Baumschnitt erregt Gemüter

Frisch gestutzte Ebereschen am Vogelbeerweg in Raschau sorgen für Gesprächsstoff. Für einen Fachmann liegt das Problem jedoch ganz woanders.

Raschau-Markersbach.

"De Fachleit waren wieder unterwegs", schreibt Frank Windisch aus Raschau an "Freie Presse" und meint damit jene Ebereschen, die vom Bauhof der Gemeinde am Vogelbeerweg beschnitten wurden. Windisch, der selbst viele Jahre im Bereich Straßenwesen und Landschaftsbau tätig gewesen sei, weiß, dass Baumpflege wegen der Verkehrssicherung sein muss. "Auch das Lichtraumprofil an der Straße muss stimmen. Keine Frage", betont er. Aber aus seiner Sicht, sollten das Leute machen, die Ahnung davon und einen gewissen Respekt vor Bäumen haben. Denn Bäume seien Lebewesen. "Wenn man nicht weiß, wie so etwas fachgerecht gemacht wird, könnte man auch mal eine Lehrgang belegen oder ein Fachbuch lesen", rät Windisch. Der Steuerzahler könne erwarten, dass diese Gelder auch wertbringend eingesetzt werden und nicht wild drauf los geschnitten werde, nur weil kein Winterdienst zu erledigen sei. Er habe zumindest diesen Eindruck gewonnen.

Auch Klaus Richter aus Raschau als langjähriges Mitglied im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnet den erfolgten Pflegeschnitt der Ebereschen als "absolut fürchterlich". Mehr noch, er spricht sogar von einer "Verstümmelung" der Bäume. Man habe damit die typische Wuchsform der Gehölze kaputt gemacht. "Man kann eben eine Baumschutzsatzung sehr unterschiedlich auslegen", so Richter. Nicht in Abrede stellt er, dass die Bäume im Frühjahr vielleicht wieder austreiben. Aber auch er vertritt die Ansicht, dass der erfolgte Schnitt wenig sachgerecht ausgeführt worden sei. "Und das ist leider nur ein Beispiel von vielen", sagt Richter, der früher, wie er erzählt, über viele Jahre in der Baumschutzkommission tätig war.

Nach einem prüfenden Blick auf den erfolgten Pflegeschnitt fällt das Urteil von Christian Arnold nicht ganz so dramatisch aus. Er ist studierter Forstwirt und hat selbst viele Jahre als Revierförster gearbeitet. Heute ist er im Forstbezirk Eibenstock tätig. "Bei diesem Baum ist nicht der erfolgte Schnitt der Krone, sondern vielmehr die Wurzel das Problem", sagt Arnold. "Ich denke, wenn der Baum in den nächsten Jahren kaputt geht, dann eher von der Wurzel her. Dort sehe ich das viel massivere Problem. Mit dem Schnitt hat man offenbar versucht, die Krone des Baumes der Größe der Wurzel anzupassen, was richtig und in diesem Fall auch angeraten ist. Aber optimal stehen die Bäume dort nicht", so seine Einschätzung.

Frank Tröger (Freie Wähler), Bürgermeister der Gemeinde Raschau-Markersbach, weist den Vorwurf der "Verstümmelung" und der unsachgemäßen Behandlung der Bäume zurück. "Wir wissen, die stehen da nicht gerade optimal. Das ist viel zu eng." Auch lasse er nicht gelten, dass die Mitarbeiter im Bauhof davon keine Ahnung hätten. "Wir haben sogar einen ausgebildeten Forstwirt im Bauhof, der das fachlich anleitet", so Tröger. Zudem seien gerade am Vogelbeerweg auch neue Bäume gepflanzt worden.

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