Wenn der Wolf kommt: Das soll man tun

Ruhig Blut bewahren, Abstand halten, in die Hände klatschen. Das sind Tipps, die Fachleute für eine Begegnung mit Wölfen geben. Doch worauf sollten Tierhalter achten?

Aue/Schwarzenberg.

Seit kurzem gibt es erste bestätigte Tiertötungen durch Wölfe im Erzgebirgskreis. In Oberwiesenthal griffen die Raubtiere eine Schafsherde an, drangen sogar in einen Stall ein. Bei Steinbach wurden ein einjähriges Rotwildkalb und ein trächtiges Alttier gerissen. Auch im Fall eines toten Stücks Rotwilds bei Johanngeorgenstadt steht der Wolf unter Verdacht. Mit einem Leitfaden reagiert das Landratsamt jetzt auf Bürgeranfragen. Die "Freie Presse" dokumentiert die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie verhalte ich mich bei Begegnung mit einem Wolf?Grundsätzlich gilt, dass man Abstand halten sollte. Zieht sich der Wolf nicht zurück und Ihnen ist die Situation nicht geheuer, sprechen Sie laut oder klatschen Sie in die Hände, um sich bemerkbar zu machen. Rennen Sie nicht davon, dies könnte ein Verfolgungsverhalten des Tieres auslösen. Sollte der Wolf sich Ihnen nähern, machen Sie sich groß, versuchen Sie ihn einzuschüchtern. Dabei sollten Sie eher einen Schritt auf das Tier zu als zurückgehen. Versuchen Sie nicht, sich einem Wolf zu nähern oder ihn zu locken. Lassen Sie ihm Raum für den Rückzug. Füttern Sie Wölfe nicht. Die instinktive Vorsicht, die Wölfe Menschen gegenüber zeigen, könnte verloren gehen.


Wie verhalte ich mich beim Fund eines Wild-Kadavers, der Opfer eines Wolfs sein könnte? Es ist ratsam, die Wolfsbeauftragte des Erzgebirgskreises oder das Landratsamt im Allgemeinen über den Fund eines Kadavers oder die Sichtung eines Wolfs zu informieren. Derartige Hinweise liefern wichtige Informationen über Vorkommen, Verhalten oder die Entwicklung der Wolfspopulation in der Region.

Wie kann ich meine Herde gegen Wolfsangriffe schützen? Laut dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft bieten Elektrozäune, mit einer Höhe von 100 bis 120 Zentimetern einen wirksamen Schutz. Eine zusätzliche Breitbandlitze über dem Elektrozaun ("Flatterband") kann das Überspringen verhindern. Für Schäfer mit einem Bestand von mehr als 100 Tieren empfiehlt sich die Anschaffung von Herdenschutzhunden. Seit Anfang 2019 liegt der Fördersatz für die Errichtung derartiger Anlagen bei 100 Prozent. Herdenschutzmaßnahmen garantieren zwar keinen hundertprozentigen Schutz, können jedoch Übergriffe durch den Wolf effektiv reduzieren.

Was ist im Schadensfall zu tun? Tierhalter sollten sich direkt an die Wolfsbeauftragte des Landratsamtes wenden oder - außerhalb der Sprechzeiten - über die Notrufnummer 112 die Rettungsleitstelle beziehungsweise die Polizei kontaktieren und dort eine möglichst genaue Ortsbeschreibung abgeben. Weiterhin zu melden sind Art und Umfang des Schadens sowie die Kontaktdaten des Meldenden. Alle weitergehenden Informationen erhalten Sie durch die örtlichen Einsatzkräfte.

Wer erhält im Schadensfall eine Entschädigung? In Sachsen werden Schäden, bei denen der Wolf als Verursacher festgestellt oder nicht ausgeschlossen werden kann, finanziell ausgeglichen. Dies gilt für alle Haus- und Nutztierarten. Voraussetzung ist die Einhaltung des Mindestschutzes. Dies gilt für Halter von Schafen, Ziegen und Wild. Halter anderer Nutztiere, etwa von Pferden oder Rindern werden bei bestätigten Wolfsübergriffen generell entschädigt, da es für diese Tierarten keine definierten Kriterien zum Mindestschutz gibt.

Wie erhalte ich Entschädigung? Zwingende Voraussetzung für die Zahlung ist eine Vor-Ort-Begutachtung durch einen Rissgutachter des Landratsamtes. Dieser erstellt ein Rissprotokoll, das Grundlage für Entschädigungszahlungen ist. Die Regulierung des Schadens erfolgt auf Antrag des Geschädigten über die Landesdirektion Sachsen.

Was ist weiterhin geplant?

Das Landratsamt wird in diesem Jahr wieder einige Fachvorträge zum Thema Wolf anbieten. Die Landkreisverwaltung wird die Termine kurzfristig bekanntgeben. (mu)

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7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    1
    Amer
    23.05.2019

    @distelblüte: Ja, man lernt nie aus.

  • 3
    4
    Distelblüte
    23.05.2019

    @Amer: Achso. Ich hatte schon vermutet, dass Sie einer der Messermänner sind, vor denen uns die AfD immer warnt.
    Sie nutzen das importierte Messer also für Survivaltrips? Ich hätte ja eher vermutet, dass man ein Kampfmesser auch genau dazu mit sich führt, aber gut. Wieder was gelernt. Und ich hab bis jetzt geglaubt, dass zum Hacken und Graben eine Hacke und eine Schaufel das Werkzeug der Wahl wären.

  • 4
    2
    Amer
    23.05.2019

    @distelblüte: Hacken, graben, eher selten schneiden. Damit kann man sogar kleine Bäume fällen, um Unterstände zu bauen. Wer in die Wildnis geht, weiß schon etwas damit anzufangen. Und: Wer in die Wildnis geht, hat auch keine Angst vor Wölfen.

  • 3
    6
    Distelblüte
    21.05.2019

    @amer: WTF? Wozu tragen Sie so ein Teil mit sich herum? Damit sind Sie eher ein Kandidat für eine verdachtsunabhängige, regelmäßige Kontrolle durch die Polizei.

  • 1
    3
    Amer
    21.05.2019

    Wer eine Busse Battle Mistress sein Eigen nennt, braucht vor gar nichts Angst zu haben. Aber deshalb wollen Politiker so etwas ja verbieten. ????

  • 10
    5
    cn3boj00
    20.05.2019

    Es wundert mich, dass die Überschrift nicht heißt: wenn der BÖSE Wolf kommt. Selten wurde so viel Angst geschürt wie zuletzt vor dem Wolf. Ist eben ein Wahlkampfthema.

  • 15
    1
    Freigeist14
    20.05.2019

    .....auf jeden Fall rote Mützen meiden und einen Wackerstein griffbereit halten .



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