Zschorlau sieht Eigenständigkeit gesichert

Die kleine Gemeinde kann auf eine gut funktionierende Infrastruktur verweisen. Jetzt kommt es auf Erhalt statt Neuinvestitionen an, sagt Bürgermeister Wolfgang Leonhardt. 2020 steht die Erweiterung des Gewerbegebietes an.

Zschorlau.

Die Gemeinde Zschorlau will ihre kommunale Eigenständigkeit bewahren. "Die finanzielle Situation macht es nicht notwendig, sich jemandem anzuschließen. Wir sind gut in der Lage, uns selbst zu verwalten", sagt Bürgermeister Wolfgang Leonhardt (CDU). Damit das in Zukunft auch so bleibt, hat sich die Gemeinde dem Grundsatz verschrieben, dass der Erhalt vorhandenen Vermögens vor Neuinvestitionen geht und dass kommunale Einrichtungen sparsam und wirtschaftlich zu betreiben sind.

Bei der anstehenden Neubesetzung des Gemeinderates hofft Leonhardt darauf, dass auch in Zukunft ein sachlicher Umgang miteinander möglich sein wird. Das hat er an dem seit fünf Jahren tätigen Rat geschätzt. Man könnte meinen, bei zwölf CDU-Abgeordneten, einem Abgeordneten der Albernauer Alternative und drei der SPD im aktuellen Gemeinderat könnte sich ein CDU-Bürgermeister entspannt zurücklehnen. "Dem ist nicht so", sagt Leonhardt. "Auch innerhalb der Fraktion sind wir oft nicht einer Meinung, parteipolitische Zwänge gibt es nicht", betont er. Seine Devise: "Bei einer Entscheidung, die ich treffe, muss ich begründen können, warum ich diese treffe."


Die relativ kleine Gemeinde mit aktuell 5342 Einwohnern kann sich recht viel leisten: Eine Grund- und eine Oberschule, drei Kindertagesstätten, eine Bibliothek, mehrere Sportstätten und Freizeiteinrichtungen. Die Herausforderungen der nächsten Jahre macht der Bürgermeister an den Konzepten fest, nach denen der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung arbeiten. Sie stehen unter dem Leitsatz "Stark bleiben auch in Zukunft". 2014 wurde die Gemeinde mit dem Klimaschutz-Zertifikat "European Energy Award" ausgezeichnet und darf sich seither Klimaschutzkommune nennen. Das heißt, es gibt ein Management, wie der Energieverbrauch in kommunalen Gebäuden überwacht werden kann und welche investiven Maßnahmen zu Energieeinsparungen führen können.

"Das hat richtig was gebracht, in den letzten Jahren insgesamt einen fünfstelligen Betrag", sagt Bürgermeister Leonhardt. Mit dem "European Energy Award" verbindet die Gemeinde aber auch das Ansinnen, Vorbild in Sachen Klimaschutz zu sein. Weitere Konzepte, die auch für die Zukunft gelten sollen, sind das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, fortgeschrieben 2017 mit dem Fachteil Brachen, und das Sportstättenentwicklungs- und -bedarfskonzept von 2016. Wichtig ist der Gemeinde auch die Interkommunale Zusammenarbeit mit Stützengrün (Zentrale Kommunale Dienste) und mit Bockau (gemeinsamer Schulverband).

Bei den Gewerbesteuereinnahmen kann die Gemeinde mit 650.000 Euro jährlich rechnen. Dazu trägt das Gewerbegebiet Zschorlau West I bei, in dem derzeit zehn Unternehmen angesiedelt sind. Weitere sollen dazu kommen, wenn das Gewerbegebiet West II erschlossen sein wird. Dafür will die Gemeinde in die Infrastruktur investieren. Geplant ist, im 2020 eine Kreuzung zu bauen, die eine Einfahrt auf die neuen Gewerbeflächen ermöglicht.

Für Zschorlau sieht Leonhardt als Herausforderung, wieder mehr in die Erhaltung des kommunalen Wohnungsbestandes zu investieren. Den Bevölkerungsrückgang im Blick, will man Wohnungen für Familien anbieten, so zum Beispiel im Bereich Bühlstraße, wo aus zwei Wohnungen eine große entstehen soll.

Der Gehweg an der Bockauer Straße in Albernau ist ein festes Bauvorhaben für diesen Ortsteil. "Wir brauchen dort vor allem einen sicheren Weg für die Schüler von der Bushaltestelle nach Hause, leider ließ sich das Vorhaben nicht eher realisieren", sagt Leonhardt.

Mit dem Bau der Ortsdurchfahrt durch Burkhardtsgrün sei Großes geschaffen worden, findet der Bürgermeister. Nicht zufrieden ist er damit, dass ein Ausbau, sprich die Verbreiterung der Albernauer Straße im Ortsteil bisher abgelehnt wird. Werterhaltungsmaßnahmen stehen für das Dorfgemeinschaftszentrum und das Feuerwehrgerätehaus an.


Neue Serie startet

Bis zur Kommunalwahl am 26. Mai stellt "Freie Presse" in loser Folge alle Kommunen des Altkreises Aue vor. Und darum geht's: Was bewegt die Menschen im Ort, welche Projekte sind geschafft, welche Investitionen stehen in Zukunft an? Kurz vorgestellt werden auch die Bewerber für die Kommunalparlamente.


Zahlen und Fakten

Die Gesamtfläche der Gemeinde Zschorlau beträgt 22 Quadratkilometern, davon entfallen 16,35 Quadratkilometer auf Zschorlau, 2,55 auf Albernau und 3,1 auf Burkhardtsgrün.

5342 Bürger leben insgesamt in Zschorlau (2014: 5389), davon 3619 in Zschorlau (3701), 1039 in Albernau (1084) und 620 in Burkhardtsgrün (604). Insgesamt rund 415 Schüler besuchen die Grund- und Oberschule in Zschorlau sowie die Grundschule in Bockau.

Das Gewerbegebiet Zschorlau West I hat eine Bruttofläche von rund 12 Hektar, Zschorlau West II ist mit 5 Hektar geplant. Im Ort gibt es 390 Gewerbetreibende.


Diese Kandidaten treten in der Gemeinde an

Bewerber der Christlich Demokratischen Union (CDU): Dörfelt, Andreas; Georgi, Uwe; Keller, Anne-Katrin; Laue, Thomas; Unger, Enrico; Passauer, Jessica; Stierand, Ronny; Baumgartl, Matthias; Vetter, Maria; Süß, Lothar; Brückner, Giso; Fischer, Heidemarie; Förster, René; Knepper, Daniel; Rasl, Korinna; Beyreuther, Markus.

Bewerber der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD): Kolditz, Claudia; Lorenz, Uwe; Bonitz, Sina; Krause, Lutz; Ruzicka, Ines.

Bewerber der Albernauer Alternative (AA):

Herrmann, René; König, Jens; Solbrig, Sandy


Was sich Bürger wünschen

"Freie Presse" hat sich in Zschorlau umgehört, was sich Bürger vom neuen Gemeinderat wünschen:

Roberto Bauer (54) von der Hauskrankenpflege Sylke Bauer: "Was die Lebensbedingungen betrifft, würde ich Zschorlau als vorbildliche Gemeinde bezeichnen. Für den nächsten Winterdienst würde ich mir wünschen, dass auch an den Wochenenden schon ab 6 Uhr geräumt wird. Viele sind auch am Wochenende schon zeitig unterwegs. Dann wünsche ich mir, dass die Parkplatzsituation im Ort verbessert wird. Wenn sich an der politischen Zusammensetzung im Gemeinderat etwas ändert, wäre das im Sinne der Vielfalt gut."

Stephanie Pokowietz (29), Lehrerin an der Grundschule Zschorlau: "Ich freue mich, dass der Schulhof saniert wird und es dann auch mehr Parkmöglichkeiten für die Lehrer gibt. Auch das mit der Umgestaltung entstehende Klassenzimmer im Freien ist toll. Gastronomische Einrichtungen im Ort fehlen, der Ratskeller von meinen Eltern ist die einzige, die noch offen ist, früher waren es mal fünf. Auch eine Drogerie fehlt. Ich wünsche mir, dass sich der neue Gemeinderat mehr um die Spielplätze im Ort kümmert."

Manfred Mehnert (67), Rentner: "Viele Zschorlauer, vor allem die Jugend, wünschen sich ein Freibad. Leider ist die Gastronomie im Ort eingeschlafen. Als Mitglied des Skivereins freue ich mich, dass die Gemeinde die Anschaffung eines neuen Pistenbullys unterstützt hat. Jetzt wollen wir noch die Albernauer und Burkhardtsgrüner Loipen anbinden." (ike)

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