Private Kinderbetreuung - ein Traumjob mit Fallstricken

Daniel Wangemann hat seinen Job bei einer Bank an den Nagel gehängt, um Kinder zu betreuen. Er liebt diesen Beruf - und könnte dennoch einmal gezwungen sein, ihn wieder aufzugeben.

Lauter-Bernsbach.

Für die Sparkasse betreute er einst "die Schönen und Reichen im Erzgebirgskreis", wie er scherzhaft sagt. Doch dann machte er sich selbstständig. Zwar muss Daniel Wangemann auch in seinem neuen Job noch immer viel reden - nun aber mit Knirpsen im Vorschulalter. Er ist einer der rund 120 Tagesväter in Sachsen. Um das zu werden, hatte er sich noch als Banker nebenberuflich an einer Abendschule in Chemnitz fortgebildet - und eine 160 Stunden umfassende Ausbildung absolviert. "Unverständnis oder Ablehnung gab es aus meinem Umfeld wegen des Jobwechsels damals kaum", sagt der 46-Jährige. Warnungen gab es jedoch.

Denn als selbstständiger Tagesvater muss Wangemann auch in seinem neuen Job mit Zahlen jonglieren: Höchstens fünf Kinder darf er aufnehmen. Pauschal 600 Euro bekommt er seit Jahresbeginn pro Knirps für die 9-Stunden-Betreuung an fünf Tagen in der Woche in seiner Einrichtung im erzgebirgischen Lauter-Bernsbach. Vorher waren es lediglich 485 Euro, 3,50 Euro gibt es für die Verpflegung pro Kind und Tag extra. "Da muss man gut haushalten", sagt Wangemann. Denn Instandhaltung, Heizung, Wasser, Strom, neues Spielzeug, Versicherungen, die Weiterbildung, die Vertretungskosten im Krankheitsfall und die Altersvorsorge gehen auf seine eigene Rechnung,


Zwar gibt es einen Zuschuss zur Rentenversicherung. Doch bei den wenigsten reichen die Einkünfte, um wirklich vorzusorgen. "Tagespflegepersonen zahlen meist nur die Mindestbeiträge in die Rentenversicherung ein", bestätigt Ute Enders, Fachbereichsleiterin im Landratsamt des Kreises. "Da ist die Auszahlung am Ende in der Regel gering. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass sich einige aus der Tagespflege wieder verabschieden."

Rund 1700 Kindertagespflegepersonen kümmern sich im Freistaat um rund 7600 Kinder. Das sind in etwa so viele wie vor drei Jahren. Zum Vergleich: Die Anzahl der in Kitas betreuten Kinder ist im selben Zeitraum um etwa 20.000 auf 310.000 gestiegen. Diese Zahlen stammen aus dem März 2018. Aktuellere hat das sächsische Kultusministerium derzeit nicht.

Weil die Kindertagespflege stagniert, will der Freistaat die wichtige Arbeit der Tagesmütter und -väter allerdings bekannter machen. Momentan läuft eine Aktionswoche. Die Tagespflege zeichne sich durch Flexibilität und Familiennähe aus und trage zur Erfüllung des Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz bei, sagt Kultusminister Christian Piwarz (CDU). "Kindertagespflege ist nach wie vor ein wichtiger Baustein der Kindertagesbetreuung, den es zu sichern und weiterzuentwickeln gilt. Wir müssen da aber auch für eine Entlastung sorgen." Der erzgebirgische Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß (CDU) ergänzt: "Die Zeiten der Selbstausbeutung sind vorbei. Bei der guten Arbeitsmarktlage kann inzwischen jeder seinen Wunschberuf ergreifen."

Für Daniel Wangemann ist Tagesvater noch immer sein Traumberuf. Er mag es, zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln, Dinge neu entdecken und durch Erfolgserlebnisse wachsen. Er schätzt die familiäre Atmosphäre. Die kleine Gruppe ermöglicht es ihm, auf jedes Kind individuell einzugehen. "Sonst liegt der Fokus oft auf dem Lautesten, die Stillen fallen da hinten runter. Doch durch eine individuelle Ansprache können auch sensible Kinder richtig aufblühen", sagt er.

Wangemanns haben ideale Voraussetzungen, um ihren Schützlingen "so etwas wie ein kleines Nest zu bieten". Daniels Ehefrau Dorit ist gelernte Erzieherin - und schon seit 15 Jahren als Tagesmutter tätig. Während Daniel Wangemann die Vorschulkinder um sich schart, kümmert sie sich um eine zweite Gruppe mit den Jüngeren. Drei Räume im Erdgeschoss ihres Eigenheims haben die Wangemanns für ihre beiden räumlich und wirtschaftlich getrennten Tagespflegeeinrichtungen "Lauter Sternle" altersgerecht hergerichtet. Die Omi kocht meist für die Kleinen. Draußen im Garten gackern Hühner, eine Katze und ein Hund streifen umher. Schaukeln, eine Rutsche und einen Sandkasten gibt es. Wiesen, Wald, ein Bach und ein öffentlicher Spielplatz sind ganz in der Nähe.

"Ich würde alles wieder so machen", sagt Daniel Wangemann. "Aber das Problem der Absicherung im Alter und im Krankheitsfall habe ich schon immer im Hinterkopf. Ich kann nur an die Politik appellieren, dass da nachgebessert wird. Sonst müssten auch wir über kurz oder lang darüber nachdenken, beruflich doch noch umzuschwenken."

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    1
    Distelblüte
    22.05.2019

    @Martin43: Sie haben recht, wenn es um unsere Kinder geht, sollte bei Versorgung und Weiterbildung von Erziehern nicht gespart werden.
    Hier im Artikel ging es aber um Tagesmütter und -väter und dass sich diese aus den ausbezahlten Geldern komplett selbst versichern müssen. Jeder Selbständige kann ein Lied davon singen, welche Summen da für Krankenkasse, Vorsorgeleistungen usw. draufgehen. Von Altersvorsorge können viele nur träumen. Dies war der Kritikpunkt, der in diesem Artikel zur Sprache kommt.
    Was staatliche Einrichtungen betrifft, so ist über das Gehalt das meiste abgesichert. Was jedoch nach wie vor ein Unding ist, ist der Personalschlüssel. Wenn ein Erzieher nicht nur sechs Kleinkinder zu versorgen hat sondern oft doppelt so viel, dann sind Rückenschmerzen vom Hochheben, herumtragen, gebeugtem Stehen beim Wickeln und jeder anderen kleinen Hiilfestellung für die Zwerge leider der Normalfall und nicht die Ausnahme. Auf diese Weise brennt man Mitarbeiter aus. Wenn sich da nichts tut, nützt es wenig, sehr motivierte Mitarbeiter zu haben, wenn es viel zu wenige sind.

  • 1
    0
    Martin43
    21.05.2019

    Hallo an alle,

    ja es ist Fakt in der Familienpolitik Deutschlands ist einiges am argen, das hat die Kinder Kommission des Bundestags schon festgestellt und es soll entsprechend nachgebessert werden! Das traurige dabei ist die Leidtragenden sind unsere Kinder und das ist die nächste Generation, wie soll sich ein Kind z.b. zum gesunden Erwachsenen entwickeln können, wenn Fachkräfte im Kindergarten überfordert und oder unterbezahlt sind und oder nicht fortgebildet werden um zu erkennen welche Förder und Forderungen ein Kind wirklich braucht und wie Sorgerechtsregelungen bei getrennten Eltern zu beachten sind!



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