Junge Chefs tüfteln weiter an Erfolgsrezept

Die Region sucht wieder den Jungunternehmer des Jahres. Drei Vorschläge aus verschiedenen Branchen gibt es. Das sind eine Expertin für Kulinarisches, ein Veredler für Karossen und ein Duo, das Stein auf Stein setzt.

Aue/Schwarzenberg.

Wie immer bleibt es bis zum Neujahrsempfang das wohl am besten gehütete Geheimnis im Städtebund Silberberg: Wer wird Jungunternehmer 2020? Die Antwort gibt es am 17. Januar im Kulturhaus Aue. Wie seit 2017 haben auch bei der vierten Auflage der Wahl drei Nominierte die Chance auf den Preis im Städtebund von Aue-Bad Schlema, Schwarzenberg, Schneeberg, Lößnitz und Lauter-Bernsbach. Ihr Eigen nennen die Ehrung bisher der Schneeberger Handschuhmacher Nils Bergauer, Enrico Heymann mit der Auer Firma Clen Solar und Dirk Bauer-Reich von der Kunststoffbeschichtung Klesch in Alberoda. Auch die aktuellen Kandidaten sind noch keine 45 Jahre alt und zeichnen sich in der Betriebsführung durch Kreativität, Innovationsfreude und Herzblut aus.

Die Fleischermeisterin: Für Christin Popella - sie ist eine der drei Nominierten in diesem Jahr - und ihr siebenköpfiges Stamm-Team gilt das vor allem kulinarisch. Seit einem Jahr lenkt die 34-jährige Fleischermeisterin und Mutter eines fünfjährigen Sohnes die Geschicke des 120 Jahre alten Familienbetriebs. Dabei wollte sie in diesem nie landen. "Weil ich sah, wie hart meine Eltern arbeiten. Aber am ersten Tag der Lehre stand ich dann doch im Laden", erinnert sich die Auerin, die auf Fleischerei, Catering und Imbiss setzt - um Genusshandwerk zu vermitteln. "Wir wollen gesunde und natürliche Genussmomente schaffen, die glücklich machen", sagt Popella, die vom "Dinner for one" bis zu Catering-Aufträgen für 1500 Leute alles stemmt. "Dazu braucht es verlässliche Partner und ein tolles Team, das ich glücklicherweise habe." Dieses und die Balance zwischen Beruf und Familie zu halten, seien Wünsche für die Zukunft. Popella liebt die themen- und heimatbezogene Arbeit, heimste mit Kreationen wie Wurststollen und Schachtschinken schon viele Auszeichnungen ein. Die Unternehmerin will weiter über den Tellerrand hinausschauen, eigene Ideen kreieren und offen kommunizieren. "Das wünsche ich mir auch für unsere Gesellschaft."

Der Galvaniseurmeister: In dritter Generation leitet Hardy Kotsch - der zweite Nominierte - seit 2003 die gleichnamige Metallveredlung GmbH in Schneeberg. Senior Jürgen Kotsch verabschiedete sich 2018, fungiert bisweilen noch als Berater. Seit 1945 werden in der Bergstadt Metallteile galvanisch beschichtet. "Seit dem Neubau und dem Umzug ins Gewerbegebiet 2003 wuchs der Mitarbeiterstand von 22 auf 71 Beschäftigte", so Hardy Kotsch. Laut dem 43-Jährigen kommen 30 weitere Stellen hinzu. Das Unternehmen expandiert: Für acht Millionen Euro entstand eine zweite Werkhalle, in der ab März Produkte für die Automobil- und Lkw-Branche sowie den Baumaschinensektor hochwertige Korrosionsbeschichtungen erhalten. Der Kundenstamm reicht von Audi bis Bentley und von Liebherr-Kränen bis zu Cessna-Flugzeugen.

"Aktuell sind wir auch für den Großen Preis des Mittelstands 2020 nominiert", so der zweifache Vater. Die Firma arbeitet im Drei-Schicht-System. Mehr als 26 Millionen Bauteile wurden 2019 mit Zink, Zink-Nickel, Kupfer und Zinn veredelt. Aufträge gebe es nicht nur europaweit, sondern auch aus China, Ungarn und den USA, berichtet der Galvaniseurmeister.

Die Baumeister: Kein traditioneller Generationswechsel beförderte Frank Leischker (44) und Thomas Daniel (42) - das Duo ist als drittes nominiert - in die Chefrolle. Die beiden Rittersgrüner, die sich laut Daniel seit Sandkasten-Zeiten kennen, gründeten 2004 "mit Hacke und Schaufel" zu zweit ihr eigenes Unternehmen: die IGW Bau GmbH mit Sitz in Schwarzenberg. Ein Erfolgsmodell. Inzwischen zählt das auf traditionelle Hochbauarbeiten spezialisierte Unternehmen 82 Mitarbeiter. "Wir bieten mittlerweile alle Baugewerks-Leistungen an - von der Planung bis zur schlüsselfertigen Übergabe. Zudem bauen wir seit 2006 über eine Trägerfirma selbst und verkaufen diese Objekte."

Die Auftragslage sei sehr gut. "Bei 105 Prozent. Wie überall in Bau und Handwerk", so Daniel. Doch man müsse mit einem Rückgang rechnen. "In manchen Branchen ist das ja schon spürbar." Der mögliche Knick bereite keine Sorgen. Das gleiche sich aus, da es parallel dazu immer schwerer werde, geeignete Leute zu finden. Das Hauptaugenmerk liegt daher auf dem Erhalt des Mitarbeiterstamms. "Wir bilden aus, haben derzeit fünf Lehrlinge. Außerdem setzen wir auf Heimatnähe. Kein Auftragsort soll mehr als eine Stunde Fahrzeit von unserem Firmensitz entfernt sein", so Daniel.

Stifter des Jungunternehmerpreises sind der Städtebund, die IGA, die Deutsche Bank Aue und "Freie Presse" Aue-Schwarzenberg.


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