Ärzte bekommen Fahrer zur Seite gestellt

Der Bereitschaftsdienst für medizinische Notfälle ist neu aufgestellt worden. Unter anderem müssen die Diensthabenden nicht mehr allein zu den Patienten eilen.

Aue/Schwarzenberg.

Tritt in den heimischen vier Wänden ein medizinischer Notfall ein, eilt den Betroffenen im Zweifelsfall der ärztliche Bereitschaftsdienst zu Hilfe. Sprich: ein Arzt, der auf Abruf steht, weil es eine Tageszeit ist, in der keine Praxen geöffnet haben. In diesem System gibt es seit Anfang des Monats neue Strukturen. Unter anderem bekommt der Mediziner sozusagen einen Chauffeur an die Seite gestellt.

Das hat mehrere Gründe, erklärt Michael Müller von der Helfende Franken gGmbH aus Weismain. Er ist kaufmännischer Leiter des Dienstleistungsbetriebs, der auch in der Region Aue-Schwarzenberg mit der Aufgabe betraut wurde. "Ganz einfach, weil wir in Bayern bereits vier Jahre Erfahrung mit diesem Fahrdienstsystem haben. Da betreuen wir sechs Regionen", sagt Müller. Bezahlt werde das Ganze großteils von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Geändert hat sich in diesem Zusammenhang auch die Rufnummer des Bereitschaftsdiensts - erreichbar ist er bundeseinheitlich nun über 116117. Und zwar laut KV immer bei "nicht lebensbedrohlichen Beschwerden, wegen denen man normalerweise eine Arztpraxis aufsuchen würde", deren Behandlung aber nicht bis zum nächsten Werktag warten kann. Müller: "Zum Beispiel, wenn beim pflegebedürftigen Angehörigen nachts plötzlich der Katheder verstopft ist oder beim Kind Fieberschübe auftreten."

Dann macht der diensthabende Arzt einen Hausbesuch - und kann künftig auf den Fahrservice zurückgreifen. "Unsere Fahrer sind alle medizinisches Fachpersonal. Sie können dem Arzt also auch unterstützend zur Seite stehen", sagt Müller. Die Wagen seien für verschiedene Notfälle gerüstet. "Wir haben einen Defibrillator ebenso dabei wie EKG- und Sauerstoffgeräte." Auch spezielle Technik für Säuglings- und Kindernotfälle seien an Bord. "Wir sind also bestens gerüstet."

Gesteuert wird der Bereitschaftsdienst über eine Zentrale der KV. Geht über 116117 ein Notruf ein, entscheiden Experten, wer in die Spur geschickt wird: Rettungsdienst oder ärztlicher Bereitschaftsdienst. In letzterem Fall halten sich die Fahrer der "Helfenden Franken" in der Nähe des diensthabenden Arztes auf. "Wir sind schnell vor Ort und der Arzt hat unterwegs die Gelegenheit, noch mal mit den Betroffenen zu telefonieren, im Nachgang schon einige Unterlagen aufzubereiten oder den Ablauf des Einsatzes zu diktieren." Denn die Gebiete, um die sich ein Bereitschaftsarzt kümmert, werden laut Müller größer. "Das sind nicht mehr nur zwei bis drei Orte." In der hiesigen Region könne sich ein solches Einsatzgebiet von Stollberg bis Erlabrunn und Johanngeorgenstadt erstrecken. "Das ist aber gar nichts im Vergleich zu Bayern, wo wir teils noch größere Gebiete abdecken", so Müller. Diese Erfahrungen sollen im Erzgebirge einfließen. "Es kann nur hilfreich sein, wenn der Arzt Unterstützung an Bord hat - und nicht allein unterwegs ist auf weiten Strecken oder auch jemand dabei hat, wenn es eine Panne mit dem Auto gibt."

Zwei Fahrzeuge der "Helfenden Franken" seien in der Region Aue-Schwarzenberg und in der Region Glauchau pro Wochenende rund um die Uhr abrufbereit. "Wir arbeiten im Mehrschichtdienst und schaffen 16 Arbeitsplätze, suchen auch noch Mitstreiter", so Müller. Den Auftrag habe man über eine europaweite Ausschreibung erhalten.

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