Plaudertasche bremst Orchester aus

Beim Neujahrskonzert im Kulturhaus "Aktivist" waren Ausschnitte aus Opern und Operetten zu hören. Die Schauspielerin Birgit Lehmann moderierte als "Kurfürstin Anna".

Bad Schlema.

Immer mal 'was Neues wird beim Neujahrskonzert im Kulturhaus "Aktivist" serviert. Diesmal war es eine Plaudertasche aus Dresden, in Gestalt der sächsische Kurfürstin Anna (1532-1585). Prächtig aufgedonnert betrat sie den Saal mir den Worten: "Eure Landesmutter steht vor euch! Das Volk heißt Volk, weil es folgen soll! Ich bin 500 Jahre alt und habe 15 Kinder. Ich komme aus dem 16. Jahrhundert, das ist das Sauf-Zeitalter. Macht es euch auf Erden schön! Ob es oben was zu trinken gibt, ist die große Frage." Damit war der fröhliche Kurs des Abends festgelegt. Die Schauspielerin Birgit Lehmann verkörperte jene sächsische Kurfürstin, die sich für soziale Belange ihrer Mitmenschen einsetzte. Die Annen-Medaille des Freistaates für soziales Engagement geht auf sie zurück.

Das Konzert begann mit dem Blumenwalzer aus Tschaikowsky Ballett "Der Nussknacker". Musikdirektor Reinhard Naumann leitete die Kammerphilharmonie "Miriquidi", den Silberbachchor Bad Schlema und die Vogtländische Chorgemeinschaft. Die Tanzschule "Karo-Dancers" wartete mit schönen Choreografien auf. Beim Blumenwalzer tanzten fünf Damen in langen roten Kleidern und sechs Kinder in weißen Kleidern allerliebst mit Blumenkränzen auf dem Kopf. Ebenso überzeugten die Tänzerinnen bei Aram Chatschaturjans herrlichem "Gopak" aus dem Ballett "Gajaneh".

Der lyrische Tenor Karol Bettley von der Operettenbühne Berlin sang einige der beliebtesten Schmalzstullen des heiteren Opern-Repertoires. Die Romanze des Nemorino aus Donizettis "Der Liebestrank" kam recht ordentlich von der Bühne. Bettley hatte an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" studiert. Die Sopranistin Antje Kahn von den Landesbühnen Sachsen wusste das "Lied an den Mond" aus Dvoráks Oper "Rusalka" mit romantischer Beseeltheit zu erfüllen. Antje Kahn ist heute Inspizientin und sang an renommierten Häusern wie an der Staatsoperette Dresden und am Münchner Prinzregententheater.

Erstaunliches vollbrachten das kleine Orchester, die Kammerphilharmonie "Miriquidi" und der Xylophon-Solist Steffen Rothe. Unerwartet entfielen aber einige Musikstücke, wie die Mazurka aus der polnischen Nationaloper "Halka". Warum? Musikdirektor Naumann offenbarte kummervoll hinter vorgehaltener Hand der "Freien Presse" den Grund: "Ich musste kürzen. Die Kurfürstin redet zu viel."

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