Stadtwerke wollen Eichert für die Zukunft fit machen

Für den Stadtteil in Aue ist ein neues Energiekonzept in der Entwicklung. Dabei geht es um Themen wie den Ausbau der Wärmeversorgung und die E-Mobilität. Auch ein Kritikpunkt vieler Anwohner spielt eine Rolle: die schlechte Busanbindung in die City.

Aue.

Paul Münzner und Stephan Tietze von der Tilia GmbH Leipzig waren sichtlich überrascht, als sich am Dienstagabend der Saal im Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Aue-Bad Schlema mit fast 50 Bewohnern des Auer Stadtteils Eichert füllte. In einer Informationsveranstaltung wurde dort das neue Quartierskonzept vorgestellt, das Tilia im Auftrag der Stadtwerke erarbeitet hat.

Es lebt sich gut auf dem Eichert - das brachten mehrere Bewohner des Stadtteils bei dem Treffen zum Ausdruck. Es gab aber auch Kritik, die sich im Wesentlichen auf die vor allem am Wochenende schlechte Busanbindung vom Eichert ins Stadtzentrum und zum Klinikum auf dem Zeller Berg und die Nahversorgung bezog. Die beiden Planer aus Leipzig hörten sich auch diese geduldig an, obwohl das Anliegen des Konzepts ein anderes ist: Es geht darum, wie man Energie effizienter erzeugen und verteilen kann, um E-Mobilität, den Einsatz erneuerbarer Energien und Fragen der Digitalisierung. Tietze betonte, dass auch Wünsche für eine bessere Busanbindung aufgenommen werden, denn das Konzept zielt auch darauf ab, den CO2-Ausstoß zu verringern.

Bei der Erarbeitung des Quartierskonzepts stehen die Mitarbeiter von Tilia noch ganz am Anfang. Zurzeit werden vor allem Daten gesammelt. Dabei arbeitet man auch eng mit den drei Wohnungsgesellschaften zusammen, die auf dem Eichert vermieten. Die Wohnungsbaugesellschaft Aue unterstütze das Projekt, sagte deren Frank Polster, Leiter Wohnungswirtschaft bei der Wohnungsbaugesellschaft. "Wir wollen unseren Bestand modernisieren", versicherte er. Falk Schellenberger von der gleichnamigen Bäckerei mit Sitz auf dem Eichert berichtete davon, dass er schon lange über Ideen für Wärmerückgewinnung oder die Nutzung von E-Autos für sein Unternehmen nachdenke. "Bislang ist es unterm Strich aber so, dass das, was ich einspare, in keinem Verhältnis stehen würde zu dem, was man investieren müsste", sagte er. Die Tilia-Mitarbeiter versprachen ihm, sich seinem Problem gesondert zuwenden zu wollen.

Für die Stadtwerke liegt das Motiv für ein Quartierskonzept auf der Hand: Das Unternehmen hat auf dem Eichert ein großes Heizwerk, das in den nächsten Jahren einer Modernisierung bedarf. "Wir sind eine Firma, die wirtschaftlich zu arbeiten hat", sagte Geschäftsführerin Barbara Neubert. "Wir müssen schauen, wohin sich Absatz und Kundenzahl entwickeln." Erste Ideen steuert Tilia bei: Aus dem Erdgas, das verbrannt wird, wird nicht nur Wärme, sondern auch Strom gewonnen und das Fernwärmenetz erweitert. Zurzeit werden damit nur die Elfgeschosser an der Solinger Straße und der Straße der Freundschaft sowie die Kita versorgt.

Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung auf dem Eichert liegt bei über 65 Jahren. Ziel des Konzepts sei es auch, so Robin Chomek von den Stadtwerken, den Stadtteil attraktiver zu machen für jüngere Leute. Unter den Zuhörern am Dienstagabend waren auch Bewohner deutlich unter 65. Einer erzählte, nach 20 Jahren aus dem Westen in die alte Heimat zurückgekehrt zu sein. Mit seiner Frau hat er vor sieben Monaten eine Wohnung in einem Elfgeschosser bezogen. Er ist überzeugt: Die Region hat viele Vorteile.

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