Chorkinder freuen sich schon auf Reise nach Frankreich

Neue Wege beschreitet die Grundschule Grünhain. Sie will als eine der ersten in Sachsen mit zwei französischen Grundschulen in einen Austausch treten.

Grünhain.

Seit Schuljahresbeginn gibt es unter den Chorkindern der Grundschule Grünhain kein Thema, das heißer diskutiert wird: "Wir fliegen nach Frankreich." Mit dieser Botschaft hatte das eine oder andere Kind seine Eltern im August überrascht, vielleicht sogar Kopfschütteln ausgelöst. Denn Grundschüler, die dank ihrer Schule ins Ausland fliegen, gibt es so oft nicht. Doch das Ganze war nicht etwa Kinderfantasie, sondern ein tatsächliches Vorhaben, das 2020 umgesetzt wird. Am Sonntag fliegen zunächst Kathrin Schürer, Katrin Schön und Janine Illig nach St. Etienne, um in den Partnerschulen zu hospitieren und die Weichen für den Schüleraustausch vom 10. bis zum 16. Mai zu stellen.

Dann nämlich werden 15 Chorkinder im Alter von sieben bis zehn Jahren sowie zwei Betreuer ins Land der Trikolore reisen. Die Flüge und die Jugendherberge im Zentrum der vom Bergbau geprägten Stadt sind bereits gebucht. Im nächsten Schuljahr folgt dann der Gegenbesuch der Franzosen im Erzgebirge.

"Im Oberschulbereich oder auch im Gymnasium sind solche Austauschprogramme sicher weit verbreitet, in der Grundschule keineswegs. Soviel wir wissen, gibt es bislang nur wenige Einrichtungen in Sachsen, die so etwas haben", sagt Kathrin Schürer. Die Chorleiterin, die 20 Jahre in Frankreich lebte und erst das zweite Schuljahr zurück im Erzgebirge ist, hat dieses ungewöhnliche und ehrgeizige Projekt ins Leben gerufen. Im vorigen Schuljahr nahm sie an einer Weiterbildung zu diesem Thema teil. "Ziel war damals schon, dass die Teilnehmer einen Partner im Nachbarland finden", so Schürer, die seit zwei Jahren einen Grundschulchor geformt hat, der mittlerweile auch bei öffentlichen Auftritten die Zuhörer begeistert.

Gleich zwei Schulen aus St. Etienne, eine davon hat selbst einen Chor, wollten mit den Erzgebirgern in Austausch treten. "Ich will versuchen, Musik und Sprache zusammenzubringen", sagt Schürer. Aus Telefonaten und aus der französischen Weihnachtspost weiß sie, dass die Grundschüler in St. Etienne genauso "heiß" auf den Austausch sind wie die Erzgebirger. Erste Kontakte gab es bereits per Post. Zudem werden im Chor Lieder gesungen, die zum Thema passen. Auch lernen die Grundschüler jetzt vieles über das Nachbarland, beschäftigen sich mit dessen Traditionen. Kathrin Schürer ist von der Unbeschwertheit begeistert, mit der die Mädchen und Jungen an die Sache gehen.

Sie selbst hatte Ende 2019, nachdem die Finanzierung aus dem EU-Förderprogramm "Erasmus+" geklärt war, auf einem Elternabend über die Pläne informiert. "Die meisten Eltern waren - wie meine Kollegen - begeistert", weiß Schürer. Daher ist die Nachfrage aktuell größer als das Angebot: "Wir müssen ein Auswahlverfahren machen." Ende Februar soll verbindlich feststehen, welche 15 Kinder mitfliegen dürfen.

Das Thema Frankreich jedenfalls hat längst die gesamte Schule ergriffen. Am 29. Januar gibt es Aktionen mit Bezug auf den deutsch-französischen Tag, der immer am 22. Januar aus Anlass der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags 1963 gefeiert wird.

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