Sachse gewinnt in Bad Schlema die Dachdecker-Meisterschaft

Das Landesbildungs- zentrum im Kurort war Gastgeber für den Wettstreit der zunftbesten Gesellen aus ganz Deutschland. Die beiden Erstplatzierten fahren zur WM nach China.

Aue-Bad Schlema.

Vielleicht ist es ein bisschen verrückt, sich für die schwierigste Aufgabe von allen zu entscheiden, wenn man die Wahl hat. Wahrscheinlich muss man aber auch verrückt sein, dachdeckerverrückt, um solch einen Wettbewerb zu gewinnen. Paul Heil (20) aus Hartmannsdorf bei Chemnitz ist am gestrigen Dienstag in Bad Schlema zum besten deutschen Dachdecker-Gesellen des Jahrgangs 2019 gekürt worden. "Wir nennen es die deutsche Meisterschaft im Dachdecken", sagte Artur Wieschem, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks.

Zwölf frischgebackene Dachdecker, jeder der Beste seines Bundeslandes, sind am Montag und Dienstag im Landesbildungszentrum des sächsischen Dachdeckerhandwerks zusammengekommen, um die Allerbesten zu ermitteln. Zwei Pflichtaufgaben waren zu absolvieren, aber auch so etwas wie eine Kür: eine Aufgabe, die jeder Teilnehmer frei wählen durfte. Paul Heil entschied sich für eine Schieferdeckung mit Kehle. Ein Stück Dach mit eingebundener Gaube, bei dem die Schiefer eine Wölbung bilden müssen.

Schieferdecken gilt als Königsdisziplin. Sehr kompliziert. "Du musst jeden Schiefer einzeln bearbeiten, damit es am Ende ein ordentliches Bild ergibt", sagte Paul Heil. "Aber das ist die Herausforderung. Ich arbeite am liebsten mit Schiefer. Man könnte sagen, es ist ein Hobby."

Von 200 möglichen Punkten sprach ihm die Bewertungskommission am Ende 180 zu - Platz eins. Seine Hauptarbeit, das Schieferdach, brachte den Löwenanteil davon ein.

Der junge Hartmannsdorfer arbeitet für die Heil Bedachungs- und Gerüstbau GbR mit Hauptsitz in Burgstädt (Landkreis Mittelsachsen), einem Familienbetrieb. "Mein Vater und mein Onkel sind meine Chefs", sagte er. Paul ist die siebte Generation. Anfang Dezember will er in die Dachdeckerschule Bad Schlema zurückkehren, um seinen Meister zu machen. Im nächsten Jahr fährt er zur Dachdecker-Weltmeisterschaft nach Peking. Mit seinem Sieg im Bundeswettbewerb hat er sich für diese Herausforderung qualifiziert. Das deutsche Team wird in China vom Zweitplatzierten in Bad Schlema, Matthias Kremer aus Rheinland-Pfalz, und den Siegern des Vorjahres, Julia Peetz aus Baden-Württemberg und Sebastian Quinten aus dem Saarland, komplettiert. Die WM findet alle zwei Jahre statt.

Thomas Münch, Geschäftsführer des Landesbildungszentrums, äußerte sich anerkennend über die Leistungen im Bundesentscheid: "Die Modelle, die hier zu decken waren, sind nicht einfach. Was die Teilnehmer gezeigt haben, ist hohe Dachdeckerkunst, zum Teil auf Meisterniveau. Nun hoffen wir, dass alle in diesem Beruf bleiben."

Im Schuljahr 2019/2020 haben in Sachsen mehr als 100 neue Dachdecker-Azubis ihre Lehre aufgenommen. An der Dachdecker-Schule in Bad Schlema wurden bislang mehr als 6000 Lehrlinge und über 500 neue Meister ausgebildet.

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