Rentner setzt in Kenia Hilfsprojekte um

Werner Pforte fliegt jetzt zum neunten Mal in das ostafrikanische Land. Der Schwarzenberger schaut hinter die Kulissen - und unterstützt Einheimische.

Schwarzenberg.

Von Leipzig über Istanbul nach Mombasa in Kenia - das ist am 20. August die Flugroute für Werner Pforte aus Schwarzenberg. Dann geht's noch etwa 30 Kilometer nach Süden, in den Küstenort Ukunda am Indischen Ozean. Dort wartet nicht nur eine Pension auf den Urlauber. Dort warten einheimische Freunde und Bekannte auf den Helfer. Den agilen Rentner aus dem Erzgebirge nennen sie mittlerweile "Papa" - eine Ehrerbietung, die nichts kostet, aber viel bedeutet.

Das hat nicht nur mit kleinen Geschenken und Mitbringseln zu tun, die bei Einheimischen Freude auslösen, "die man sich so in Mitteleuropa nicht vorstellen kann", so Werner Pforte. 1994, also vor 25 Jahren, war er erstmals in Kenia. Nun fliegt er zum neunten Mal in jenes ostafrikanische Land. Was für ihn einst nur als exotischer Urlaub gedacht war, hat sich zu einer Lebensaufgabe entwickelt. Weil er von Anfang an hinter die Tourismuskulissen schaute, wurde er schnell mit der Armut abseits von Hotelanlagen und weißen Sandstränden konfrontiert. "Als ich diese Armut, die primitiven Lebensverhältnisse besonders in den Dörfern gesehen habe, stand für mich fest: Ich will versuchen, mit meinen bescheidenen Mitteln zu helfen."


Und das macht er. Sein Anspruch: Hilfe zur Selbsthilfe leisten, die Leute dazu motivieren, dass sie ihr Leben in ihrer Heimat trotz aller Probleme verbessern. Längst wohnt er bei seinen Aufenthalten nicht mehr im Hotel, sondern in einer Pension. "Das gesparte Geld kann ich besser verwenden", erklärt er. Hat er doch einige private Hilfsprojekte, die er vorantreibt. Der Rentner bezahlt vieles - neben Reise und Unterkunft - aus eigener Tasche, fand in der Heimat aber auch Unterstützer, so im Ski-Club Schwarzenberg und bei Bekannten. "Allen Unterstützern bin ich dankbar. Und es gehört sich zu sagen, was aus den Spenden wurde", betont der gelernte Elektriker. "Mir ist wichtig, dass alles zu 100 Prozent bei denen ankommt, für die es gedacht ist, dass keine Verwaltungsgebühren anfallen. Darum bringe ich alles selbst hin und kaufe dort noch, was an Material gebraucht wird."

Von groß angelegten Hilfsprogrammen hält der Erzgebirger nicht viel, da könne einiges versickern. "Es gibt überall Korruption. Viele halten die Hand auf. Mit eigenen Augen sah ich, wie gespendete Bekleidung auf einem Markt verkauft wurde."

Nachdem Werner Pforte anfangs vor allem einen jungen Mann und dessen Familie unterstützte, denen er half, ihre Behausung baulich auf Vordermann zu bringen, liegt der Hilfsschwerpunkt seit fünf Jahren auf einer mit Spenden finanzierten Ganztagsschule. "Diesmal wird es Malbücher und Stifte geben, auch ein Volleyballnetz ist geplant. Und vielleicht kleine Reparaturen." Die könnten beispielsweise an Schaukel und Wippe notwendig sein, die in Regie des Erzgebirgers zur Freude der Kinder im Schulgelände aufgebaut wurden und fast pausenlos genutzt werden. "In Absprache mit der Schulleitung wird für einige Kinder auch neue Schulkleidung bezahlt."

Für zwei inzwischen 16-jährige Mädchen, die sehr gute Leistungen zeigen und studieren wollen, übernehmen Erzgebirger das Schulgeld: Lavender wird von Werner Pforte, Judith vom Ski-Club Schwarzenberg mit je 600 Euro pro Jahr unterstützt. "Wir verfolgen die Entwicklung der Mädchen aufmerksam. Judith zum Beispiel will einmal Ärztin werden."

Werner Pforte betätigt sich in Ukunda auch als Übungsleiter und Lehrer: Zweimal in der Woche spielt er mit begeisterten Kindern Volleyball, zudem gibt er für interessierte Jugendliche einen kleinen Deutsch-Kurs. "Da geht's vor allem um Vokabeln", schränkt der Schwarzenberger ein. "Aber die jungen Leute haben begriffen, dass ihnen Fremdsprachenkenntnisse helfen, vor allem dabei, Arbeit zu finden, gerade auch in der Tourismusbranche."

Informationen zu Projekten und Hilfsmöglichkeiten gibt's unter Ruf 0170 2978170.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...