BGR, hat jetzt das Vorprojekt für eine Forschungsbohrung erfolgreich abgeschlossen, mit der das Potenzial tief liegender Wärmereservoire für die Stromerzeugung untersucht werden soll. Das berichtet der BGR-Sprecher Andreas Beuge. "Wir haben nichts gefunden, dass dagegen spricht", sagt er.

Bei der Bohrung soll ein gut fünf Kilometer langes Loch vom Gelände der früheren Polizeischule in Wildbach in die Tiefe getrieben werden. Wissenschaftler wollen damit überprüfen, ob der Granit in dieser Ecke des Erzgebirges für Deutschlands erstes Tiefengeothermie-Kraftwerk geeignet ist. Eine dreidimensionale Vermessung des Areals im Jahr 2012 hatte das nahe gelegt. Letzte Gewissheit soll die Bohrung bringen.


Das Prinzip eines Geothermie-Kraftwerks: Wasser wird durch ein Bohrloch in die Tiefe gepresst und dort auf über 100 Grad aufgeheizt. Durch den hohen Druck in diesen Erdschichten bleibt es dennoch flüssig und kommt durch ein anderes Loch wieder an die Oberfläche. Die Hitze kann dann zur Energieerzeugung genutzt werden. In Bad Schlema ist die Hoffnung, dass nach der Bohrung das entstandene Loch für ein solches hochmodernes Kraftwerk genutzt werden kann.

Bei dem Vorprojekt hat die BGR alle technischen sowie umwelt- und bergbaurechtlichen Dinge geklärt. So sind unter anderem das Grundwasser untersucht, Altlasten erfasst und Bäume kartiert worden. Laut Sprecher Beuge führte man auch mehrere kleinere, bis zu zwölf Meter tiefe Bohrungen durch. "Und wir haben einen Seismometer aufgestellt, der die Bewegungen im Erdboden ein Jahr lang aufgezeichnet hat." Mit Hilfe der gewonnenen Daten soll sich später etwa unterscheiden lassen, ob Erschütterungen im Untergrund auf die Bohrung zurückzuführen sind, oder ob sie einen natürlichen Ursprung haben.

Für das Forschungsprojekt rechnen die Beteiligten mit Kosten von rund 20 Millionen Euro, plus-minus fünf Millionen Euro, heißt es. Aufkommen dafür soll der Bund. Laut BGR werden nun bis Herbst die Projektmittel beim Bundeswirtschaftsministerium beantragt. Gibt es von dort Zustimmung, könnten die Arbeiten Mitte 2020 starten.

Bis die eigentliche Bohrung beginnt, dürften voraussichtlich aber einige weitere Monate vergehen. "Dann müssen wir zunächst die Bauarbeiten ausschreiben", sagt Andreas Beuge. Auf dem Areal der früheren Polizeischule an der Schneeberger Straße muss beispielsweise ein Bohrturm errichtet werden.

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