Hundert Jahre Andacht unter Bäumen

Beim Waldgottesdienst in Stützengrün werden zum großen Jubiläum am Pfingstmontag mehr Besucher denn je erwartet. Erstmals schickt die Gemeinde deshalb die Feuerwehr in den Einsatz.

Stützengrün.

Die Bilder sind aus den Vorjahren bekannt: Menschen über Menschen pilgern durch den Wald, sitzen oder stehen unter Bäumen, andächtig, erwartungsvoll. Man sieht den Wald vor lauter Leuten nicht, wenn Evangelisten am Pfingstmontag im Neulehner Forst ihre Botschaft verkünden. Tausende zieht es Jahr für zur Andacht unter Bäumen. Mehr als 6000 Besucher kamen, als vor elf Jahren der bekannte Fernsehmoderator und Buchautor Peter Hahne predigte - Rekord!

"So Gott will und ich lebe, komme ich zum 100. Waldgottesdienst wieder", sagte Hahne damals. Jetzt löst er sein Versprechen ein. Am Montag steigt der mittlerweile 66-Jährige erneut aufs Redner-Podest. Die Gemeinde rechnet mit einem neuen Besucherrekord, und weil die aktuellen Straßensperrungen in Stützengrün und Schönheide die Anfahrt zusätzlich erschweren, hat Bürgermeister Volkmar Viehweg (parteilos/Mandat CDU) erstmals die Freiwillige Feuerwehr für die Veranstaltung aktiviert, die sonst allein von der Landeskirchlichen Gemeinschaft organisiert wird. "Die Kameraden werden helfen, Fahrzeuge in die Parkplätze einzuweisen. Über Funk lässt sich das bestimmt besser koordinieren", sagt Viehweg.


Die Landeskirchliche Gemeinschaft Stützengrün wurde 1914 gegründet, ab 1919 sind dann die Waldgottesdienste nachweisbar. "Wir haben das aus Protokollen des Ältestenrats entnommen", sagt Viehweg. "Begonnen hat alles mit einigen Familien, die sich gemeinsam zu einem Picknick am Pfingstmontag aufmachten und unterwegs eine Andacht einlegten." Die Teilnehmerzahlen wuchsen, aus Andachten wurden Gottesdienste. "Trotz Kriegszeiten und Systemwechsel ist kein Jahr überliefert, in dem dieser ausgefallen wäre", sagt Viehweg.

Er freut sich auf ein Wiedersehen mit Peter Hahne und dieser auf eines mit den Erzgebirgern. "Kompliment an die Veranstalter, die zusammen mit Polizei, Feuerwehr und unzähligen ehrenamtlichen Helfern dafür sorgen werden, dass es weder ein Verkehrschaos noch Platzmangel gibt", verteilt er Vorschusslorbeeren.

Passend zum Thema des Gottesdienstes "Fake News oder Wahrheit - wem wir noch vertrauen können" verkauft und signiert Hahne in Stützengrün seinen Bestseller "Schluss mit euren ewigen Mogelpackungen - Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen" in einer Sonderauflage. "Ich freue mich über jeden, der vielleicht zum ersten Mal beim Waldgottesdienst dabei ist", sagt er.

Der Waldgottesdienst beginnt am Pfingstmontag um 9 Uhr im Neulehner Forst nahe der Stützengrüner Schulstraße. Aufgrund von Bauarbeiten sollten die weitläufigen Umleitungen aus Richtung Aue über Neidhardtstal und aus dem Vogtland über Auerbach/Brunn genutzt werden. Innerhalb von Stützengrün ist ein Einbahnstraßensystem eingerichtet, das die Abreise erleichtern soll. Alternativ fährt die Museumsbahn Schönheide 8.30 Uhr ab Schönheide und 8.40 ab Neuheide. Rückfahrt: 10.40 Uhr und 11.45 Uhr ab Neulehn. Bei Regen findet der Gottesdienst im nahen Schönheider Eisstadion statt.


Sind die alle noch bei Trost?

Peter Hahne (66) ist Fernsehmoderator, Autor und Evangelist. Beim Waldgottesdienst greift er auf Erfahrungen aus allen drei Tätigkeiten zurück.

"Freie Presse": "Fake News" sind ein aktuelles Thema. Wie passt das in einen Gottesdienst?

Peter Hahne: An dem topaktuellen Thema sieht man, dass weder Christen noch der Waldgottesdienst Antiquitäten fürs Museum sind. Wir sind nicht die letzten Fußkranken der Völkerwanderung, die die Zeit verschlafen haben, sondern echte Dienstleister für unsere Gesellschaft. Keine Frage wird mir so häufig gestellt wie: Wem können wir noch vertrauen? Gibt es überhaupt Personen oder Institutionen, die uns nicht hinters Licht führen? Wenn ich mir die aktuelle Politik dieser Tage in Berlin anschaue, frage ich mich ja selbst: Sind die alle noch bei Trost - und kann man denen unseren Staat anvertrauen? Dieser respektlose Umgang miteinander ohne Anstand, Achtung und Würde schreit doch nach Werten und Worten, auf die man sich verlassen kann.

An welche Werte und Worte denken Sie da?

Es gibt in der uralten Bibel topaktuelle Wahrheiten gegen alle Fake News unserer Zeit, die eine ewige Gültigkeit haben: Vergebung, Respekt, Barmherzigkeit, Menschenwürde, Gerechtigkeit. Da die Bibel kein Lesebuch, sondern ein Lebensbuch ist, brauchen wir keine Vorschriften, sondern Vorbilder. Die Nachrichten von heute sind bereits morgen von gestern, die Bibel ist jeden Tag eine Neuerscheinung. Es erwartet die Besucher also keine staubtrockene akademische Lesung, sondern Klartext und klare Kante mit vielen persönlichen Erlebnissen und einer großen Portion Humor. mu

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