Gewerkschaft befürchtet zunehmende Altersarmut

Im Erzgebirgskreis immer mehr Rentner auf Stütze vom Amt angewiesen

Aue/Schwarzenberg.

Immer mehr Menschen im Erzgebirgskreis sind neben ihren Altersbezügen auf staatliche Stütze angewiesen. Gab es im Kreis 2008 noch 1598 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, waren es im vorigen Jahr bereits 2084. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit und beruft sich auf Zahlen des Statistischen Landesamtes. Demnach erhalten in Sachsen jetzt rund 30.000 Rentnerinnen und Rentner Grundsicherung - 25 Prozent mehr als 2008.

Den Trend sieht Volkmar Heinrich, Geschäftsführer der NGG-Region Dresden-Chemnitz, mit Sorge - und fordert "eine rentenpolitische Kurskorrektur". Vor allem die von der Bundesregierung angekündigte Grundrente müsse rasch angepackt werden, um ein Ausufern der Altersarmut im Landkreis zu verhindern. "Die amtlichen Zahlen zeigen auch im Erzgebirge aber nur die Spitze des Eisbergs. Viele Menschen, die wegen Mini-Renten Anspruch auf Grundsicherung haben, schrecken aus Scham vor einem Antrag zurück", sagt Heinrich. "Eine entscheidende Ursache dürftiger Renten sind niedrige Einkommen. Das liegt auch an der Praxis vieler Unternehmen, aus Tarifverträgen auszusteigen und so die Löhne zu drücken. Der Trend zu Teilzeit und Minijobs kommt hinzu", erklärt der Gewerkschafter.

Das von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil vorlegte Modell der Grundrente wäre laut Heinrich "ein wichtiger Beitrag für mehr Gerechtigkeit im Rentensystem". Es würdige die Leistung derer, die ein Leben lang in die Rentenkasse einzahlten. Wichtig sei, dass es dabei keine Bedürftigkeitsprüfung gebe: "Wer die Prüfung fordert, trifft die Falschen, in den allermeisten Fällen Haushalte mit kleinen Einkommen."

Die NGG fordert die Große Koalition auf, bei dem Thema jetzt "ernst zu machen". Wer Jahrzehnte gearbeitet habe, habe mehr verdient als die Grundsicherung. Ein Stück des gesellschaftlichen Zusammenhalts stehe auf dem Spiel. "Für Tausende Beschäftigte allein im Erzgebirgskreis stellt sich die Frage, ob ein würdiger Lebensabend in Zukunft noch möglich ist", warnt Heinrich. Die Politik müsse jetzt handeln, um Altersarmut im großen Stil zu stoppen.

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