Schlammlawine dringt in Wohnhaus ein

Nach dem Starkregen vor einer Woche in Lößnitz gab es kaum Schäden. Ein Haus aber hat es umso heftiger getroffen.

Lößnitz.

In der Küche hat jemand mit Schlamm an die Wand geschrieben: "So ein Mist." Ihren Humor haben sich Kathrin (54) und Uwe (57) Hannemann bewahrt. Ansonsten sind sie noch immer fassungslos angesichts des Unheils, das vor einer Woche aus wolkenbedecktem Himmel auf sie hereingeprasselt ist.

In der Nacht vom Freitag zum Samstag ging über Lößnitz ein starker Gewitterregen nieder. Die Johannisstraße und Nebenwege wurden mit Schlamm von angrenzenden Feldern überspült. Unterm Strich endete die Flut aus Wasser und Dreck für die Anwohner glimpflich. Nicht so im Brunnenweg 22, wo Familie Hannemann wohnt.

"Während des Unwetters haben wir geschlafen", sagt Kathrin Hannemann. "Als ich am Morgen nach unten ging, stand im gesamten Flur der Schlamm mehr als knöchelhoch. Es war ein Schock." Auch Küche, Esszimmer, Bad und Heizungsraum waren mit einer dicken Schlammschicht bedeckt. Möbel, Herd und viele Haushaltsgegenstände - unbrauchbar. Sie stapeln sich jetzt als Sperrmüll vor dem Haus. Die Heizung ist ausgefallen, im Erdgeschoss gibt es keinen Strom. "Wir haben bis Dienstagfrüh geräumt", erzählt Kathrin Hannemann. "Ich bin froh, dass mein Arbeitgeber kulant war und mich freigestellt hat."

Schmutzspuren an der Hauswand belegen, dass das schlammige Wasser in der Unglücksnacht 60 Zentimeter hoch gestanden hat. Der so aufgestaute Druck reichte aus, um es durch Spalten in der Tür ins Innere zu drücken. Sogar ein Teil der Türfüllung wurde verbogen. Verschärfend kam hinzu, dass die Schleuse am Haus binnen kürzester Zeit von Getreidestoppeln verstopft wurde, die zusammen mit dem Schlamm angespült worden sind.

"Das ist wie nach dem Hochwasser 2013, bloß dass diesmal nur ein einziges Haus betroffen ist", meint Sabine Standke (58), die Schwester von Kathrin Hannemann.

"Wir haben nach dem Regen 18 bis 20 Tonnen Schlamm von den Straßen abgefahren", sagt Stadtwehrleiter Marcel Richter. "Vor dem Unwetter war auf dem Feld Gülle ausgebracht worden." Das wird jetzt zum Problem: Die Überreste fangen zu stinken an. Feuerwehrleute haben den Hannemanns beim Reinigen des Flurs geholfen, eine Freundin aus Zwönitz kam vorbei, um mit zu putzen. Aber noch kann nicht alles in Ordnung gebracht werden, weil die Versicherung erst nächsten Dienstag einen Gutachter schickt.

Im Nachbarhaus, bei Familie Thierfelder, hat die Schlammlawine Hof und Garten überspült und ist in eine Garage eingedrungen. "Aber das ist nichts gegen das, was nebenan passiert ist", sagt Peter Thierfelder. "Wir hatten Glück."

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