Schneeberger Firma erobert mit Spezialmaschine den Weltmarkt

Das Unternehmen Metallbau Müller hat sich mit einem Nischenprodukt neu erfunden. Abnehmer gibt es sogar in China.

Schneeberg.

Bei der Firma Metallbau Müller in Schneeberg laufen die Geschäfte auf Hochtouren. Im vergangenen Jahr investierte das Unternehmen gut 800.000 Euro in neue Maschinen, darunter Laseranlagen, Plasmaschneideanlagen und ein Vorführzentrum für Siebtechnik. "Wir erhoffen uns dadurch eine bessere Qualität und eine schnellere Fertigung", sagt Armin Baumgartl, der Geschäftsführer der Firma.

Denn in diesem Jahr hat das Unternehmen Großes vor: Es will eine Entschlammungsmaschine mit Kühlanlage auf den Markt bringen, mit der Wasserstrahlschneideanlagen noch präziser arbeiten sollen. "Die Kühlanlage hält die Wassertemperaturen stabil und erbringt so die geforderten Genauigkeiten", sagt Baumgartl. Außerdem wird aktuell an einem Modell mit sogenannter Sandrückgewinnung gearbeitet, um 60 Prozent des Sandes wieder dem Schneidprozess zuführen zu können. "Das möchten wir aber erst auf den Markt bringen, sobald der Sandpreis steigt", sagt er.

Moderne Wasserstrahlschneidanlagen mischen dem Hochdruckwasserstrahl meist scharfkantigen Schneidsand hinzu. Bis vor 20Jahren mussten die Maschinen manuell vom entstandenen Schlamm befreit werden. Erst die Firma Metallbau Müller erkannte den Bedarf an einer Automatisierung und entwickelte ein neues Produkt: Entschlammungsmaschinen für Wasserstrahlschneidanlagen. Es ist - einfach gesagt - eine Art überdimensionaler Kaffeefilter, der Sand und Wasser trennt.

Vor Jahr zu Jahr konnte das Unternehmen seinen Gewinn steigern, zuletzt lag der Jahresumsatz zwischen dreieinhalb und vier Millionen Euro. Begonnen hat das Unternehmen Metallbau Müller im Jahr 1990 mit dem Stahlbau und der Montage von Leitplanken. Jedoch sanken während der Jahrtausendwende die Aufträge durch den enormen Preiskampf sowie den Rückgang im Straßenbau. Daraufhin entwickelte das Unternehmen mit der Entschlammungsmaschine ein eigenes Produkt. "2002 haben wir die Maschine erstmalig auf der Euroblechmesse in Hannover vorgestellt und direkt sechs Stück verkauft", berichtet Geschäftsführer Armin Baumgartl.

Der 63-Jährige aus Aue erklärt das Prinzip der Anlage: "Der Schlamm wird aus der Wasserstrahlmaschine herausgezogen und in seine Bestandteile Wasser und Sand aufgeteilt. Anschließend wird das Wasser der Maschine wieder zugeführt. Die Stillstandszeiten werden dadurch enorm reduziert und der Kunde kann produktiver arbeiten."

Seine Firma hat mittlerweile bereits über 1400 Entschlammungsmaschinen hergestellt. Sie befinden sich weltweit im Einsatz, unter anderem in China, Chile, Bolivien, Thailand und den USA, und kosten je nach Modell zwischen 18.000 und 100.000 Euro. "Das entspricht etwa 10 bis 20 Prozent der Kosten einer Wasserstrahlmaschine", so Armin Baumgartl. Selbst große Autobauer nutzen die Technik aus Schneeberg.

Die Industrie- und Handelskammer Chemnitz bezeichnet die Firma als einen "Hidden Champion", einen heimlichen Technologieführer. Der Betrieb habe sich mit seinem Absaug- und Absetz-System eine führende Position erarbeitet, die bislang nur Branchenkennern bekannt sei, heißt es.

Derzeit sind 40 Mitarbeiter sowie drei Auszubildende zum Konstruktionsmechaniker und Mechatroniker in der Firma tätig. Bereits 2003 verstarb der ehemalige Geschäftsführer Frank Müller mit 41 Jahren an einem Krebsleiden. Armin Baumgartl, der bereits seit 1993 im Unternehmen tätig ist, wurde daraufhin zum neuen geschäftsführenden Gesellschafter. In zwei bis drei Jahren soll Tochter Claudia Baumgartl die Nachfolge als Geschäftsführerin übernehmen.

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