Thema Wolf: Emotionen kochen hoch

Hat es erneut einen Riss im Erzgebirge gegeben - dieses Mal an einem Kalb? Doch weniger dieser Frage wegen ist eine Informationsveranstaltung fast aus dem Ruder gelaufen.

Aue/Schwarzenberg.

Die Bemerkung fiel fast nebenbei am Dienstagabend im Oberwiesenthaler Kulturzentrum K 3: Am Dienstag vor einer Woche ist auf einer Weide in der Nähe von Schwarzenberg ein totes Kalb gefunden worden. Der Verdacht: Es handelt sich dabei erneut um einen Wolfsriss. Offiziell ist darüber bisher noch nichts verlautbart worden. Der Kadaver ist nach vorliegenden Informationen in die zuständige Landesuntersuchungsanstalt Sachsen gebracht worden.

Doch es war nicht mal diese bisher unveröffentlichte Information, welche die Emotionen an diesem Abend hochkochen ließen - bei der als Informationsveranstaltung zum Thema "Weidetierhaltung im Wolfsgebiet" organisierten Gesprächsrunde. Eingeladen dazu hatte die neu gebildete Fachstelle Wolf des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, die am 1. Juni in Deutschenbora ihre Arbeit aufgenommen hat und damit das bisherige Kontaktbüro "Wolf in Sachsen" in Rietschen als Ansprechpartner ablöst. Die neue Fachstelle wird zudem ab dem 1. August die Rissbegutachtung übernehmen, kündigt Fachstellenleiter Matthias Rau an. Bis dahin liegt diese noch in der Verantwortung der Landratsämter.


Doch die mehr als 50 anwesenden Gäste - vor allem Weidetierhalter aus vielen sächsischen Regionen, aber auch Jagdpächter und Wanderfreunde beispielsweise - wollten weder über neue behördliche Strukturen, noch über die Lebensweise des Wolfes informiert werden. Beschäftigen sie doch ganz andere Probleme. Unter anderem die Frage: Wie kann ich meine Tiere effektiv vor Wolfsangriffen schützen - nicht nur Schafe und Ziegen, sondern eben auch Pferde oder Alpakas beispielsweise. Da war Ulrich Klausnitzer - Naturwissenschaftler und studierter Agraringenieur, der in Sachsen als Experte für das Thema Herdenschutz gilt - mit seinem Vortrag zu Weidezäunen zwar schon näher dran. Doch auch er musste sich aus den Reihen des Landesjagdverbandes den Vorwurf gefallen lassen: "Das sind alles technische Spielereien, die sich im Gebirge nicht realisieren lassen." Allein schon beim Thema Winter konnte auch Ulrich Klausnitzer nur kapitulieren: "Für Schneelagen gibt es noch keine Patentlösungen."

Die existieren bisher für Schafe und Ziegen, auch für Rinder. Dementsprechend gibt es auch klare Regelungen für eine entsprechende Förderung beziehungsweise für eine Entschädigungszahlung. Doch mit welchen Zäunen lassen sich Pferde wirksam schützen oder Alpakas beispielsweise, wie sie Romy Schmidt und Fritz-Jürgen Hieke seit mittlerweile 15 Jahren auf ihrer Traumweide in Oberwiesenthal züchten? Dafür fehlten bisher die Erfahrungen, heißt es dazu von offizieller Seite. Und beim Thema Förderung ist dann von Einzelfallprüfungen die Rede, die allerdings erst vorgenommen werden, wenn es zu einem Wolfsriss gekommen ist. Die beiden Oberwiesenthaler haben sich ein Angebot eingeholt für ihren fünf Kilometer langen Zaun, den sie für die Alpaka-Weide benötigen würden: 155.134 Euro. Und der geforderte Untergrabeschutz sei dabei nicht einmal inbegriffen, weil er sich auf dem felsigen Gelände gar nicht realisieren lasse. So blieben an diesem Abend viele Fragen ungeklärt, fühlten sich insbesondere die Tierhalter nach wie vor im Stich gelassen mit ihren Ängsten und Sorgen. Und die an dem Abend vielfach angesprochene Wolfsverordnung sei auch nur eine "Luftnummer".

Unterdessen gibt es auch eine Reaktion aus dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zu dem toten Kalb aus dem Erzgebirge. Darin heißt es: "Die Rissbegutachtung in dem Fall ist durch Mitarbeiter des Landratsamtes durchgeführt worden. Die Besichtigung vor Ort hat keinen Hinweis auf Tötung des Kalbes durch den Wolf ergeben. Vom Veterinäramt des Landkreises wurde ein Wolfsriss - nach Bewertung von Fotos - für nicht wahrscheinlich gehalten. An dem Kadaver haben vermutlich andere Tiere gefressen." Am 6. Juni sei der Kadaver in die Landesuntersuchungsanstalt gebracht worden - "um die Todesursache festzustellen und zur Abklärung anzeigepflichtiger Tierseuchen", erläutert Behördensprecher Falk Hofer. Bei der Untersuchung seien keine typischen Hinweise für einen Wolfsriss festgestellt worden. Die weitere Abklärung der Todesursache sei noch nicht abgeschlossen. Seitens des Landratsamtes des Erzgebirgskreises wird ergänzend auf eine entsprechende Anfrage erläutert, dass eine DNA-Probe sichergestellt, diese bisher allerdings noch nicht zur Analyse eingeschickt worden sei.

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