Grüne fordern Erhalt der Rechenhausbrücke

Der Abriss des historischen Bauwerks im Tal der Mulde ist beschlossene Sache. Oder doch nicht? Ein Beispiel aus dem Vogtland zeigt, dass auch ein Kompromiss denkbar wäre.

Bockau/Zschorlau.

Als ein "verheerendes Signal" für die aktuelle Weltkulturerbe-Bewerbung wertet Landtagsabgeordneter Wolfram Günther, denkmalpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, den geplanten Abriss der Rechenhausbrücke bei Bockau. Die Grünen fordern den Erhalt des technischen Denkmals, denn seine kulturhistorische Bedeutung stehe außer Frage.

Ein Nachnutzungskonzept für die Brücke zu erarbeiten und dies in einem Planänderungsverfahren rechtlich festzuschreiben, wird von den Grünen als sinnvoller erachtet, als die für den Abriss veranschlagten 237.000 Euro auszugeben. In diesem Zusammenhang verweist der Grünen-Abgeordnete auf eine Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege, wonach dieses die Zustimmung zum Brückenneubau 2003 nur unter der Bedingung erteilt habe, "dass die historische Flussquerung als Fuß- und Radweg genutzt und saniert wird". Die untere Denkmalschutzbehörde beim Landratsamt hat sich in ihrer Stellungnahme nur für die Dokumentation der Brücke, nicht aber für den Erhalt eingesetzt.

Günther wünscht sich einen Kompromiss für die Rechenhausbrücke und verweist auf die Egersche Brücke bei Mühlwand im Vogtlandkreis. Dort hat eine Bürgerinitiative den geplanten Abriss verhindert. Nach der Entscheidung des Referats für Denkmalschutz im Innenministerium für deren Erhalt wird die Stadt Reichenbach die Brücke in ihre Zuständigkeit übernehmen. Genutzt werden soll sie als Rad- und Fußweg.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) und die Landesdirektion Chemnitz hatten in Bezug auf die Rechenhausbrücke zwei Hauptargumente für deren Abriss: Er soll eine Ausgleichsmaßnahme für den Neubau der Brücke im Tal der Mulde sein. Und der Naturschutz hätte sich dagegen ausgesprochen, dass zwei Brücken das Tal überspannen, weil dadurch das Flora-Fauna-Habitat gestört werde. Ein neues Ausgleichskonzept sei durch den Nachnutzer zu erstellen, "sollte der Rückbau nicht realisiert werden", heißt in der Antwort von Sachsens Innenminister Markus Ulbig auf Günthers Anfrage.

Im Planfeststellungsverfahren haben sowohl Naturschutzbund als auch BUND gar keine Stellungnahmen abgegeben, ergaben Nachfragen. "Es wird eine Ersatzmaßnahme gebraucht, da ist es einfach, die naheliegende alte Brücke abzureißen", kann Joachim Schruth vom Nabu die Denkweise von Straßenbaubehörde und Landesdirektion durchaus nachvollziehen. Die Planungen zur Rechenhausbrücke seien allerdings am Nabu vorbeigegangen.

Das Verfahren zur Rechenhausbrücke hat der BUND "in der Priorität nicht vorrangig gesehen". Lars Stratmann, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen, verweist darauf, dass es allein aufgrund von Personalknappheit beim BUND nicht möglich sei, sich an allen Verfahren zu beteiligen. Eine Stellungnahme wurde demnach vom BUND nicht abgegeben.

Aus Sicht der Gemeinde Zschorlau, auf deren Flur die Brücke zu einem Teil steht, gebe es "keine Veranlassung, das Verfahren erneut auf den Prüfstand zu bringen", sagte Bürgermeister Wolfgang Leonhardt (CDU) zur jüngsten Gemeinderatssitzung. Er ist der Überzeugung, dass der Wunsch, eine neue Brücke zu haben, bei den Bürgern überwiegt.

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