Vom Rechtsaußen zum Brückenbauer

In seinem früheren Leben war er Funktionär der Republikaner. Heute ist er überzeugter Christ und unterstützt Asylbewerber in Chemnitz und der Region. Die erstaunliche Karriere des Michael Beyerlein.

Chemnitz.

An der Sprache soll es nicht scheitern. "Herzlich willkommen!" steht in vielen internationalen Varianten an den Fenstern eines früheren Eckgeschäfts an der Frankenberger Straße in Chemnitz geschrieben. Dort hat seit Frühjahr die "Chemnitzer Brücke" ihr Domizil. Die Einrichtung des christlichen Vereins "Miteinander für Chemnitz" will dort eine Anlaufstelle für Migranten und Flüchtlinge etablieren. Nach eigener Darstellung, um ihnen einen Ort für Treffen zu geben, Wege zu Ämtern und Behörden zu weisen, Brücken zu bauen zu anderen Menschen.

Der Mann hinter dem Projekt ist Michael Beyerlein. Er ist Mitte 50 und erst seit Frühjahr in Chemnitz zu Hause. Vorher lebte er in Österreich, ursprünglich aber stammt er aus Hof. Dort ist der frühere Berufskraftfahrer kein Unbekannter: Über Jahre hinweg bekleidete er Funktionen bei der rechten Partei Die Republikaner. Für einige Zeit fungierte er sogar als deren Bezirksvorsitzender. "Den Gründer und langjährigen Chef der Partei, Franz Schönhuber, durfte ich persönlich in dessen Haus am Tegernsee kennenlernen", erinnert sich Beyerlein heute.

Zu einem Wendepunkt in seinem Leben wurde Ende der 1990er-Jahre die Begegnung mit einem Missionar aus Kanada. "Wahrscheinlich so ein religiöser Fuzzi", glaubte Michael Beyerlein, bevor er dessen Bekanntschaft machte. Doch schnell sei er von der Ausstrahlung des Mannes so fasziniert gewesen, dass er ihn bald Woche für Woche in dessen Gemeinde im gut 200 Kilometer entfernten Straubing besuchte.

Dort machte Michael Beyerlein auch seine ersten Erfahrungen in der Arbeit unter Asylbewerbern. "Ich hab' da Menschen kennengelernt, die mir von dem Wenigen, was sie hatten, noch etwas abgeben wollten", schildert er. "Orangensaft, Tee, Kaffee." An jenem Abend habe er erstmals bewusst gebetet. Die politische Karriere aber war vorbei.

In den Folgejahren besuchte Beyerlein eine Bibelschule, heute ist er ausgebildeter Missionar. Der Verein "Miteinander für Chemnitz", eng eingebettet in den "Missionsring", ein Netzwerk christlicher Werke, Vereine und Gemeinden der Stadt, hat ihn für Chemnitz begeistert. Die Türen hier hätten ihm von Beginn an offengestanden, erzählt er; auch in den hiesigen Kirchgemeinden. Dort wirbt Beyerlein seit einiger Zeit in Gottesdiensten und Gesprächsrunden für die Anliegen der "Chemnitzer Brücke", erzählt von den Flüchtlingen, die sich bei ihm an der Frankenberger Straße einfinden, von deren Schicksalen. Und von den Problemen im Heim am Adalbert-Stifter-Weg: Von der Schlaflosigkeit, unter der viele leiden, von den Spannungen zwischen den verschiedenen Kulturen, von Übergriffen auf Andersgläubige.

Gleichwohl die Einrichtung sich als Glaubenswerk versteht, das auf finanzielle Unterstützung Dritter und Spenden angewiesen ist, steht für Beyerlein Missionsarbeit im eigentlichen Sinne nicht im Vordergrund seiner Tätigkeit mit Flüchtlingen. "Wir wollen vor allem Hilfe anbieten; einen Raum geben zum Treffen und Wohlfühlen", sagt er. Und: "Wenn mich ein Muslim nach meinem Glauben fragt, dann werde ich ihm natürlich antworten."

Trotz mancherlei Bedenken: Die in der Ausländerarbeit eingebundenen Behörden, Vereine und Institutionen der Stadt schätzen das Engagement des zugewanderten Franken. "Er hat es geschafft, nahe der Erstaufnahmeeinrichtung eine Anlaufstelle einzurichten, ganz gleich welcher Religion die Leute angehören", sagt Etelka Kobuß, die Chemnitzer Ausländerbeauftragte. Das bestätigt auch Ahmad al Saadi. Der 23-jährige palästinensischer Asylbewerber aus Syrien ist regelmäßig in der "Brücke" zu Gast. "Hier ist ein friedlicher Ort, an dem man viel über andere Kulturen und Religionen lernen kann."

Mehr über die Arbeit Michael Beyerleins im Internet unter www.chemnitzer-bruecke.de

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