Pockau-Lengefeld trennt sich von Kämmerer

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Nach nicht einmal zwei Jahren im Amt verlässt Christian Fiebiger wieder die Verwaltung. Die Stadt setzt auf eine interne Nachfolge - und löst ein komplettes Amt auf. Das sorgt auch für Kritik.

Pockau-Lengefeld.

Erst im Februar 2019 hat Christian Fiebiger seine Arbeit in der Stadtverwaltung von Pockau-Lengefeld begonnen. Mit dem Jahreswechsel endet seine kurze Amtszeit als Kämmerer bereits wieder. Über die genauen Hintergründe wollen sich beide Seiten nicht äußern. Den neuen Weg, den Bürgermeister Ingolf Wappler nun einschlagen will, unterstützen obendrein nicht alle Stadträte.

Neben AfD-Fraktionschef Rainer Süß äußerte auch Gunter Schröter (Freie Wähler/SPD/Die Linke) Kritik an der Trennung von Fiebiger. Es sei mittlerweile der sechste Kämmerer in der Amtszeit des Bürgermeisters: "Es muss mal Kontinuität einziehen." Zwei davon seien aber auch in den Ruhestand gegangen, entgegnete Wappler. Über genaue Hintergründe zu der Personalangelegenheit wollte er in der öffentlichen Sitzung nicht berichten. Ulrich Findeisen (Freie Wähler/SPD/Die Linke) wiederum deutete an, dass es im Rathaus Zwist zwischen Mitarbeitern aus Pockau und aus Lengefeld gebe. Der Bürgermeister weist negative Stimmung zurück: "Es spricht im Rathaus keiner mehr von Pockauern und Lengefeldern", hob er den Zusammenhalt unter den Angestellten aus beiden Stadtteilen hervor.

Auf "Freie Presse"-Nachfrage ergänzte Wappler, dass keine menschlichen, sondern organisatorische Probleme dazu führten, dass die Zusammenarbeit mit dem Kämmerer in beidseitigem Einvernehmen nicht fortgesetzt werden soll. Fiebiger erklärt dazu: "Ich würde über die Stadt kein schlechtes Wort verlieren. Es ist eine tolle Stadt. Das Vertrauen auf beiden Seiten war nicht zu 100 Prozent gegeben." Bei drei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen segneten die Stadträte letztlich mehrheitlich die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit dem Kämmerer ab.

Seine Nachfolge tritt zum 1. Januar 2021 Maria Beyer an. Die Stadt setzt damit auf eine interne Lösung. Die künftige Finanzchefin arbeitet bereits seit dreieinhalb Jahren in der Verwaltung. "Sie verfügt über die Befähigung, aber auch über die Fähigkeiten", betonte Wappler. Das zweifelt Stadtrat Schröter keinesfalls an. Dass er der Entscheidung dennoch nicht zustimmen konnte, liegt an der neuen Struktur, die mit dem Personalwechsel einhergeht. "Dieses Verwaltungsmodell ist zum Scheitern verurteilt, gibt es in Deutschland kein zweites Mal", sagte Schröter. Was er damit meint: Im Rathaus soll die Kämmerei als Amt komplett aufgelöst werden. Ein Großteil der mit für das Finanzwesen zuständigen Mitarbeiter wechselt ins Hauptamt. Die neue Kämmerin wiederum wird dem Bürgermeister untergeordnet. "Maria Beyer muss damit keine Personalaufgaben mehr übernehmen und kann sich vollumfänglich den Finanzen widmen. Aber sie bleibt weisungsbefugt, sich alle notwendigen Informationen vom Hauptamt zu besorgen", erklärte Wappler, der sich davon weniger Konflikte erhofft. "Wir wissen, dass wir damit komplettes Neuland betreten, haben es aber rechtlich prüfen lassen", ergänzte der Bürgermeister.

Fakt ist, dass auf die neue Kämmerin viel Arbeit zukommt. Denn nachdem schon in diesem Jahr die Gewerbesteuereinnahmen aufgrund der Corona-Pandemie erheblich zurückgingen, rechnet Wappler für 2021 mit einem ähnlichen Rückgang. Dabei habe die Stadt mit den Steuerzahlen aus der Zeit vor der Krise kalkuliert. Und ob noch einmal ähnliche Finanzhilfen von Bund und Freistaat wie 2020 fließen, sei unklar. Erschwerend hinzu kommt die Baupreisentwicklung. Weniger Einnahmen, höhere Preise: Das sei ein Spagat. Wappler: "Der Stadtrat wird Entscheidungen treffen müssen, ob Projekte gestrichen werden. Auch um eine neue Kreditaufnahme kommt die Stadt nicht herum.

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