Talsperre Eibenstock wird zum gelben Meer

Des Försters Freud', des Allergikers Leid: Jedes Jahr fliegt der Blütenstaub. Doch warum sind es diesmal so viele Pollen?

Eibenstock.

Was wie ein gestelltes Fotomotiv aussieht, ist tatsächlich als Schnappschuss entstanden. Diana Lichtenthal (32) und Martin Planitzer (34) betreiben die Facebook-Seite "Plali-Adventure", auf der sie hobbymäßig ihre Dokumentationen über die Natur und Geocaching hochladen. Als sie auf dem Nachhauseweg vom Vogtland ins Erzgebirge waren, kamen sie an der Talsperre Eibenstock vorbei. "Die Sonne stand so schön und wir ließen unsere Drohne steigen. Erst aus der Luft sahen wir die gelben Pollenablagerungen auf der Wasseroberfläche", erklärt Diana Lichtenthal.

Das Video zum Pollenmeer schnitten sie noch am selben Abend innerhalb von fünf Minuten zusammen. Insgesamt besitzen sie vier Drohnen, eine Go-Pro- und eine Spiegelreflexkamera, mit der sie die Leser ihrer Seite regelmäßig über die Geschehnisse in der Natur auf dem Laufenden halten. Seit 2013 betreibt Lichtenthal schon Geocaching, seit drei Monaten erst die Internetseite. Das Filmen und Fotografieren eignete sie sich selbst an.

Der Forstbezirk Eibenstock teilte mit, dass der Pollenflug hauptsächlich von der hiesigen Hauptbaumart, der Fichte, ausgeht. Sie blüht alle drei bis sieben Jahre. Kommt es zu Notsituationen für die Fichte wie Wasserknappheit oder starken Kälteperioden, blüht sie auch in kürzeren Abständen. Das wird Notfruktifikation oder Angstblüte genannt. Vor circa drei Jahren gab es schon einen ähnlich intensiven Pollenflug der Fichte. Christin Leuschner, Sprecherin des Forstbezirks, erklärt, dass der Höhepunkt trotzdem noch nicht erreicht sei. Das hohe Aufkommen an Pollen lässt auf einen gesunden Wald schließen und freut die Förster, da die Fichte so auf natürlichem Weg als Mischbaumart in unseren Wäldern erhalten bleibt. Neben der Fichte blühen zurzeit auch Tanne, Buche, Kiefer, Eiche und Birke.

Claudia Hinz (46) ist technische Assistentin für Meteorologie auf der Wetterwarte Fichtelberg. Sie ist hobbymäßige Bloggerin und fotografiert gerne in der Natur. "Wir haben zurzeit eine Pflanzenexplosion, da alles gleichzeitig blüht. Der Wind sowie die lange Trockenheit und der ausbleibende Regen verschlimmern die Situation. Wir bräuchten dringend Regen, weil nur dadurch eine Besserung der gesamten Situation eintreten kann", sagt Hinz.

Mit dem Wasser aus der Talsperre Eibenstock wird der Großraum Chemnitz, Stollberg und Zwickau mit Trinkwasser versorgt. Die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen teilt auf Nachfrage mit: "Das Wasser wird nicht von der Oberfläche genommen, sondern aus der Entnahmehöhe mit dem qualitativ besten Rohwasser. Der Pollenflug spielt bei der Wasserentnahme für die Trinkwasseraufbereitung keine bedeutsame Rolle." Durch das Filtern im Wasserwerk bleibe die Qualität des Trinkwassers gleich.

Zum Video

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