Salz im Po ist so strafbar wie Crystal

Eine Frau muss wegen Drogenschmuggels für 15 Monate ins Gefängnis, obwohl sie keine Drogen geschmuggelt hat. Für die Strafe ist etwas anderes entscheidend.

Aue/Chemnitz.

Immer wieder werden am Grenzübergang in Johanngeorgenstadt Leute geschnappt, die versuchen, Crystal von Tschechien nach Deutschland zu schmuggeln. Mancher trägt es in der Einkaufstüte; andere sind "kreativer". So fassen Zollbeamte mitunter Schmuggler, die das Crystal in Folie verpackt in ihrem Po verstecken. Doch was ist, wenn die Drogenkuriere in Tschechien betrogen werden und statt Crystal nur harmloses, legales Salz versteckt haben, das auch als Streckmittel verwendet wird?

Das musste das Landgericht in Chemnitz klären, denn genau das war einer 39-Jährigen passiert, die bereits im März 2016 an der Grenze erwischt wurde. "Ich war mit einem Bekannten von Leipzig ins Erzgebirge gefahren. Der wollte einen Bekannten besuchen und billig Zigaretten kaufen. Ich habe gar nicht gemerkt, dass wir die Grenze überschritten haben", versuchte sie dem Gericht glauben zu machen.


Auf dem Vietnamesenmarkt habe sie nach Handtaschen geschaut, während ihr Kumpel kurz verschwunden sei. Dann wollten sie zurück zum Bahnhof gehen. "Doch als die Zöllner kamen, ist mein Bekannter weg gerannt. Da ich Drogenkonsumentin bin und aus Leipzig noch etwas Streckmittel dabei hatte, habe ich es schnell versteckt." Doch das wollte ihr die Staatsanwältin nicht abkaufen: "Kein Mensch trägt Salz in Folie verpackt in seinem Po."

Diese wacklige Argumentation brachte ihr Bekannter, der derzeit eine mehrjährige Haftstrafe absitzt, zum Einsturz. "Wir fuhren nach Tschechien, um Crystal zu kaufen. Wir dachten auch, dass es Crystal ist", so der 53-Jährige. 100 Gramm sollten es sein. Am Ende fanden die Zollbeamten in seiner weggeworfenen Einkaufstüte 94 Gramm - allerdings kein Crystal, sondern Dimethylsulfon, eine Art bitter schmeckendes Salz.

Doch ist das Duo, dem in Tschechien Salz im Wert von rund einem Euro angedreht wurde, nicht genug gestraft? Und kann die Frau verurteilt werden, obwohl sie gar kein Crystal geschmuggelt hatte?

Für das Gericht bestand nach der Beweisaufnahme zumindest keinerlei Zweifel, dass die Frau geglaubt hatte, sie würde Crystal schmuggeln. "Die Absprache mit dem Bekannten, der Fundort im Po und der Versuch, die Tüte wegzuwerfen, sind eindeutige Indizien dafür", erklärte der Richter. Weil es aber kein richtiges Crystal war, sprechen Juristen von einem sogenannten untauglichen Versuch, der aber genauso strafbar ist.

Für die Frau bedeutet dies, dass sie für 15 Monate ins Gefängnis muss. Für die 39-Jährige, die mit zwölf Jahren ihren ersten Drogenrausch hatte und deren Leben seitdem die Sucht bestimmt, ist das keine neue Erfahrung. Sie hat bereits 21 Vorstrafen, unter anderem wegen Diebstahl, Betrug und Prostitution. Ein Gutachter glaubte nicht, dass sie den Absprung schafft: "Sie hat den Ernst der Lage nicht erkannt."

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