Große Hilfsbereitschaft für den kleinen Louis und seine Familie

Für den schwer kranken Jungen aus Zschorlau wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Innerhalb weniger Tage gingen fast 40.000 Euro ein. Doch das ist es nicht allein, wofür die Eltern unendlich dankbar sind.

Zschorlau.

Diana und Andreas Oertel reiben sich immer wieder verwundert die Augen, wenn sie auf den Stand der Spendenkampagne für ihren schwer kranken zweijährigen Sohn Louis schauen. Innerhalb weniger Tage ist der auf fast 40.000 Euro angewachsen, die Liste der Spender ist lang. "Viele kennen wir, andere nicht, allen sind wir gleich dankbar. Wir sind überwältigt von der Anteilnahme", sagt der Vater.

Er zeigt ein aktuelles Foto von seinem Sohn, aufgenommen auf dem Krankenhausflur des Deutschen Herzzentrums in Berlin. Auf was für einem komischen Kasten sitzt denn der kleine Junge da?, fragt man sich unwillkürlich beim Betrachten. Der Kasten ist kein Kasten, sondern ein Herzunterstützungssystem. Andreas Oertel nennt es "Berlin Heart"; So heißt die Firma, die das herstellt. Es ist eine Maschine, die die Funktion der linken Herzhälfte seines Sohnes ersetzt. Damit Louis wenigstens zeitweise etwas anderes als sein Zimmer auf der Intensivstation sieht, haben ihn die Pfleger mit dem Kindersitz darauf fest geschnallt - das "Herz" muss immer dabei sein.

Louis wurde am 4. November 2016 in einer Klinik in Leipzig geboren, fünf Minuten nach seinem Bruder Nevio. Eltern der Zwillinge sind Diana und Andreas Oertel aus Zschorlau, die sich lange ein gemeinsames Kind wünschten. Die Freude war groß, als es nach einer künstlichen Befruchtung klappte. Schon die Schwangerschaft war ein Wechselbad der Gefühle für die werdenden Eltern. "Es hieß immer wieder, dass sich ein Kind nicht richtig entwickelt", erzählt der Vater. Wie sich herausstellte, war das Nevio, der aber gesund zur Welt kam. Zwischenzeitlich waren nur die Herztöne von einem Kind zu hören, dann wieder doch von zweien. Bei der Feindiagnostik in der auf Mehrlingsgeburten spezialisierten Klinik in Leipzig wurde es bei der Ultraschalluntersuchung zur Gewissheit: Ein Kind hat drei anatomische Fehlbildungen am Herzen. "Das war für uns ein Schock", so der Vater.

Von Geburt an hat der kleine Louis die meiste Zeit seines bisherigen kurzen Lebens Operationen und lange Krankenhausaufenthalte über sich ergehen lassen müssen. Gerade mal ein dreiviertel Jahr konnte er zu Hause in Zschorlau sein. Da ging es ihm besser, weil die Ärzte seine Herzfehler zum Teil korrigiert hatten. Doch als Problem bleibt, dass seine linke Herzkammer nicht die erforderliche Leistung bringt. Zudem ist der Zweijährige anfällig für Infektionen. Mittlerweile steht er auf einer Warteliste für Herztransplantationen.

Vor zwei Wochen dann die nächste Hiobsbotschaft für die Eltern: Louis' Lunge ist durch die vielen Infektionen und Inkubationen so stark geschädigt, dass er im Moment nicht ohne Atemunterstützung leben kann. Eine Herz-Lungen-Transplantation halten die Ärzte im Berliner Herzzentrum zwar für zu riskant, aber sie wollen den kleinen Jungen noch nicht aufgeben. "Sie wollen alles versuchen, die Lunge von den Verengungen zu befreien, das wäre eine Chance, wenn auch nur eine kleine", sagt Andreas Oertel.

Der Onkel von Louis, Andreas' Bruder Michael, weiß um die Sorgen der Eltern. Oft sind er und seine Frau auch bei ihrem Neffen in Berlin. "Er zeigt uns täglich, dass er leben will, er liegt in seinem Bettchen und strahlt uns an", hat er es im Zusammenhang mit der von ihm initiierten Spendenkampagne formuliert. Er weiß aber auch um die finanziellen Sorgen der Zschorlauer Familie. Mutter Diana ist noch in Elternzeit und hat außer dem Kindergeld kein Einkommen mehr. Vater Andreas ist seit drei Jahren Alleinverdiener. Glücklich ist er darüber, dass sein Arbeitgeber, Turck Beierfeld, ihm den Rücken stärkt und ihn frei stellt, ohne Bedingungen daran zu knüpfen. Vater und Mutter wechseln sich im wöchentlichen Rhythmus bei der Betreuung von Louis in Berlin ab. Und auch wenn man dort kostenlos im Ronald-McDonald-Haus übernachten kann, hat die Familie quasi zwei Wohnsitze. Die Kosten für das Haus in Zschorlau und den gesamten Familienalltag laufen weiter. Zwillingsbruder Nevio geht seit Juni in den Kindergarten, ihm wollen die Eltern trotz allem ein weitgehend normales Leben ermöglichen.

"Freunde und Familie versuchen schon, so weit es geht, die Familie meines Bruders zu unterstützen, aber es reicht leider nicht", schätzt Michael Oertel ein. Zumal Andreas Oertel sich jetzt darauf einstellt, dass Louis nach einer Herztransplantation nach Hause kommen kann. Dafür muss das Haus in Zschorlau vorbereitet sein, das heißt unter anderem, dass keinerlei Schimmelspuren oder chemische Ausdünstungen angetroffen werden dürfen, die eine Abstoßung des fremden Organs provozieren könnten. Für das alles braucht es Geld.

Und die Hilfsbereitschaft reißt nicht ab: Am Mittwoch hat es vorm Simmel-Markt in Aue eine Flohmarktverkaufsaktion gegeben. "Wir sind total sprachlos, überwältigt und unendlich dankbar", sagt Andreas Oertel. Sein Dank und der seiner Frau gilt allen, "die mit Geldspenden, Besuchen, lieben Worten, kleinen Gesten und vor allem vielen Gebeten für Louis und unsere Familie" ihre Anteilnahme zeigten.

gofundme.com/louis-oertel

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