Mehrwegnetz und Frischetasche statt Knotenbeutel aus Plastik

Supermärkte warten nicht ab, bis das EU-Verbot von Einwegverpackungen in Kraft tritt. Sie bieten bereits Alternativen an. Und: Nicht nur Plastiktrinkhalme sollen ganz aus dem Sortiment verschwinden.

Aue/Schwarzenberg.

200 Gramm Salami, ein Pfund Gehacktes, zwei Paar Wiener, bitte! Die Verkäuferin verpackt die Wurst in Papier und reicht sie über die Theke - in einem Knotenbeutel aus hauchdünnem Plastik. "In Frankreich gibt's das nicht mehr, dort wurden die Beutel bereits abgeschafft", sagt sie. Der Kunde, ein Mann, Mitte 60, nickt und legt den Einkauf in den Korb.

Obwohl der Beschluss der Europäischen Union, Einwegverpackungen aus Plastik zu verbieten, erst 2021 in Kraft treten soll, sind Supermärkte und Discounter schon länger auf dem Öko-Trip, bieten ihrer Kundschaft Möglichkeiten, um Verpackungsmüll zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Aldi zum Beispiel hat verkündet, ab sofort die kostenlosen Plastik-Knotenbeutel im Obst- und Gemüsebereich abzuschaffen. Kaufland will im September Plastik-Einweggeschirr aus dem Sortiment nehmen. "Freie Presse" fragte in Märkten der Region nach.


Laser und Polyester: Für das Handelsunternehmen Edeka, das im Erzgebirgskreis mehr als ein Dutzend Märkte betreibt, seien Verpackungsvermeidung und -optimierung bereits seit Jahren wichtige Anliegen. Alle Obst- und Gemüse-Produkte würden auch lose angeboten. "Wir kennzeichnen viel mit Etiketten oder auch mit 'Smart Branding'. Allein mit dieser Laserbeschriftung lassen sich 50 Tonnen Plastik jährlich einsparen", sagt Kerstin Hastedt vom Edeka-Presseteam.

Die Knotenbeutel seien in den Obst- und Gemüse-Abteilungen in den vergangenen drei Jahren bereits um mehr als 100 Millionen Stück reduziert worden. Stattdessen würden Mehrwegnetze angeboten. "Jeder Beutel weniger zählt - egal ob Plastik oder Papier. Wir setzen auf Vermeidung und Mehrweg, motivieren unsere Kunden zum Verzicht auf Knotenbeutel und Papiertüten", so die Unternehmenssprecherin.

Stattdessen soll zu Mehrwegtragetaschen aus Recyclingmaterial gegriffen werden. Dazu gehören Mehrwegtragetaschen aus Recycling-PET, Etui-Taschen aus 100-Prozent-Recycling-Polyester und Permanent-Tragetaschen. Die erste Recycling-Tiefkühltragetasche sei bereits 2016 eingeführt worden. Hastedt: "Das hat bereits mehr als 700 Tonnen neuen Kunststoff eingespart."

Baumwolle und Karton: Im Obst- und Gemüsebereich der Kaufland-Märkte werde als Alternative zu den Knotenbeuteln bereits seit Januar dieses Jahres mehrfach verwendbare Frischetaschen angeboten. "Eine Packung mit drei Frischetaschen kostet 1,99 Euro, sie sind waschbar und immer wieder verwendbar", erläutert Anna Münzing, Sprecherin der Kaufland Stiftung & Co. KG. "Durch die Verwendung der Taschen lassen sich bis zu 700 Tonnen Einwegbeutel im Jahr einsparen."

Für den Transport nach Hause bietet die Lebensmittel-Einzelhandelskette aus Neckarsulm, die im Erzgebirgskreis in nahezu jeder größeren Stadt einen Markt betreibt, langlebige Einkaufshelfer. "Zum Beispiel Stoffbeutel aus zertifizierter Baumwolle, stabile Permanent-Tragetaschen, Einkaufsboxen aus Karton oder platzsparende Kunststoff-Klappboxen", zählt Münzing auf.

Aus für Plastikbeutel: Aldi Nord und Süd haben im Juni verkündet, ab Sommer 2019 die kostenlosen Plastik-Knotenbeutel im Obst- und Gemüsebereich abzuschaffen - auch in den mehr als zehn Märkten im Kreis. "Unsere Kunden können dann auf einen Knotenbeutel aus nachwachsenden Rohstoffen zum Preis von einem Cent oder ab Herbst auf einen widerstandsfähigen Mehrwegbeutel zurückgreifen", erläutert Joachim Wehner, Pressesprecher der Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG.

Eine spezielle "Verpackungsmission" der zwei Discount-Einzelhandelsketten sehe vor, bis 2025 die Verpackungsmenge um 30 Prozent zu reduzieren. Bis 2022 sollen zudem sämtliche Aldi-Eigenmarken-Verpackungen recyclingfähig gestaltet werden, sagt Joachim Wehner.

Mehr- statt Einweggeschirr: In Sachen Einweg-Plastikgeschirr und Plastiktrinkhalme warten Supermärkte und Discounter ebenfalls nicht auf ein Verbot durch die Europäische Union. Kaufland hat angekündigt, im September Plastik-Einweggeschirr aus dem Sortiment zu nehmen. Edeka will die Einwegartikel nach und nach bis Ende 2019 ersetzen. "Um Einweg-Plastikgeschirr wie Teller, Becher, Besteck oder Trinkhalme zu vermeiden, haben wir für unsere Eigenmarken bereits gezielt Mehrweg-Alternativen aus robustem Kunststoff entwickelt", teilt das Unternehmen mit. Die Unternehmensgruppe Aldi Nord betont, seit Anfang 2019 gar kein Einweg-Plastikgeschirr und keine Plastiktrinkhalme mehr anzubieten.

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