Wismut startet ein neues Großprojekt in Aue

In der Hakenkrümme lagern radioaktive Altlasten im Boden, aber auch Müll und Fäkalien. In wenigen Jahren soll das Gelände ein sauberes Wandergebiet sein.

Aue-Bad Schlema.

Bei Badewetter mitten im Oktober haben sich am Dienstag etwa 70 Frauen und Männer in Aue (Erzgebirgskreis) versammelt, wo vor genauso vielen Jahren noch Sachsens schönstes Freibad gestanden hat: an der sogenannten Hakenkrümme, die in der Nähe der Nickelhütte direkt am Schwarzwasser liegt. Das Areal hat seinen Namen von einer Geländeformation, die es einst hier gab. Der Fluss schlug einen Haken um eine Landzunge. "Aber das ist lange her", sagte Manfred Speer vor den 70 Zuhörern. Er ist Abteilungsleiter bei der Wismut und zuständig für die Sanierung der Altstandorte des einstigen Uranproduzenten.

Altstandorte sind alle Anlagen, welche die Wismut bis Anfang der 1960er-Jahre aufgegeben hatte und für die jahrzehntelang niemand verantwortlich war. Erst seit 2003 werden sie nach und nach in Ordnung gebracht - die Hakenkrümme jetzt für rund 4,5 Millionen Euro. Es handele sich um einen der wenigen Altstandorte, an denen noch ein radiologisches Risiko besteht, sagte Michael Paul, technischer Geschäftsführer der Wismut. Mit einem symbolischen Spatenstich wurde kurz danach der Startschuss für die Sanierung gegeben. Gekommen waren Vertreter der Stadt, des Erzgebirgskreises und der beteiligten Firmen, aber auch etliche Bürger.

Die Temperaturen an diesem warmen Herbsttag hätten einen Sprung ins kühle Nass zugelassen, aber das Freibad, das 1921 zu Sachsens schönster Badeanstalt gekürt worden war, ist genauso verschwunden wie die Flussschleife namens Hakenkrümme. Das Bad wurde in der wilden Zeit des Uranbergbaus dem Erdboden gleichgemacht, der Fluss selbst begradigt, sein altes Bett trockengelegt. Auf der einstigen Landzunge entstanden Bergbauanlagen mit drei Schächten und zwölf Stollen, später wurde radioaktiver Schlamm aus einer Uranaufbereitung gelagert. 1957 war alles vorbei. Ab 1970 nutzte die Stadt Aue das Gelände als Hausmülldeponie, Anfang der 1980er-Jahre wurde der Müll abgedeckt - mit Bauschutt. Danach wuchsen Gras und Bäume drüber.

Wegen der Müll-Altlasten wird die jetzt anstehende Sanierung zu einem Drittel von der Kommune und dem Erzgebirgskreis mitfinanziert. Aues Baubürgermeister Jens Müller nannte den Sanierungsauftakt einen Meilenstein für die Stadt und die einstige Hakenkrümme ein "wertvolles, romantisches Naturgebiet".

Das soll sie auch wieder werden. Nach der Sanierung, die laut Manfred Speer zwei Jahre dauern wird, lässt die Wismut neue Bäume pflanzen und übernimmt fünf Jahre lang die Grünpflege. Auch neue Wanderwege werden angelegt. In diesem Jahr wolle man noch die Zufahrtsstraße fertigstellen, auf der die schweren Baufahrzeuge vom Becherweg aus auf das Gelände rollen, sagte Bauunternehmer Markus Oehme aus Dorfchemnitz. "Mit den Erdarbeiten beginnen wir nach dem Winter, je nach Wetterlage. Bodenfrost stört uns weniger, aber der Schnee sollte weitgehend weg sein."

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