Wirbel um Schneehöhen auf Fichtelberg

Die Wetterwarte auf dem Fichtelberg ist seit Jahresbeginn nicht mehr besetzt. Das führt schon jetzt zu heftigen Turbulenzen.

Oberwiesenthal/Aue.

Die Wetterwarte auf dem Fichtelberg läuft seit Jahresbeginn vollautomatisch. So zumindest hat es der Deutsche Wetterdienst entschieden. Allerdings hatte man da wohl den Winter im Erzgebirge verkannt. Der Verzicht auf das bisherige Personal hat spürbare Folgen: Denn beispielsweise stimmen die angegebenen Schneehöhen nicht.

Genau davor hatten die Grünen im Erzgebirge gewarnt und haben in den zurückliegenden beiden Jahren hat darum gerungen, die manuelle Betreibung der Wetterwarte auf dem Fichtelberg zu erhalten. "Ein rein automatisiertes Messnetz auf dieser Bergstation in mehr als 1200 Höhe führt zu erheblichen Qualitätsverlusten bei den zu erfassenden Parametern", sagt Ulrike Kahl, die Kreisvorsitzende der Grünen im Erzgebirge. Für sie ist es ein Unding, diese Fachleute vom Berg abzuziehen, damit eine über 100-jährige Dokumentation von Wetterdaten achtlos zu beenden und schließlich mit nunmehr halbherzigen und eben falschen Daten auch dem Tourismus in der Region zu schaden.

Beispiele: Unter Berufung auf den Deutschen Wetterdienst (DWD) meldete die Deutsche Presseagentur am 2. Januar, dass auf dem Fichtelberg etwa 25 Zentimeter Schnee lägen. Die letzte offizielle Messung zu Neujahr betrug jedoch 68 Zentimeter. "Doch mehr als 40 Zentimeter Schnee verschwinden nicht einfach über Nacht, und schon gar nicht bei Minusgraden", sagt Ulrike Kahl. Auch am 8. Januar 2019 (und somit vor dem großen Wintereinbruch in dieser Woche) waren als Schneehöhe 24 Zentimeter auf der Karte des DWD verzeichnet. Wie es tatsächlich an diesem Tag in Oberwiesenthal aussah, zeigt das obige Foto neben der Grafik.

"Solche eklatanten Falschmeldungen des staatlichen Wetterdienstes sind auch ein Schlag ins Gesicht der Tourismuswirtschaft", so Kahl gestern in einer Mitteilung. Das verunsichere potenzielle Gäste. Sie kritisiert weiter, dass es mit dem Wegfall präziser Schneedichtedaten für die Wasserwirtschaft auch in Hinsicht auf Hochwasser nicht möglich sei, nachhaltiges Wassermanagement zu betreiben. Enttäuscht zeigte sich Kahl indes vom Bundestag: Auf eine im Juli 2017 eingereichte und von rund 6500 Menschen unterschriebene Petition hätten die Grünen bis heute noch keinerlei Rückmeldung erhalten.

Doch wie kam es nun zu der Meldung am 2. Januar mit 25 Zentimetern Schnee auf dem Fichtelberg? Die öffentlich zugängliche Datenbank des DWD im Internet weist für den 2. Januar für den Fichtelberg keine aktuelle Schneehöhe aus. Das bestätigte auch ein DWD-Mitarbeiter gegenüber "Freie Presse". Auf Nachfrage erklärte die Deutsche Presseagentur, dass man den Wert am 2. Januar vom Meteorologen vom Dienst in Leipzig erhalten habe. Dabei habe es sich um eine geschätzte Zahl gehandelt. Bereits kurz nach dem Jahreswechsel sei indes ein Hilferuf des DWD in der Wetterwarte eingegangen mit der Bitte, die Messgeräte von Schnee und Eis freizukratzen. "Genau das hatten wir befürchtet. Das geht nicht ohne Personal", so Kahl.

Zahlreiche Sachsen nutzen die Fichtelbergregion und die dortigen guten Wintersportmöglichkeiten als ihr Naherholungsgebiet an den Wochenenden. Dafür ist jedoch eine solide und korrekte Angabe über aktuelle Schneehöhen sehr wichtig, was den Tagestourismus angeht. "Noch ist das für uns nicht spürbar, zumal gerade jetzt richtig Winter ist", sagt Albin Galandt, der Leiter der Gästeinformation. Zudem verweist er darauf, dass auf vielen anderen Internetseiten, die der Stadt oder auch der Fichtelbergschwebebahn die realistischen Schneehöhen veröffentlicht werden.

"Eine präzise Schneehöhenmessung ist in exponierten Gipfellagen eine große Herausforderung", sagt Claudia Hinz vom Deutschen Wetterdienst. Die Schwarzenbergerin gehörte bis zum Jahresende zum Team der Wetterwarte auf dem Fichtelberg und ist nun nach Leipzig versetzt. Sie erklärt: "Aufgrund hoher Verwehungen auf dem fast baumfreien Gipfel ist eine Punktmessung, wie das Automaten tun, nicht sinnvoll. Deshalb gab es auf dem Fichtelberg insgesamt 16 Messpunkte in unberührtem Gelände. Aus dieser Vielzahl von Einzelmessungen wurde ein Mittelwert gebildet und so die Schneehöhe ermittelt."

Doch ihr Herz hängt weiter am Fichtelberg und deshalb beobachtet sie, ebenso wie die ehemaligen Kollegen der Wetterwarte, auch weiterhin das Wetter auf dem höchsten Berg in Sachsen. Nunmehr veröffentlichen sie die von Hand gemessenen Daten auf einer privaten Homepage. Wer also auch künftig aus erster Hand informiert werden möchte, wie das Wetter auf dem Berg ist und ob die Schneebedingungen gut sind, der klickt auf: www.fichtelbergwetter.wordpress.com

 

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