Volkshochschule blickt auf 100 bewegte Jahre zurück

Die Einrichtung des Erzgebirgskreises feiert ein Jubiläum. Dabei vergisst sie nicht, sich ganz neuen Herausforderungen zu stellen.

Aue/Schwarzenberg.

Mehr als 87.000 Kursteilnehmer, 250.000 Unterrichtseinheiten, 53 Unterrichtsorte - es sind beeindruckende Zahlen, mit denen Jens Kaltofen aufwarten kann. "Dies kam allein in den vergangenen zehn Jahren zusammen", sagt der Leiter der Volkshochschule des Erzgebirgskreises. So lange gibt es die Einrichtung in ihrer heutigen Form. Dabei steht für dieses Jahr ein noch wichtigeres Jubiläum ins Haus: Die eigentliche Gründung der Volkshochschule (VHS) jährt sich zum 100. Mal.

Damit gibt es in den kommenden Monaten gleich zwei Anlässe zum Feiern. Am Dienstag findet in Annaberg-Buchholz der zentrale Festakt samt Festrede und Grußworten geladener Gäste statt. Bis Ende 2019 gibt es auch an den anderen Standorten Veranstaltungen - also in Aue, in Schwarzenberg, in Zschopau, in Olbernhau und in Stollberg.


Es seien bewegte 100 Jahre gewesen, sagt Jens Kaltofen. Was sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht: Die Volkshochschulen erfüllten zu jeder Zeit eine wichtige Rolle. Zu Zeiten der Weimarer Republik hatten sie sogar Verfassungsrang, blickt Kaltofen zurück. Als im Jahr 1919 der Beschluss gefasst wurde, die Weiterbildung des Volkes zu befördern, seien in Deutschland in kurzer Zeit rund 900 Volkshochschulen entstanden. In der hiesigen Region gab es erst eine Einrichtung in Zschopau, anschließend in Annaberg und später in Olbernhau.

Dass das Erzgebirge zu den Vorreitern gehörte, hat Kaltofen inzwischen schwarz auf weiß. Er recherchierte im Kreisarchiv. Da fand er zu seiner großen Überraschung einen Arbeitsplan und ein Programmheft von 1919/1920. Nach dem Ersten Weltkrieg sollte den Menschen po-litische Grundbildung vermittelt werden - etwa zum Thema Demokratie. Auch Länderkunde stand auf dem Programm. Darüber hinaus wurden unter anderem Gesundheitskurse angeboten.

Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg brachten auch für die Volkshochschulen einen Umbruch mit sich. Sie wurden in Volksbildungswerk umbenannt. NS-Propaganda und Ideologie standen auf dem Programm. In den 1950er- und 1960er-Jahren gab es laut Kaltofen sehr viele Kursorte. "Man ging zum Beispiel in die Betriebe." Ziel sei es gewesen, Beschäftigten in der Landwirtschaft einen Berufsabschluss zu ermöglichen. Denn unter ihnen fanden sich viele Analphabeten.

Mit der Wende gab es abermals einen großen Bruch. Den VHS kam seit den 1990er-Jahren eine wichtige Rolle für die Arbeitswelt zu. So boten die Einrichtungen die Möglichkeit der Umschulung. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit brachten sie den Menschen neue Chancen. Vor zehn Jahren entstand mit dem Zusammenschluss der Standorte die VHS Erzgebirgskreis.

Es sind ganz neue Herausforderungen, denen sich die Volkshochschule stellen muss. Beispiel: Dozentenmangel. Auch die hiesige VHS bekommt diesen zu spüren. Es wird versucht, mit finanziellen Anreizen gegenzusteuern. So erhalten die Dozenten für Sprache nun 18 statt 15 Euro in der Stunde.

Nach wie vor stehen Sprachen an den Einrichtungen hoch im Kurs. Selbst Japanisch kann erlernt werden. Dass sich zunehmend Übersetzungsprogramme auf Smartphones durchsetzen, bereitet Kaltofen keine Sorgen. Die technischen Helfer sind schon jetzt in der Lage, innerhalb weniger Sekunden gesprochene Worte zu übersetzen, sodass der andere unmittelbar versteht, was gesagt wurde. Und dennoch gebe es viele Leute, die Spaß daran haben, selbst eine Sprache zu lernen. Zudem werden sich Kurse wie Yoga, Töpfern, Gitarrespielen, Schneidern, Selbstverteidigung und auch Malerei weiterhin einer großen Beliebtheit erfreuen, betont Kaltofen. Er ist sich sicher: Die Volkshochschulen haben auch in Zukunft ihren festen Platz in der Gesellschaft.


Kursgebühren bewegen sich zwischen 2,80 und 5 Euro

In die Finanzierung der Volkshochschule teilen sich der Freistaat Sachsen (17 Prozent), der Erzgebirgskreis als Träger (38 Prozent) und die Volkshochschule (45 Prozent) hinein. Letztere erhebt Kursgebühren. Der größte Teil des zur Verfügung stehenden Budgets (1,5 Millionen Euro) wird für die Dozenten benötigt. Die Kursentgelte bewegen sich pro Unterrichtsstunde zwischen 2,80 und 5 Euro.

Die Nachfrage nach den Kursen ist laut Leiter Jens Kaltofen sehr gut. Die Volkshochschule liege in Sachsen unter den besten drei des ländlichen Raumes. Ging die Nachfrage erst stetig nach oben, habe sie sich inzwischen auf einem hohen Niveau eingepegelt. Rund 22.000 Stunden Unterricht werden pro Jahr gegeben. (geom)

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