Nickelhütte erlässt Verbot für Gabelstapler auf Auer Mittelstraße

Um ihre Bürger besser vor Lärm zu schützen, sollen Kommunen Aktionspläne aufstellen. In der Praxis bringt das wenig. In Aue hat die Nickelhütte jetzt vorgemacht, wie es geht: die Ärmel hochkrempeln.

Aue.

Morgens, kurz vor sechs in der Mittelstraße von Aue: Gabelstapler sausen zwischen Wohnhäusern entlang. Sie klappern und scheppern. Die Fahrzeuge sind von einem Betriebsteil der Nickelhütte Aue zum anderen unterwegs. Knapp 400 Meter müssen sie sich dafür über die öffentliche Straße bewegen.

"Seit 50 Jahren lebe ich hier", sagt Ursula Berger. "Wenn man neben einem so großen Betrieb wohnt, muss man ein bisschen was aushalten, aber so schlimm war es noch nie." Seit einigen Monaten sei der Werksverkehr beträchtlich angeschwollen, beklagen sie und andere Anwohner. Manchmal kämen fünf bis sechs Stapler in einer halben Stunde vorbei. "Da klappern dann sogar unsere Fenster", sagt Ursula Berger. Besonders laut sei es, wenn die Stapler über die gepflasterten Kreuzungsbereiche fahren.

"Die Kritik ist berechtigt", sagte Geschäftsführer Volker Carluß auf Anfrage der "Freien Presse". "Es war nie vorgesehen, die Mittelstraße in diesem Umfang zu nutzen. Unsere Stapler sollen so selten wie möglich über öffentliche Straßen fahren."

Wohlbemerkt: Sie dürfen das durchaus. Die Nickelhütte steht seit 1635 hier; die Wohnhäuser kamen erst später dazu. Außerdem können öffentlich gewidmete Straßen von jedermann genutzt werden, bestätigt die Kreisverkehrsbehörde. Trotzdem erließ die Geschäftsleitung der Nickelhütte binnen drei Tagen nach Bekanntwerden der Beschwerden die Anweisung, dass Flurförderfahrzeuge die Mittelstraße nicht mehr befahren dürfen. "Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Abmahnung", sagt Carluß.

Die Nickelhütte stellt aus Recyclingmetallen verschiedene Nickel- und Kupferprodukte her, die weltweit verkauft werden. Der verstärkte Werksverkehr in letzter Zeit hatte laut Carluß damit zu tun, dass die Kapazität einer Anlage zur Kupferverarbeitung erhöht worden ist. Sie musste häufiger beschickt werden. Da die Kapazitätssteigerung weitergehen soll, habe man seit Donnerstag zwei Gabelstapler fest in dem betroffenen Betriebsteil stationiert, sodass Fahrten zwischen den beiden Werken entfallen. Am Montag komme ein dritter Stapler hinzu, den die Firma zunächst anmietet und später kaufen will. "Das kostet uns 40.000 Euro, aber wir wollen mit unseren Nachbarn in Frieden leben."

Bei einer weiteren Produktionssteigerung, die im Winter kommen könnte, wolle man einen internen Betriebsweg eröffnen, der am Schwarzwasser entlangführt. "Stapler sollen nur noch in Ausnahmefällen durch die Auer Neustadt fahren", sagt Geschäftsführer Carluß.

Die Reaktion des Auer Hüttenbetriebes ist ein Beispiel, wie Anwohnern unbürokratisch geholfen wurde. Um unerträglichen Straßenlärm zu reduzieren, sind die Kommunen im Erzgebirge derzeit angehalten, sogenannte Lärmaktionspläne aufzustellen. Dabei werden die Straßen mit dem höchsten Verkehrsaufkommen ermittelt. Dort sollen perspektivisch Schallschutzfenster in Häuser eingebaut, Tempolimits verhängt oder Flüsterasphalt verlegt werden. Auf die Umsetzung haben die Kommunen selbst aber kaum Einfluss, da es sich bei den neuralgischen Punkten meist um Bundesstraßen handelt.

Der Stadtrat von Lauter-Bernsbach verwarf die Aufstellung eines Lärmaktionsplanes im Juni, weil die Räte der Meinung waren, er habe zu geringe Aussichten auf Erfolg. Der Auer Stadtrat beschloss seinen Aktionsplan Ende Mai, aber die Mittelstraße kommt darin nicht vor. Anwohner, die sich über den Staplerlärm beschwert hatten, wurden von der Stadtverwaltung an die Untere Immissionschutzbehörde des Erzgebirgskreises verwiesen. Der Landkreis wiederum verwies auf die Landesdirektion Sachsen. Und die Nickelhütte? Die machte einfach was.

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