Mit Handschlag: Schönheider verabschieden ihren Pfarrer

Hans-Christian Moosdorf verlässt das Erzgebirge. Bei seiner letzten Predigt gibt er einen Rat zur Nachfolgersuche.

Schönheide.

Schönheides Kirchgemeinde ist seit Kurzem ohne Hirte. In seiner Abschiedspredigt nahm Pfarrer Hans-Christian Moosdorf am vergangenen Sonntag schon einmal Bezug auf die zukünftige Bewerbungssituation seiner potenziellen Nachfolger: "Man wird fragen, wie jemand predigt, ob er mit Jugendlichen umgehen kann oder welche Visionen da sind. Dabei wird oft das Bodenpersonal mit dem eigentlichen Verursacher des Segens verwechselt", sagte Moosdorf.

Es komme nicht darauf an, wer spricht, sondern was gepredigt wird - das Wort Gottes. Und das verspreche keine spektakuläre Effekte oder eine angenehme Zeit. "Es ist ein Nahrungsmittel, das die Bibel Brot des Lebens nennt", erklärte Moosdorf. Ob und wann es zu den erhofften Bewerbungen auf das Pfarrer-Amt kommt, ist indes ungewiss.


Beim letzten Hirten-Wechsel musste die Luthergemeinde geduldig warten. Nach Jahrzehnten der Stabilität mit dem leitenden Pfarrer Lothar Wenzel folgten ab Mitte der 1990er-Jahre 12 Jahre unter Thomas Seltmann. Moosdorf wechselte zwei Jahre nach dessen Weggang 2011 aus dem benachbarten Hundshübel, um "Ruhe in die Schönheider Gemeinde" zu bringen.

"Inzwischen ist es zu ruhig geworden", sagt Moosdorf. Den notwendigen frischen Wind könne er nicht bringen. Dabei wurde der scheidende Geistliche von seinen Laudatoren am Sonntag sehr wohl als Innovator, Inspirator und Universaltalent gelobt: Egal ob bei Problemen mit Technik, verstopftem Abfluss oder in Stellvertretung des erkrankten Kantors - der Chef packte an. Selbst simple Sitzungsprotokolle gerieten dank "spitzer Feder" mitunter zur "literarischen Kleinkunst".

Mit Weitsicht engagierte sich der 58-Jährige für den Verbund der umliegenden Kirchgemeinden. Für derart viel Engagement hielt ihm nicht zuletzt Ehefrau Sigrid den Rücken frei. Einen guten Draht zur weltlichen Gemeinde lobte der Schönheider Amtsverweser Eberhard Mädler. Der Ortspfarrer hatte sein Büro im Nebengebäude des Rathauses und gab seinerseits beispielsweise einem kommunalen Kindergarten im Kirchgemeindehaus "Asyl", als dessen Domizil umgebaut wurde - ein Geben und Nehmen.

Eberhard Mädler bedankte sich mit einem besonderen Schwibbogen, der Kirche, Rathaus und Museum des Schönheider Ortskernes darstellt. Der könnte demnächst in Leipzig erstrahlen. Moosdorf wird als einer von vier Pfarrern in der Dreifaltigkeitsgemeinde und zwei weiteren Schwesterkirchen arbeiten. Eine der neuen Herausforderungen dort ist ein soziales Stadtteilprojekt. Die Geschäfte in Schönheide übernimmt in der Zwischenzeit Pfarrer Jens Giese aus Sosa mit.

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