Pro Silberberg: Regionale Wirtschaft wendet sich an Bürger

Trotz des Ausstiegs von Schneeberg appellieren hiesige Unternehmen an die Bürger: Eine Einheitsstadt sei unverzichtbar, Letztlich gehe es um Arbeitsplätze.

Aue/Schneeberg.

Zwar hat Schneeberg sich jüngst per Stadtratsbeschluss von den Plänen für eine Einheitsstadt mit Aue, Lößnitz und Bad Schlema verabschiedet, doch mit dem "Schneexit" dürfe die Debatte um Silberberg nicht enden. Das findet die Industrie und Gewerbevereinigung Aue (IGA), die sich mit einer neuen Pressemitteilung ausdrücklich an die Bürger wendet. Darin heißt es, man müsse sich den Herausforderungen stellen, statt sie kleinzureden, sonst würde die Region perspektivisch in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Als Herausforderungen nennt die IGA unter anderem: Einwohnerrückgang und daher sinkende Zuschüsse, zunehmende Überalterung, das Einbrechen der Fördermittel mit Auslaufen des Solidarpaktes zum Aufbau Ost im Jahr 2019 und den Fachkräftemangel. In einer Einheitsstadt Silberberg mit mehr als 40.000 Einwohnern könnten die Kommunen diesen Schwierigkeiten vereint entgegentreten - und auch zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

"Wir wollen keine blühenden Landschaften versprechen, aber wenn wir nichts tun, werden die Probleme größer", sagt Dietmar Böhm, Vorstandsmitglied der IGA. Eine große Einheitsstadt könne junge Leute anlocken, die sonst nicht kämen. Nur mit diesen könnten die Unternehmen offene Stellen besetzen und eine Weiterentwicklung schaffen, die wiederum zu neuen Jobs führen kann.

Zum "Schneexit" sagt Böhm: "Wir betrachten das als kurzsichtige Entscheidung. Allein werden die Kommunen ihre Aufgaben und Probleme auf Dauer nicht stemmen." Die IGA wünsche sich nach wie vor eine Einheitsstadt mit Schneeberg. Zur IGA gehören fast 120 Unternehmen mit etwa 12.000 Arbeitnehmern, nicht nur aus Aue, sondern auch aus Schneeberg und vielen Kommunen des West-Erzgebirges.

Als weitere Argumente für Silberberg nennt die IGA etwa bessere Chancen für Ausbau und Erhalt von Straßen- und Schienenverbindungen. Die Eisenbahnverbindung nach Chemnitz stünde nicht in Frage, wenn es die Einheitsstadt gäbe. Würden die kommunalen Wohnungsgesellschaften zusammengelegt, könnten Sanierungen leichter umgesetzt werden, sagt Böhm. Attraktivere Wohnungen wiederum seien ein Plus im Werben um junge Leute, die Arbeitsstellen in dann gemeinsam geplanten Gewerbegebieten finden könnten.


Demografie-Studie sagt: Aue hat keinen Fusionszwang

Die Situation ist paradox: Aue gilt einer jüngsten Demografiestudie zufolge als einzige Stadt im Erzgebirge, die sich Wachstumsstadt nennen darf. Das heißt, sie verzeichnet bei der Bevölkerungsentwicklung im Gegensatz zu allen anderen Kommunen in der Region ein Plus, wenn auch nur ein leichtes. Lukas Weiden, einer der Berliner Autoren der Empirica-Studie "Schwarmverhalten in Sachsen" vom Juni 2016 sagt deshalb: Die Stadt Aue könne sich im Prinzip zurücklehnen, mit ihrem Status als Wachsumsstadt bestehe aus ihrer Sicht absolut kein Zwang für eine Fusion.

Die Studie prognostiziert aber auch, dass - wenn es mittel- bis langfristig um die Verteilung von Fördergeldern geht - die Wahrscheinlichkeit hoch sei, dass dann die vorhandenen Zentren weiter gestärkt werden, anstatt Geld in die schrumpfenden Kommunen rundrum zu investieren.

Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) sieht dennoch keinen Anlass, sich bei der Frage, ob Silberberg kommt oder nicht, zurückzulehnen und beim "Sterben" der anderen zuzuschauen. "Mir liegt an der Stärkung des gesamten Westerzgebirges", sagt er. Und weiter: "Ohne Fusion gehen uns jährlich sechs Millionen, bei einer Dreierfusion vier Millionen verloren. Das Geld käme allen beteiligten Kommunen zugute."

Auch in der IGA glaubt man, Aue habe noch am ehesten Perspektiven, in Zukunft allein attraktiv zu sein: "Deshalb sind ja die Unterstellungen absurd, Aue wolle sich die kleineren Kommunen nur einverleiben", sagt Dietmar Böhm. Aue würde vom Zusammenschluss zwar profitieren, die kleinen Kommunen würden langfristig aber allein nicht bestehen.(suki)

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